Deutschland ist kein klassisches Vulkangebiet. Doch die Erde hierzulande ist längst nicht überall endgültig zur Ruhe gekommen. Besonders in der Eifel und im Vogtland weisen zahlreiche Anzeichen auf tief liegende magmatische Prozesse hin. Eine aktuelle Studie der Geologen Ulrich Schreiber und Gerhard Jentzsch zeigt nun, welche teils auch überraschenden Regionen auch in Zukunft als potenziell gefährdet gelten – und welche Konsequenzen das für die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall hat.

Aktiver Vulkanismus in der Eifel

Die Eifel gilt als die aktivste vulkanische Region Deutschlands. Unter ihr steigt heißes Gestein aus dem Erdmantel auf – ein sogenannter Mantelplume. Dieses Aufströmen hat in den vergangenen 700.000 Jahren mehr als 350 Vulkane hervorgebracht. Der jüngste Ausbruch ereignete sich vor rund 11.000 Jahren am Ulmener Maar. Berüchtigt ist vor allem der Ausbruch des Laacher Sees vor etwa 13.000 Jahren, der Asche über weite Teile Mitteleuropas verteilte.

Dieser Vulkanismus ist kein abgeschlossenes Kapitel. Langsame Hebungen des Untergrundes, tief liegende Erdbeben und die Zusammensetzung von Gasen in Mineralquellen deuten darauf hin, dass der Untergrund weiterhin aktiv ist. Auch eine jüngst durchgeführste Studie, die erstmals Magma unter dem Laacher See nachweisen konnte, belegte dies. In einem Zeitrahmen von einer Million Jahren ist deshalb mit neuen Ausbrüchen zu rechnen – auch wenn kurzfristig keine Gefahr besteht.

Das Vogtland: Erdbebenschwärme und Gasquellen

Auch im Vogtland gibt es Hinweise auf vulkanische Prozesse. Zwar sind dort nur wenige Vulkane bekannt, doch die Region ist berüchtigt für ihre wiederkehrenden Erdbebenschwärme. Außerdem tritt an vielen Stellen Kohlendioxid aus dem Boden aus – teils in so großen Mengen, dass das Gas für Kleintiere zur Gefahr wird. Die Zusammensetzung dieser Gase zeigt, dass sie aus dem Erdmantel stammen.

Damit ist klar: Auch wenn die vulkanische Landschaft hier weit weniger ausgeprägt ist als in der Eifel, bleiben magmatische Einflüsse präsent. Für die Endlagersuche bedeutet das, dass auch das Vogtland ausgeschlossen werden muss.

Karte der vulkanischen Gefahrenzonen in Deutschland: Eifel, Vogtland, Schwarzwald, Westerwald und Schwäbische Alb

Karte der vulkanischen Gefahrenzonen in Deutschland: Eifel und Vogtland gelten als Hochrisikogebiete für die nächsten eine Million Jahre. Auch Schwarzwald, Westerwald und Schwäbische Alb werden aus verschiedenen Gründen vorsorglich berücksichtigt. Quelle: Schreiber & Jentzsch (2025).

Auch Sauerland und Schwäbische Alb unter Beobachtung

Spannend ist, dass die Autoren auch Gebiete außerhalb von Eifel und Vogtland als potenziell, wenn auch mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit, gefährdet einstufen. Dazu zählen Teile des Schwarzwalds, die Schwäbische Alb sowie das Sauerland und der Westerwald.

Der Grund dafür liegt in widersprüchlichen Messungen. Manche seismischen Untersuchungen haben dort ungewöhnliche Strukturen im Erdmantel nachgewiesen, die auf erhöhte Temperaturen oder magmatische Reste hindeuten könnten. Auch leicht erhöhte Anteile von Mantelgasen in Quellen deuten darauf hin, dass der Untergrund nicht völlig inaktiv ist. Dazu kommt mit der Albstadt-Scherzone ein in jüngster geologischer Zeit sehr aktives Erdbebengebiet im Bereich alter Vulkanfelder.

Die Wahrscheinlichkeit für neue Vulkanausbrüche ist in diesen Regionen extrem gering. Doch weil es bei einem Endlager um Sicherheit für eine Million Jahre geht, arbeiten die Forscher mit einem konservativen Ansatz: Schon kleinste Hinweise auf geologische Anomalien reichen aus, um ein Gebiet vorsorglich als potenziell unsicher einzustufen.

Konsequenzen für die Endlagersuche

Die möglichen Folgen eines künftigen Vulkanausbruchs in Deutschland wären sehr unterschiedlich. Ein explosiver Ausbruch wie am Laacher See könnte riesige Aschewolken freisetzen und Infrastrukturen weit über die Region hinaus beeinträchtigen. Lokale Explosionen durch den Kontakt von Magma und Wasser könnten neue Maare entstehen lassen, während Lavaflüsse im Extremfall sogar den Rhein aufstauen und großflächige Überschwemmungen verursachen könnten.

Das Standortauswahlgesetz schreibt vor, dass ein Endlager auch gegenüber solchen extrem langfristigen geologischen Gefahren sicher sein muss. Deshalb gelten Eifel und Vogtland als Ausschlussgebiete. Rund um bekannte Vulkane wird zudem ein Sicherheitsabstand von mindestens 25 Kilometern eingeplant.

Andere Regionen Deutschlands, die geologisch stabil erscheinen, bleiben dagegen weiter im Rennen. Für die Bevölkerung bedeutet das: Akut drohen keine neuen Vulkanausbrüche, doch im Maßstab von Jahrtausenden und Millionen Jahren muss Deutschland mit weiterer Aktivität rechnen. Für die Endlagersuche ist das ein entscheidender Faktor.

Originalstudie:
Schreiber, U., & Jentzsch, G. (2025). Assessment of possible volcanic hazards in Germany with regard to repository site selection. Safety of Nuclear Waste Disposal Discussions, 2025, 1–31.https://doi.org/10.5194/sand-2025-2 (Veröffentlicht als Pre-Print am 6. August 2025)

Hinweis: Die vorgestellte Studie ist ein Beitrag zur wissenschaftlichen Bewertung im Rahmen der Endlagersuche. Ihre Ergebnisse fließen in die Diskussion um die langfristige Sicherheit von Standorten ein, müssen aber nicht zwangsläufig in den endgültigen Entscheidungsprozess übernommen werden.

Von Jens Skapski

31 Jahre alt (geboren 1994), seit 2013 Betreiber von Erdbebennews (privates Projekt), seit 2024 Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Uni Jena (beruflich).