In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Menschen im Vogtland, in Oberfranken und in der nördlichen Oberpfalz ungewöhnliche Erschütterungen verspürt. Viele hielten die Vibrationen zunächst für ein leichtes Erdbeben, da Möbel wackelten und ein deutliches Grollen zu hören war. Doch im Vergleich zu den für die Region typischen kleinen Erdbeben gab es Unterschiede.

Längeres Vibrieren statt kurzer Stöße

Besonders am Abend des 15. September 2025 meldeten Bewohner in Orten wie Selb, Hof und Markleuthen ein ungewöhnlich langes, anhaltendes Zittern. Anders als bei den typischen kurzen Erschütterungen, die durch Steinbruchsprengungen oder kleine natürliche Beben entstehen, beschrieben Augenzeugen ein kontinuierliches Vibrieren, das akustisch deutlich hörbar war. Manche bezeichneten die Erfahrung sogar als „gruselig“.

Eine Auswertung der seismischen Messstationen zeigt eindeutig: Die Signale kamen vom US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz, etwa 70 km südlich von Hof. Dort finden seit dem 13. September umfangreiche Übungen mit großkalibrigen Waffensystemen statt, die noch bis zum 11. Oktober andauern. Die US-Armee hatte im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es in dieser Zeit zu verstärktem Lärm und spürbaren Erschütterungen in den umliegenden Regionen kommen kann.

Seismologische Aufzeichnungen der Militärübung in Grafenwöhr am 15. September. Viele Stationen der seismologischen Netze in Bayern (BW) und Sachsen (SX) haben diese wiederholten, impulsartigen Signale in kurzer Abfolge detektiert. Die Ausbreitung in Schallgeschwindigkeit deutet Explosionen als Auslöser an.

Militärübungen als Auslöser

Die registrierten Signale sind keine tektonischen Erdbebenwellen, sondern Druckwellen von Explosionen, die sich mit Schallgeschwindigkeit ausbreiten. Im Vergleich zu Schall sind Erdbebenwellen etwa 20 mal schneller. Je nach Standort können sich diese Schall- oder Druckwellen auf Gebäude übertragen, so Erschütterungen erzeugen und auch von Seismometern gemessen werden. Wie unterschiedlich dies von Ort zu Ort sein kann, zeigt die ermittelte Magnitude dieser Erschütterungen, äquivalent zur Erdbebenstärke:

Während einige der Seismometer-Stationen im Vogtland und der Oberpfalz die Druckwellen gar nicht erfassten, erreichten die Signale an manchen Stationen Magnituden von 1.5 bis 2.0. Im Mittel ergibt sich rein rechnerisch eine Magnitude von 0.3 – äquivalent zur Energie einer kleinen Sprengladung (400 g TNT). Aufgrund der unterschiedlichen Standortbedingungen und des akustischen Ursprungs ist diese gemittelte Stärke jedoch nicht aussagekräftig.

Wahrnehmbarkeit im weiten Umkreis

In Grafenwöhr und umliegenden Orten selbst hörten Anwohner in den vergangenen Tagen immer wieder das Dröhnen der Artillerie. Stärkere Ereignisse traten auch wieder in der Nacht zum 22. September um 0:11, 1:55, 3:34 Uhr und nochmals um 9:30 Uhr auf, sogar mit stärkeren Signalen als am 15. September. Ob und wie weit diese Ereignisse gehört oder gespürt wurden, ist unklar. Die Ausbreitung ist auch wetterabhängig und zur Zeit der stärksten nächtlichen Detonationen lag eine Gewitterfront über dem Vogtland.

Solche seismischen Signale aus Grafenwöhr sind nicht neu – bei größeren Übungen tauchen sie regelmäßig in den seismologischen Aufzeichnungen auf. Doch die Intensität und die weite Wahrnehmbarkeit der jüngsten Ereignisse sind ungewöhnlich stark. Mit echten Erdbeben, die vor allem im Vogtland immer wieder auftreten, haben diese Erschütterungen aber nichts zu tun.

Von Jens Skapski

31 Jahre alt (geboren 1994), seit 2013 Betreiber von Erdbebennews (privates Projekt), seit 2024 Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Uni Jena (beruflich).