Live-Ticker zum Erdbebenschwarm bei Luby und Kraslice
Im folgenden Live-Ticker werden neue Erdbeben, Auswertungen und Einschätzungen zur laufenden Aktivität zeitnah ergänzt.
Die manuelle Auswertung der Erdbeben durch das TSN / Seismoverbund Mitteldeutschland kommt aufgrund der Masse der Erdbeben zwar nur langsam voran, doch zeigt sich in den Daten der Nacht bereits, dass der Schwarm sich räumlich ausdehnt. So gibt es Erdbeben, die einige hundert Meter entfernt vom ursprünglichen Cluster stattfanden. Darunter ein Beben ziemlich weit südlich und mehrere östlich in geringerer Tiefe. Die Fluide, die für die Schwarmentstehung verantwortlich sind und aus tiefer magmatischer Quelle durch die Erdkrute aufsteigen, scheinen unter hohem Druck neue Wege gefunden zu haben. In der Zeitleiste seit Dienstagmorgen ist der deutliche Aktivitätsanstieg in den letzten Stunden ebenfalls gut erkennbar. Wie immer: Magnituden automatisch ermittelt und eventuell abweichend von der manuellen Auswertung Der Kraslice-Schwarm baut sich immer weiter auf. Die Zahl der Erdbeben hat in den letzten Stunden nochmal deutlich zugenommen. Seit 0 Uhr MEZ zählt die automatische Detektion bereits mehr als 1000 Erdbeben, gut ein Dutzend über Magnitude 1. Höhepunkte der Nacht waren bisher ein M2.2 um 1:18 und Magnitude 2.1 um 23:52. Alles ab Magnitude 1 wird als Grollen wahrgenommen, ab etwa Magnitude 2 sind fürs sächsische Vogtland auch spürbare Erschütterungen dabei. Von 0 bis 20 UTC kam es am Dienstag zu bislang 1800 detektierten Erdbeben. Bei den sehr kleinen Magnituden deutlich unterhalb der 0 sind es üblicherweise noch deutlich mehr, die nicht erfasst werden können. Damit ist der Dienstag der erdbebenreichste Tag des Schwarms bisher. Auch nach 20 UTC (21 Uhr) war die Aktivität weiter sehr hoch. Zum Abend lebte sie nach einem generell sehr aktiven Tag nochmals auf. Als leichtes Grollen wahrgenommen wurde ein M1.3 um 19:26 Uhr. Seit dem M2.1 kurz nach 18 Uhr ist die Erdbebenaktivität weiterhin deutlich erhöht, bisher aber weitestgehend im Bereich unter Magnitude 1.
Schwarm breitet sich auch räumlich aus
Zeitleiste

Weitere Intensivierung in der Nacht


1800 Erdbeben in 20 Stunden

M1.3 um 19:26
Was bisher passierte (Stand: 23. November)
Hauptbeben in der Nacht zu Freitag
Das auslösende Erdbeben mit Magnitude 2.4 ereignete sich am Donnerstagabend um 23:11 Uhr in etwa 8.8 Kilometern Tiefe nahe Luby. Das Epizentrum wurde nach manuellen Auswertungen des Thüringer Seismologischen Netzes (TSN) im Bereich des tschechischen Ortes Luby lokalisiert.
Bereits in den Stunden zuvor war die Region aktiv: Ein kleineres Erdbeben mit Magnitude 1.4 trat am Morgen in rund 10.8 Kilometern Tiefe auf. Damit zeigt sich ein deutlicher Tiefenunterschied: Das M1.4 lag tiefer, das M2.4 am Abend flacher und einige hundert Meter weiter nördlich.
Das M2.4 wurde in weiten Teilen des sächsischen Vogtlands deutlich verspürt. Aus Orten wie Bad Brambach, Klingenthal und Bad Elster gingen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. Neben leichten Erschütterungen berichteten viele vor allem von dem typischen Grollen, das für Vogtland-Erdbeben charakteristisch ist und in diesem Fall vereinzelt noch in rund 30 Kilometern Entfernung hörbar war.
Auf das Hauptbeben folgten zahlreiche kleinere Erdbeben, wie sie typisch für eine Nachbebensequenz im Vogtland sind. In einem ersten Überblick zeigten sich zu diesem Zeitpunkt noch keine klaren Muster, die auf einen voll ausgeprägten Erdbebenschwarm hindeuteten.
Freitagmittag: Neue spürbare Beben und Verlagerung nach Süden
Schon am Freitagmittag setzte sich die Aktivität fort: Um 12:39 Uhr und 12:44 Uhr ereigneten sich zwei weitere spürbare Erdbeben mit Magnitude 1.7 und 2.2. In grenznahen Gebieten wurden sowohl das typische Grollen als auch leichte Erschütterungen berichtet. Bereits zuvor hatten sich schwarmartige Tendenzen mit einer Zunahme an Mikrobeben abgezeichnet.
Auffällig war eine Veränderung in der räumlichen Verteilung: Im Vergleich zum Erdbeben vom Donnerstagabend und seinen Nachbeben lagen die Epizentren nun deutlich weiter südlich, unmittelbar angrenzend an das zuvor aktive Gebiet. Die Aktivität schien sich damit nach Süden zu verlagern, was ein mögliches Indiz für eine zunehmend komplexe Bruchzone und eine sich anbahnende Schwarmphase war.
Freitagabend: Zwischen Nachbebenserie und Schwarm
Am Freitagabend zeigte sich ein gemischtes Bild: Nach den beiden Magnitude-2-Beben und mehreren weiteren, schwächeren spürbaren Ereignissen in Luby setzte sich die
Aktivität auf niedrigem Niveau fort. Insgesamt wurden seit Donnerstagmorgen bereits rund 500 Erdbeben registriert.
Dennoch passte das Muster noch nicht sauber in eine Schublade: Für einen klassischen Erdbebenschwarm war die Struktur zu einseitig vom Hauptbeben dominiert, für eine reine Hauptbeben-Nachbeben-Sequenz wiederum schon zu aktiv und zu lang gezogen.
Sonntagmorgen: Übergang zum Erdbebenschwarm mit Besonderheiten
Seit Sonntagmorgen zeigte sich, dass sich die Aktivität in Luby inzwischen klar in Richtung Erdbebenschwarm entwickelt hat. Unter anderem kam es um 5:49 Uhr zu
einem weiteren Erdbeben mit Magnitude 1.1. Insgesamt wurden seit Freitag bis Sonntag, 7 Uhr knapp 600 Ereignisse automatisch detektiert.
Gleich mehrere Eigenschaften sind dabei ungewöhnlich:
- Das Verhältnis der stärkeren Beben (Magnitude > 1) zu den sehr kleinen Ereignissen ist auffällig hoch.
- Im Magnitudenbereich zwischen 0 und 1 klafft derzeit eine deutliche Lücke.
- Es fehlt bislang das typische, wellenartige Auftreten vieler klassischer Schwärme, das meist durch aufsteigende Fluide ausgelöst wird.
Die größeren Beben wirken eher wie zufällig verteilte Hauptbeben, die den Hintergrundschwarm im Bereich unter Magnitude 0 nur gering beeinflussen. Das macht die Serie seismologisch besonders spannend. Die räumliche Verteilung der Herde bleibt ein Schlüssel zur Interpretation. Die meisten Ereignisse liegen weiterhin auf einer sehr schmalen, aber deutlich erkennbaren Nord-Süd-Linie, etwa 1.5 Kilometer östlich des Ortszentrums von Luby. Diese Struktur erstreckt sich über rund 500 Meter.
Die Beben in dieser Zone treten überwiegend in Tiefen von etwa 8.6 bis 8.8 Kilometern auf. Die neueren Ereignisse, darunter das Beben Magnitude 1.1 am frühen Sonntagmorgen, konzentrieren sich am Nordende dieser Linie und zeigen mit etwa 9.0 Kilometern Tiefe leicht größere Herdtiefen als zuvor.
Zusätzlich zeigt sich knapp östlich ein zweiter Cluster in etwa 10.8 Kilometern Tiefe. Dieser Bereich war bereits am Donnerstag, also noch vor dem M2.4, mit sehr schwachen Mikrobeben aktiv. Am Samstag nahm die Aktivität dort zu, mit mehreren Ereignissen größer als Magnitude 0. Am Sonntagmorgen wurde um 7:17 Uhr mit Magnitude 0.6 das bislang stärkste Beben dieses tieferen Clusters registriert.
Häufige Fragen zu Erdbebenschwärmen im Vogtland
Allgemeine Informationen
Was ist ein Erdbebenschwarm?
Ein Erdbebenschwarm (auch Schwarmbeben genannt) bezeichnet eine Häufung vieler kleiner Erdbeben innerhalb eines kurzen Zeitraums in einer bestimmten Region. Im Gegensatz zu typischen Erdbebenserien gibt es bei einem Erdbebenschwarm kein einzelnes, dominantes Hauptbeben. Erdbebenschwärme sind oft mit vulkanischen oder hydrothermalen Prozessen verbunden.
Warum treten Erdbebenschwärme im Vogtland auf?
Der Ursprung der Erdbebenschwärme liegt in der vulkanischen Vergangenheit der Region. In der unteren Erdkruste existiert eine alte Magmakammer, aus der Fluide, also mineralgesättigtes Wasser und Gase, aufsteigen. Diese bewegen sich durch tektonische Bruchzonen, insbesondere entlang der Leipzig-Regensburg-Störungszone. Dabei wirken sie in Gesteinsrissen wie ein Schmiermittel und können Spannungen abbauen, was zu plötzlichen Erdbeben führt.
Erdbebenaktivität im Vogtland
Wie oft gibt es Erdbebenschwärme im Vogtland?
Erdbebenschwärme treten unregelmäßig auf. Kleinere Schwärme, die keine spürbaren Erdbeben verursachen, können mehrmals im Jahr vorkommen. Stärkere Schwärme, die auch in der Bevölkerung wahrgenommen werden, sind seltener und können in Intervallen von mehreren Jahren auftreten. Die meisten Erdbebenschwärme der letzten Jahrzehnte konzentrierten sich auf die Region um Luby und Kraslice, während 2024 mit dem ersten größeren Erdbebenschwarm in Klingenthal seit 1962 auch Deutschland stärker betroffen war.
Ist jedes Erdbeben im Vogtland Teil eines Erdbebenschwarms?
Nein. Zwar ist das Vogtland weltweit unter Seismologen für seine häufigen Erdbebenschwärme bekannt. Aber es können auch ganz normale einzelne Erdbeben auftreten, eventuell mit Vor-und Nachbeben.
Gefahren & Schäden
Können Erdbebenschwärme im Vogtland Schäden verursachen?
Die meisten Schwärme sind harmlos, aber stärkere Erdbeben können leichte Schäden an Gebäuden verursachen. Beben über Magnitude 4.0 können Risse in Wänden oder herabfallende Putzstücke verursachen. Magnitude 5.0 oder höher könnte strukturelle Schäden hervorrufen, ist aber äußerst selten.
Können Erdbebenschwärme gefährlich sein?
Die meisten Erdbebenschwärme verlaufen ohne ernsthafte Auswirkungen. Allerdings können starke Beben, insbesondere wenn sie in kurzen Abständen auftreten, Ängste auslösen und zu kleineren Schäden führen. In seltenen Fällen könnten Erdbeben über Magnitude 5.0 auftreten, die zu Rissen in Gebäuden oder kleineren Schäden führen können. Ein starkes Erdbeben innerhalb eines Schwarms könnte auch Erdrutsche oder lokale Verformungen des Untergrunds auslösen.
Vulkanismus & Seismologie
Kündigen Erdbebenschwärme einen Vulkanausbruch an?
Nein. Erdbebenschwärme sind eine Folge magmatischer Prozesse in großer Tiefe. Jedoch gelangen die Fluide nicht in die obere Erdkruste, wo Vulkanausbrüche entstehen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass es im Vogtland zwar magmatische Aktivität gibt, diese aber nicht zu einer kurzfristigen Gefahr führt.
Ist der Vulkan im Vogtland noch aktiv?
Vulkanische Prozesse in der Tiefe sind weiterhin aktiv, aber das bedeutet nicht, dass ein Ausbruch bevorsteht. Der letzte bekannte Vulkanausbruch in der Region liegt mehr als 100.000 Jahre zurück. Ein erneutes Erwachen des Vulkans würde sich durch verstärkte Erdbeben und Gasausstöße bemerkbar machen. Dies ist aktuell nicht der Fall.
Erdbebenstärke & Vorhersage
Wie stark können die Erdbebenschwärme im Vogtland werden?
Die meisten dokumentierten starken Erdbebenschwärme erreichten maximale Magnituden zwischen 3.5 und 4.5. Stärkere Erdbeben bis Magnitude 5.0 sind möglich, kommen aber nur sehr selten vor. Die Energieverteilung in Schwärmen unterscheidet sich von einzelnen großen Erdbeben, sodass sich die Kraft auf viele kleinere Ereignisse verteilt.
Können Erdbebenschwärme vorhergesagt werden?
Nein. Wie bei allen Erdbeben ist eine präzise Vorhersage von Zeitpunkt, Dauer und Intensität eines Schwarms unmöglich. Allerdings können seismologische Überwachungsmethoden Hinweise auf sich anbahnende Aktivität liefern. Sobald ein Schwarm beginnt, lässt sich seine Entwicklung zwar beobachten, aber nicht genau vorhersagen, wie lange er dauert oder ob sich die Aktivität verstärkt.
Warum dauern manche Erdbebenschwärme nur wenige Tage, andere Wochen?
Die Dauer eines Schwarms hängt von der Menge und Bewegung der Fluide in der Tiefe ab. Wenn der Druck schnell abgebaut wird, endet der Schwarm meist nach wenigen Tagen. Falls die Fluide über einen längeren Zeitraum aufsteigen und Spannungen abbauen, kann sich der Schwarm über Wochen oder sogar Monate hinziehen.
Verhalten & Beobachtung
Was kann ich tun, wenn ich ein Erdbeben im Vogtland spüre?
Falls du ein Erdbeben bemerkst, kannst du es über Erdbebenmeldeportale wie Erdbebennews.de oder das BGR-Seismologieportal melden. Falls ein stärkeres Erdbeben auftritt, verhalte dich wie bei anderen Erdbeben: Schutz unter stabilen Möbeln suchen oder dich von Gebäuden fernhalten, falls du dich im Freien befindest.
Wie kann ich selbst überprüfen, ob gerade ein Erdbebenschwarm aktiv ist?
Du kannst die aktuellen Daten auf dieser Seite oder auf offiziellen seismologischen Websites (Liste unten) einsehen. Dort werden sowohl manuelle als auch automatische Detektionen erfasst. Bei aktiven Schwärmen werden auch regelmäßige Updates auf Erdbebennews.de bereitgestellt.
Erdbebenüberwachung im Vogtland
Folgende Institute und Erdbebendienste überwachen die Erdbebenaktivität im Vogtland:
diese drei Dienste sind Teil des Seismologieverbundes Mitteldeutschland
Wahrnehmungsmeldungen zu diesem Erdbeben
23.11 Uhr war das Schwarmbeben im Ortskern von Markneukirchen deutlich spürbar. Dauerbrummfibrationen für ca.10/15 Sekunden
Deutlich gehört und gespürt
Leichtes, entferntes Grollen. Wir waren gerade ins Bett gegangen und daher war es gut zu hören.
Lauter Knall dumpfig
Deutlicher Schlag gegen Haus sowie deutliche Vibration.
Deutlich wahrnehmbares Grollen über mehrere Sekunden, aber keine Bewegung.
Lautes Grollen
sehr starkes Grollen für ca 5 Sekunden und deutliches vibrieren
Anrollen des Bebens , klirrende Gläser und knackende Dielen beim Eintreffen
Donner
Hast du dieses Erdbeben gespürt?
Melde deine Beobachtung – sie hilft, Intensität und Auswirkungen besser einzuordnen.
M2.3
Zwota 23.10
Deutliches Grollen und Erschütterung.