Die Eifel gilt seit Jahren als eine der spannendsten Regionen Deutschlands, wenn es um geologische Prozesse geht. Zwar ist der letzte Ausbruch des Laacher-See-Vulkans rund 13.000 Jahre her, doch zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass der Untergrund noch immer aktiv ist. CO₂-reiche Mineralquellen, Mofetten und ehemalige Förderbohrungen zeigen, dass kontinuierlich Gase aus der Tiefe aufsteigen. Jüngst wurde mit seismologischen Methoden ein aktives System unter dem Laacher See nachgewiesen, in dem magmatische Fluide aufsteigen. Eine neue Studie stellt nun ein Messnetz vor, mit dem diese Fluide erstmals dauerhaft und in Echtzeit überwacht werden – und liefert dabei erste aufschlussreiche Ergebnisse.

Seit dem Jahr 2020 betreiben Forschende des Geoforschungszentrums Potsdam ein Netzwerk aus zwölf Messstationen zur Beobachtung von Wasser- und Gasquellen in der Ost- und Westeifel. Die Standorte reichen von natürlichen Mineralquellen über Mofetten bis hin zu stillgelegten CO₂-Bohrungen. Je nach Ort werden Wasserstände, Drücke, Temperaturen, elektrische Leitfähigkeit oder Radonkonzentrationen erfasst – teils im Sekundentakt. Die Daten werden kontinuierlich übertragen, ausgewertet und langfristig archiviert. Ziel ist es, kleinste Veränderungen zu erkennen, die Rückschlüsse auf Prozesse im tiefen Untergrund erlauben könnten, um zukünftige Warnungen vor Vulkanausbrüchen zu ermöglichen

Der wissenschaftliche Hintergrund ist klar: In den letzten Jahren wurden unter der Eifel wiederholt sogenannte tiefe niederfrequente Erdbeben (DLF) registriert. Solche Signale gelten als Hinweis auf Bewegungen von Fluiden oder Magma in der unteren Erdkruste oder im oberen Mantel. Oft gab es zudem klare zeitliche Korrelationen zwischen DLF-Erdbeben und Seismizität in der oberen Erdkruste. Dies kann ein möglicher Hinweis darauf sein, dass tiefe magmatische Fluide auch bis in die oberste Erdkruste vordringen. Wenn sich dort tatsächlich etwas verändert, müsste sich das – zumindest theoretisch – auch an der Oberfläche bemerkbar machen. Genau diese mögliche Kopplung zwischen Tiefe und Oberfläche nimmt die Studie in den Blick.

Empfindliche Reaktionen auf äußere Ereignisse

Eine zentrale Erkenntnis der bisherigen Messungen ist zunächst beruhigend: Die meisten Parameter zeigen nur sehr geringe jahreszeitliche Schwankungen. Bereits nach zwei bis drei Jahren ließ sich an vielen Stationen eine stabile Grundlinie bestimmen. Das ist entscheidend, denn nur so können spätere Abweichungen zuverlässig von normalen Wetter- oder Umwelteinflüssen unterschieden werden.

Messstationen und Seismizität in der Osteifel. Grafik aus Woith et al (2026) unter Creative Commons Licence (CC BY 4.0). Die Messstellen PLAI (1), GLEE (4), ELIS (5) und REGI (8) zeigen die auffälligsten Werte.

Gleichzeitig dokumentiert das Messnetz, wie sensibel einzelne Standorte auf äußere Ereignisse reagieren. Kurzzeitige Ausschläge lassen sich unter anderem mit Starkregen, schnellen Luftdruckänderungen oder auch mit Erdbeben in Verbindung bringen – selbst dann, wenn diese hunderte oder tausende Kilometer entfernt auftreten. Besonders eindrücklich war ein Ereignis im Sommer 2021: Während der Ahrtal-Flut kam es an einer Messstelle zu einem sprunghaften Temperaturanstieg, der deutlich über das sonst beobachtete Maß hinausging. Auch die Druckwelle des Vulkanausbruchs in Tonga 2022 sowie die großen Türkei-Erdbeben 2023 waren in den Messwerten nachweisbar.

Langfristige Trends als mögliche Hinweise auf magmatische Prozesse

Besonders spannend sind jedoch die langfristigen Trends, die an einigen Stationen beobachtet werden. Am Elisabethbrunnen (ELIS) etwa zeigen Messungen über mehrere Jahre hinweg einen gleichzeitigen Anstieg von Radonkonzentration, Wassertemperatur und des Helium-Isotopenverhältnisses. Letzteres gilt als wichtiger Indikator für magmatische Anteile im aufsteigenden Gas. Zwar kann Radon aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit nicht direkt aus großer Tiefe stammen, doch die Studie diskutiert plausible Mechanismen wie veränderte Fließgeschwindigkeiten oder neu geöffnete Transportwege im Untergrund.

Auch an einer ehemaligen CO₂-Bohrung bei Reginaris (REGI) wurden erhöhte Helium-Isotopenwerte festgestellt. Dies gilt international als mögliches Zeichen für aufsteigendes Magma und wird teils als Frühwarnzeichen für Vulkanausbrüche genutzt. Die Lage dieses Standorts ist bemerkenswert, da er sich in der Nähe eines Gebietes befindet, in dem sich die Aktivität von DLF-Erdbeben in den letzten Jahren räumlich verschoben hat. Die Autorinnen und Autoren werten dies vorsichtig als mögliches Indiz dafür, dass sich auch in der Tiefe Fluidwege verändern könnten.

Nicht alle Messstellen reagieren gleich. Besonders empfindlich zeigt sich der Standort Plaidt (PLAI), an dem der Wasserstand messbar auf Erdgezeiten, Luftdruckschwankungen und sogar auf Erdbeben reagiert. Solche Stationen gelten als besonders geeignet, um feine endogene Signale – also Auswirkungen seismologischer oder vulkanischer Prozesse – von äußeren Einflüssen zu trennen.

Echtzeit-Messwerte bald online verfügbar

Ergänzt wird das Netzwerk durch eine seit 2024 betriebene CO₂-Flussmessstation in Glees (GLEE). Dort wurden wiederholt markante Ausschläge im CO₂-Austritt beobachtet, die als mögliche Puls-Ereignisse interpretiert werden. Eine einfache Erklärung dieser Ereignisse durch Wetter oder Bodenfeuchte ist bislang nicht möglich. Denkbar ist hier also ein endogener Antreiber, der bisher jedoch nicht ermittelt werden konnte.

Die Studie zeigt komplexe Zusammenhänge zwischen atmosphärischen (exogenen) und geologischen (endogenen) Prozessen sowie Gas- und Wasserquellen in der Osteifel. Mehrfach konnten anhand der Messwerte Auswirkungen lokaler oder ferner Ereignisse wie Hochwasser, Erdbeben und Vulkanausbrüche nachgewiesen werden. Zudem gibt es Indizien dafür, dass sich auch tiefe magmatische Prozesse unter der Eifel in den Gasemissionen bemerkbar machen. Das Echtzeit-Monitoring soll daher nach Angaben der Forschenden fortgeführt werden, und die Messungen sollen in Zukunft über das Geoforschungszentrum Potsdam öffentlich bereitgestellt werden.

Damit liefert das Projekt eine entscheidende Grundlage für zukünftige Forschung. Langfristig könnten solche Messnetze helfen, besser zu verstehen, wie Fluidbewegungen, tiefe Erdbeben und vulkanische Systeme miteinander verknüpft sind und welche Signale tatsächlich aus großer Tiefe stammen. Zukünftige vulkanische Aktivitäten könnten damit besser vorhergesagt werden.

Originalstudie:

Woith, Heiko & Riße, Andreas & Strauch, Bettina & Zimmer, Martin & Niedermann, Samuel & Schmidt, Bernd & Dahm, Torsten. (2026). *Results of the first real-time monitoring of CO₂-rich mineral waters and mofettes in the volcanic fields of the Eifel*. International Journal of Earth Sciences, 115. https://doi.org/10.1007/s00531-026-02559-w

Von Jens Skapski

31 Jahre alt (geboren 1994), seit 2013 Betreiber von Erdbebennews (privates Projekt), seit 2024 Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Uni Jena (beruflich).