Historisches Erdbeben
In dieser Artikelserie stellt Erdbebennews historisch belegte und wissenschaftlich plausible Erdbeben in Mitteleuropa vor. Heute: Das Roermond-Erdbeben am 13. April 1992
Kurz nach 3 Uhr morgens erschütterte am 13. April 1992 ein Erdbeben der Magnitude 5,8 den Raum Roermond im niederländischen Limburg. Das Beben entstand in etwa 17 Kilometern Tiefe an der sogenannten Peelrand-Störung und gilt als eines der stärksten Beben in der Geschichte Mitteleuropas. In den Niederlanden, in Belgien und im Westen Deutschlands wurden zahllose Menschen abrupt aus dem Schlaf gerissen. Besonders im Grenzraum zwischen Niederlande, Belgien und Nordrhein-Westfalen wurden die Erschütterungen deutlich wahrgenommen. Aus vielen Orten wurden knackende Wände, schwankende Möbel, herabfallender Putz, beschädigte Schornsteine und abgestürzte Dachziegel gemeldet. Schwere Zerstörungen blieben zwar aus, doch das Roermond-Erdbeben verursachte über ein großes Gebiet verteilt zahlreiche leichte bis mäßige Gebäudeschäden. Gerade ältere Gebäude und empfindliche Bauteile wie Kamine reagierten anfällig auf die Erschütterungen.
Erdbebenparameter
- Magnitude: M 5.8
- Zeit: 13.04.1992 03:20
- Tiefe: 17 km
- Ursprung: tektonisch
- Typ: Historisches Erdbeben
- Betroffene Region(en): Niederlande, Belgien, Deutschland
Einordnung
Tektonischer Hintergrund
Das Roermond-Erdbeben vom 13. April 1992 war kein isolierter Zufall, sondern Ausdruck der noch immer aktiven Dehnungstektonik im Niederrheinischen Becken und im angrenzenden Rurtal-Graben. Diese Region gehört zu einem System von tektonischen Gräben und Schollenbrüchen, das sich vom südlichen Nordseeraum bis in den Raum Köln, Aachen und Roermond erstreckt. Ursache ist keine unmittelbare Plattengrenze, sondern eine langsame Deformation innerhalb der Eurasischen Platte: Die Erdkruste wird hier seit langer Zeit leicht gedehnt, sodass einzelne Krustenblöcke entlang alter Störungszonen gegeneinander absinken oder sich ruckartig verschieben können. Zu diesen Störungszonen zählt auch die Peelrand-Störung, an deren weiterem tektonischen Umfeld das Roermond-Erdbeben einzuordnen ist. Solche Strukturen sind über geologische Zeiträume immer wieder aktiv gewesen und prägen bis heute den Bau des Untergrundes im deutsch-niederländisch-belgischen Grenzraum.
Warum Roermond 1992 bis heute relevant ist
Gerade deshalb ist das Beben von 1992 so aufschlussreich: Es zeigt, dass auch in einer Region mit vergleichsweise langsamer Deformation spürbare bis schadensträchtige Erdbeben auftreten können. Die Herdtiefe von rund 17 Kilometern trug vermutlich dazu bei, dass es trotz der Magnitude von 5,8 nicht zu flächigen schweren Zerstörungen kam. Gleichzeitig reichte das Erschütterungsfeld weit über das Epizentralgebiet hinaus. Die vergleichsweise geringe Zahl an Verletzten dürfte auch mit der Tageszeit zusammenhängen. Herabstürzende Schornsteine, Dachziegel und Fassadenteile spielten bei diesem Erdbeben eine wichtige Rolle. Wäre ein vergleichbares Beben einige Stunden später während des morgendlichen Alltags eingetreten, wären deutlich mehr Menschen im Freien und auf den Straßen unterwegs gewesen – mit entsprechend höherem Risiko für zusätzliche Verletzte und möglicherweise auch Todesopfer.
Geologische Untersuchungen zeigen: Noch größere Erdbeben sind möglich
Das Ereignis von 1992 markiert sehr wahrscheinlich nicht das obere Ende des seismischen Potenzials dieser Region. Geologische und paläoseismologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich im Bereich des Rurtal-Grabens in vorgeschichtlicher Zeit deutlich stärkere Erdbeben mit Magnituden bis zu 7 ereignet haben. Das macht Roermond 1992 nicht zu einem Extremfall, sondern eher zu einem gut dokumentierten modernen Beispiel dafür, welches seismische Potenzial der Untergrund im westlichen Mitteleuropa grundsätzlich besitzt.
Historische Verluste und heutige Modellrechnung
Historische Schadenszahlen und heutige Modellwerte nach dem Erdbebennews-Schadensmodell. Die historischen Angaben beruhen auf den damals dokumentierten Auswirkungen, während die Modellrechnung heutige Exposition, heutige Bevölkerung und aktuelle Vulnerabilitätsannahmen zusammenführt.
Historischer wirtschaftlicher Schaden: 250 Mio. DM.
| Kategorie | Historisch berichtet | Heute modelliert |
|---|---|---|
| Todesopfer | 1 | 16–65 (≈32) |
| Verletzte | 25-45 | 54–200 (≈118) |
| Obdachlose / Vertriebene | unbekannt | 106–320 (≈180) |
| Schwer beschädigte / zerstörte Gebäude | unbekannt | 54–200 (≈118) |
| Leicht bis mäßig beschädigte Gebäude | 7.200 | 3.800–12.400 (≈6.800) |
Betroffene Städte und Orte
Am stärksten betroffene Städte und größere Orte
| Ort | Land | Intensität (EMS-98) | Entfernung Epizentrum (km) |
|---|---|---|---|
| Roermond | Niederlande | 7 | 5.6 |
| Maasmechelen | Belgien | 7 | 27.1 |
| Maaseik | Belgien | 7 | 12.3 |
| Mechelen-aan-de-Maas | Belgien | 7 | 27.2 |
| Bocholt | Belgien | 7 | 24.8 |
| Kinrooi | Belgien | 7 | 13.4 |
| Eisden | Belgien | 7 | 24.5 |
| Düsseldorf | Deutschland | 6 | 59.4 |
| Krefeld | Deutschland | 6 | 47.7 |
| Eindhoven | Niederlande | 6 | 44.8 |
| Neuss | Deutschland | 6 | 52.8 |
| Maastricht | Niederlande | 6 | 38.4 |
| Moers | Deutschland | 6 | 58.9 |
| Venlo | Niederlande | 6 | 28.8 |
| Helmond | Niederlande | 6 | 40.8 |
| Hasselt | Belgien | 6 | 48.7 |
| Grevenbroich | Deutschland | 6 | 46.1 |
| Eschweiler | Deutschland | 6 | 44.5 |
Danke für die Erinnerung; das hatte ich jetzt gerade gar nicht auf dem Schirm.
Ich war gerade zur Grundausbildung eingezogen, wir lagen in Neuwied in der ehemaligen Pionierkaserne im Bett, und wurden wach, weil es fürchterlich krachte. Erste Wahrnehmung: die Betten schaukeln! Zweiter Eindruck: die Spinde schlagen gegen die Wand!!
Wer die alten Bundeswehrspinde noch kennt und weiß, wie bleischwer die schon leer waren, weiß, was das heißt. Voll mit Geraffel, sogar das G3 mit Magazinen und Üb-Mun mit drin. Die sind hin- und hergeschwankt wie Grashalme im Wind.
Natürlich die Fenster aufgemacht, überall tuteten die Alarmanlagen. Ganze Kaserne in Aufruhr. Morgens beim Antreten dann die Gewißheit: ein Erdbeben.
Nachmittags erfuhr ich von meinen Eltern, daß die mehrfach durch das ganze Haus gelaufen sind und nach Schäden gesucht haben. Zum Glück gab es keine. Aber die machten in dieser Nacht kein Auge mehr zu.
Im Nachgang bestellte ich dann die Broschüre des Geol. Landesamtes NRW zu diesem Beben. Jetzt werde ich sie nochmals durchlesen und in Erinnerungen „schwelgen“.
An dieses Roermond Beben kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Haben damals im Hochhaus gewohnt. 5 Etage. in Weißenthurm ,alles hat geschaukelt geknallt. und an die kleinen Nachbeben. Tag vorher waren wir noch am Laacher See und haben Rum gealbert das der See ausbricht. ich war 12 Jahre. und dann in der Nacht Bebte alles. ich dachte dann das war’s. Es war beängstigend aber auch faszinierend was für eine Kraft in der Erde steckt.