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Betroffene Menschen
Schadens- & Opferabschätzung (automatisch)
Das Erdbebennews-Schadensmodell berechnet eine Opferzahl von 0 sowie 0 Verletzten.
Modellbasierte Berechnung der Erdbebenauswirkungen. Tatsächliche Schadenszahlen können abweichen.
Wie werden die Werte berechnet?
Die Spannen basieren auf einem empirischen Modell aus Intensität, Exposition (Bevölkerungsdaten) und Verwundbarkeit. Die Werte werden pro Intensitätszone aggregiert und gerundet.
Warum sind nur Spannen angegeben?
Frühe Abschätzungen sind mit Unsicherheiten behaftet (Datenlage, Baugrund, Bauweisen). Statt einer scheinbaren „Exaktheit“ zeigen wir den plausiblen Bereich, der sich im Verlauf mit neuen Informationen verfeinern lässt.
Zusammenfassung
Am 17.06.2026 01:17 ereignete sich am Orlik-Stausee, Tschechien ein Erdbeben der Magnitude 2.3 in 1 km Tiefe. Die berechnete Maximalintensität beträgt 4.3. Das Beben war vermutlich für bis zu 2,0 Tsd Menschen spürbar. Die Angaben basieren auf einem Modell von Erdbebennews und können lokal – etwa durch Baugrund und Gebäudeeigenschaften – abweichen.
Erdbebenserie am Orlík-Stausee in Tschechien: Möglicherweise stauseeinduzierte Seismizität
Am Orlík-Stausee in Tschechien setzt sich die auffällige Erdbebenaktivität offenbar fort. In der Nacht zum Mittwoch kam es nach Auswertungen von Erdbebennews zu insgesamt 24 schwachen Erdbeben. Das stärkste Ereignis wurde mit Magnitude 2.3 ausgewertet.
Auch der tschechische Erdbebendienst SID listet für das Jahr 2026 bereits mehrere Erdbeben am Orlík-Stausee. Bis Mitte Mai wurden dort 16 Ereignisse im Bereich „Stausee Orlík, Klučenice“ erfasst. Das stärkste davon ereignete sich am 26. Februar 2026 und erreichte Magnitude 2.5. Weitere Beben folgten Ende Februar, im März, Mitte April sowie Anfang und Mitte Mai. Die nun von Erdbebennews detektierten Ereignisse aus der vergangenen Nacht sind dort bislang noch nicht ausgewertet.
Erdbebenaktivität am Orlík-Stausee seit 2025
Der Orlík-Stausee liegt an der Moldau, rund 90 Kilometer südlich von Prag. In den vergangenen Jahren kam es dort wiederholt zu kleinen Erdbebenserien. Besonders auffällig war eine Serie im Jahr 2025 bei Klučenice nahe dem Westufer des Stausees. Nach Angaben des Ústav fyziky Země in Brünn wurden damals mehr als 80 Ereignisse lokalisiert. Die stärksten beiden Beben ereigneten sich am 25. August 2025 und erreichten Magnituden von 2.5 und 2.7.
Viele der Beben wurden im Nahbereich verspürt, teils begleitet von dumpfem Grollen oder knallartigen Geräuschen. Für Schäden reichen solche Magnituden normalerweise nicht aus. Direkt über oder nahe sehr flacher Erdbeben können die Erschütterungen aber trotzdem deutlich ausfallen. Tschechische Auswertungen geben für mehrere Ereignisse Herdtiefen von etwa einem Kilometer an.
Ist der See die Ursache?
Die Ursache der Erdbeben ist noch nicht abschließend geklärt. Eine mögliche Verbindung zum Orlík-Wasserwerk wird von tschechischen Fachstellen aber nicht ausgeschlossen. Damit könnte es sich um einen Fall sogenannter stauseeinduzierter Seismizität handeln: Erdbeben, die durch große Wasserreservoire ausgelöst oder zumindest begünstigt werden.
Der Mechanismus hinter solchen Beben ist grundsätzlich bekannt. Durch den Aufstau wirkt eine zusätzliche Last auf den Untergrund. Gleichzeitig kann Wasser in Klüfte und Störungszonen eindringen und dort den Porendruck verändern. Dadurch können vorhandene Bruchflächen leichter in Bewegung geraten. Das Wasser erzeugt dabei normalerweise keine völlig neuen Erdbeben aus dem Nichts, kann aber vorhandene Spannungen so verändern, dass kleine Beben ausgelöst werden.
Bei Orlík sprechen mehrere Punkte für einen möglichen Zusammenhang: Die Beben treten räumlich konzentriert nahe am Stausee auf, sie sind sehr flach und aus historischen Erdbebenkatalogen sind für diese Region kaum ältere Erdbeben bekannt. Bewiesen ist der Zusammenhang aber nicht. Das Ústav fyziky Země weist ausdrücklich darauf hin, dass bislang keine eindeutige Korrelation zwischen den Beben und dem Wasserstand des Stausees gefunden wurde. Auch ist möglich, dass frühere sehr kleine Erdbeben schlicht nicht erkannt wurden, weil empfindliche lokale Messnetze erst seit den 1990er Jahren betrieben werden.
Was ist stauseeinduzierte Seismizität?
Stauseeinduzierte Seismizität ist weltweit bekannt, in Europa aber vergleichsweise selten dokumentiert. Meist geht es nicht um starke Erdbeben, sondern um Mikrobeben oder lokal spürbare Ereignisse. Entscheidend sind die zusätzliche Wasserlast, Änderungen des Porendrucks im Gestein und vorhandene Störungen, die bereits nahe an der Bruchgrenze stehen.
Ein gut untersuchtes Beispiel aus Mitteleuropa ist der Czorsztyn-Stausee in Südpolen. Dort nahm die zuvor geringe Seismizität nach dem Aufstau beziehungsweise im weiteren Betrieb deutlich zu; im November 2011 wurden mehr als 60 Ereignisse registriert.
Ein weiteres Beispiel aus Europa ist der Pertusillo-Stausee in Süditalien. Dort bringen Studien rund 1000 Mikrobeben zwischen 2001 und 2018 mit Wasserstandsschwankungen, tektonischer Vorbelastung und hydrologischen Effekten in Verbindung. Für Osteuropa wurde außerdem am Dnister-Stausee in der Ukraine eine mögliche stauseebedingte Aktivität mit sehr flachen Beben bis etwa Magnitude 3.4 untersucht.
Bekannter, aber deutlich komplizierter, ist der Fall Kremasta in Griechenland. Die dortige Erdbebensequenz von 1966 wurde lange als klassisches Beispiel stauseeinduzierter Seismizität diskutiert. Neuere Arbeiten mahnen jedoch zur Vorsicht und sehen zumindest einen Teil der stärkeren Beben eher als natürliche tektonische Aktivität, während kleinere Ereignisse näher am Reservoir induziert gewesen sein könnten. Das Beispiel zeigt, warum solche Zusammenhänge oft schwer eindeutig nachzuweisen sind.
Keine Gefahr für die Talsperre, aber seismologisch relevant
Eine Gefahr für die Talsperre besteht durch solche schwachen Erdbeben nach derzeitigem Kenntnisstand nicht. Magnituden um 2 können lokal spürbar sein und bei geringer Herdtiefe kräftiger wirken, sind aber weit davon entfernt, ein großes Wasserbauwerk ernsthaft zu gefährden.
Für die Seismologie sind die Ereignisse trotzdem relevant. Das gehäufte Auftreten kleiner Beben zeigt, wie empfindlich der Untergrund auf Veränderungen im Bereich eines großen Stausees reagieren kann. Deshalb sollte die Aktivität am Orlík-Stausee weiter beobachtet werden, insbesondere bei größeren Wasserstandsschwankungen und möglichen Änderungen des Spannungszustands im Gestein.
Betroffene Städte & Orte
| Stadt | Land | Intensität (EMS-98) | Bewohner | Entfernung Epizentrum (km) | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|---|
| Kovářov | Tschechien | 2 | 1500 | 4.2 | kaum spürbar |
| Bechyně | Tschechien | 0 | 5800 | 32.1 | nicht spürbar |
| Protivín | Tschechien | 0 | 4800 | 37.8 | nicht spürbar |
| Milín | Tschechien | 0 | 2100 | 16.8 | nicht spürbar |
| Velké Popovice | Tschechien | 0 | 1900 | 51.9 | nicht spürbar |
| Tábor | Tschechien | 0 | 36300 | 34.0 | nicht spürbar |
| Veselí nad Lužnicí | Tschechien | 0 | 6500 | 52.0 | nicht spürbar |
| Březnice | Tschechien | 0 | 3700 | 20.3 | nicht spürbar |
| Bystřice | Tschechien | 0 | 4000 | 38.2 | nicht spürbar |
| Zdice | Tschechien | 0 | 4000 | 45.3 | nicht spürbar |
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