Startseite » Tschechien » Falschmeldung: Angebliches Erdbeben (M5.5) nahe Pilsen, Tschechien

ShakeMap M5.5 am 09.07.2026 18:00 nahe Pilsen, Tschechien

Berechnete Intensität des vermeintlichen Erdbebens basierend auf einem Erdbebennews-Modell. Reale Intensität kann durch lokale Effekte leicht abweichen. Hintergrundkarte: OpenStreetMap.
Magnitude: 5.5
Zeit: 09.07.2026 18:00 Uhr deutsche Zeit
Tiefe: 10 km
Ursprung: Falschmeldung
Region(en): Tschechien, Deutschland
Datenquelle(n): GFZ

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Betroffene Menschen

Maximalintensität 7.4. Potenziell spürbar für etwa 30,8 Mio Menschen.
kaum spürbar (2)
19.6 Mio
schwach (3)
7.5 Mio
deutlich (4)
3.1 Mio
mäßig (5), einzelne Schäden möglich
569k
stark (6), leichte Schäden möglich
112k
sehr stark (7), mäßige Schäden möglich
2k
heftig (8), schwere Schäden möglich
0
extrem (9+), schwere Zerstörung möglich
0
Hinweis: Werte beziehen sich auf den Kartenausschnitt und sind modellbasiert.

Zusammenfassung

Am 09.07.2026 18:00 ereignete wurde nahe Pilsen, Tschechien fälschlicherweise ein Erdbeben der Magnitude 5.5 in 10 km Tiefe gemeldet. Für ein solches Beben beträgt die berechnete Maximalintensität 7.7. Das Beben wäre für bis zu 30,8 Mio Menschen spürbar. Die Angaben basieren auf einem Modell von Erdbebennews und können lokal – etwa durch Baugrund und Gebäudeeigenschaften – abweichen.

Nachrichten und Hintergründe zu diesem Erdbeben

Das GFZ Potsdam hat mit einer automatischen Falschdetektion für Aufruhe gesorgt. Über diverse Erdbebenapps sowie dem europäischen Dienst EMSC wurde ein vermeintliches Beben der Magnitude 5.5 südwestlich von Prag verbreitet. Doch diese Meldung ist gegenstandslos, ein Erdbeben hat es nicht gegeben. Zwar gab es tatsächlich zu dieser Zeit ein seismisches Signal, ausgehend von einer Steinbruch-Sprengung bei Prag. Wie die Magnitude aber so massiv überschätzt wurde, ist auf dem ersten Blick nicht nachvollziehbar. Es handelt sich um einen Fehler des automatischen Erdbeben-Ortungssystems von Geofon. Zum jetzigen Zeitpunkt (18:40 Uhr) ist die Meldung weiter auf diversen Plattformen abrufbar. Eine manuelle Korrektur fand noch nicht statt, wird aber wahrscheinlich in Kürze erfolgen.

Wie kommt es bei Erdbeben eigentlich zu Falschmeldungen?

Immer wieder passieren auch bei seriösen Erdbebendiensten Fehler, bei denen fälschlicherweise ein Erdbeben gemeldet wird, obwohl es an diesem Ort gar keins gab. Das ist unangenehm, aber in manchen Fällen kaum vollständig vermeidbar. Grundsätzlich gilt: Je stärker das falsch gemeldete Beben, desto problematischer wird es. So wie in diesem Fall.
Eine in Deutschland recht häufige Ursache ist die Verwechslung von Steinbruch-Sprengungen mit Erdbeben. Meist passiert das in automatischen Auswertesystemen, die in Echtzeit seismische Signale weltweit verarbeiten, um so möglichst schnell Erdbeben zu detektieren. Solche Meldungen können dann über Datenverknüpfungen bei anderen Erdbebendiensten oder in Erdbebenapps auftauchen, bevor sie jemand manuell geprüft hat. Wie in den jeweiligen Erdbebenapps mit den Daten verfahren wird, liegt dann nicht mehr in den Händen des eigentlichen Urhebers. Oft bleiben sie für die Ewigkeit im System, obwohl der Fehler beim entsprechenen Erdbebendienst schon lange korrigiert ist.

Steinbruch-Sprengungen, wie auch diese bei Prag, sind in der Regel sehr schwach (unter Magnitude 2) und lösen damit normalerweise keine weitreichenden Veröffentlichungen in Erdbebenapps aus. In diesem Fall muss ein weiteres, bisher unbekanntes technisches Problem hinzukommen, das die Steinbruch-Sprengung deutlich stärker eingeschätzt hat, als sie eigentlich war.

Update 19:30 Uhr: Das GFZ hat die Falschmeldung korrigiert und das Event auf Magnitude 1.5 heruntergestuft. Damit ist die Meldung des M5.5 auch aus dem EMSC-System raus, aber weiterhin in privaten Dritt-Apps zu finden. Solche Apps sind in der Regel nicht professionell und führen keine Qualitätsprüfung durch. Dass es sich um eine Steinbruch-Sprengung handelte, wird allerdings durch GFZ und EMSC noch nicht deutlich gemacht. Das Event ist weiter als Erdbeben gelistet.

Betroffene Städte & Orte (bei einem echten Beben dieser Stärke)

Stadt Land Intensität (EMS-98) Bewohner Entfernung Epizentrum (km) Beschreibung
Zaječov Tschechien 7 1400 5.2 mäßige Schäden möglich
Žebrák Tschechien 7 2100 17.2 mäßige Schäden möglich
Mýto Tschechien 7 1400 8.9 mäßige Schäden möglich
Obecnice Tschechien 7 1200 9.4 mäßige Schäden möglich
Nezvěstice Tschechien 7 1400 23.8 mäßige Schäden möglich
Pilsen Tschechien 5 164200 31.9 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Dresden Deutschland 4 486900 147.0 deutlich spürbar
Prague Tschechien 4 1165600 58.8 deutlich spürbar
Nürnberg Deutschland 3 515500 200.6 leicht spürbar
Leipzig Deutschland 3 505000 206.4 leicht spürbar
Farben zeigen die berechnete Intensität der Erschütterung (EMS-98).

Wahrnehmungsmeldungen zu diesem Erdbeben

Zu diesem Erdbeben liegen noch keine Wahrnehmungsmeldungen vor.

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Draußen gespürt
Auswirkungen auf Objekte
Gebäudeschäden
Subjektive Stärke


Von Jens Skapski

Betreiber von Erdbebennews seit 2013 als privates Informations- und Aufklärungsprojekt. Seit 2024 beruflich Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Universität Jena. Die Tätigkeit für Erdbebennews erfolgt privat und unabhängig von der beruflichen Tätigkeit.