Startseite » Schaden » Starkes Erdbeben (M4.7) erschüttert Campi Flegrei

Berechnete ShakeMap zum Erdbeben der Magnitude 4.7 nahe Campi Flegrei am 31.07.2026 19:46

Berechnete Intensität des Erdbebens basierend auf einem Erdbebennews-Modell. Reale Intensität kann durch lokale Effekte leicht abweichen. Hintergrundkarte: OpenStreetMap.
Magnitude: 4.7
Zeit: 31.07.2026 19:46 Uhr deutsche Zeit
Tiefe: 2 km
Ursprung: vulkano-tektonisch
Region(en): Italien
Datenquelle(n): INGV

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ShakeMap als Bild

Betroffene Menschen

Maximalintensität 7.8. Potenziell spürbar für etwa 2,6 Mio Menschen.
kaum spürbar (2)
572k
schwach (3)
884k
deutlich (4)
800k
mäßig (5), einzelne Schäden möglich
292k
stark (6), leichte Schäden möglich
74k
sehr stark (7), mäßige Schäden möglich
19k
heftig (8), schwere Schäden möglich
0
extrem (9+), schwere Zerstörung möglich
0
Hinweis: Werte beziehen sich auf den Kartenausschnitt und sind modellbasiert.

Schadens- & Opferabschätzung (automatisch)

Das Erdbebennews-Schadensmodell berechnet eine Opferzahl von 0–4 sowie 1–10 Verletzten.

Todesopfer
0–4

Verletzte
1–10

Vertriebene
80–500

Schwer beschädigte Gebäude
6–40

Leicht beschädigte Gebäude
400–3k

Modellbasierte Berechnung der Erdbebenauswirkungen. Tatsächliche Schadenszahlen können abweichen.

Wie werden die Werte berechnet?

Die Spannen basieren auf einem empirischen Modell aus Intensität, Exposition (Bevölkerungsdaten) und Verwundbarkeit. Die Werte werden pro Intensitätszone aggregiert und gerundet.

Warum sind nur Spannen angegeben?

Frühe Abschätzungen sind mit Unsicherheiten behaftet (Datenlage, Baugrund, Bauweisen). Statt einer scheinbaren „Exaktheit“ zeigen wir den plausiblen Bereich, der sich im Verlauf mit neuen Informationen verfeinern lässt.

Das Wichtigste zum Erdbeben

Nahe Campi Flegrei hat sich am 31.07.2026 19:46 Uhr ein vulkano-tektonisches Erdbeben der Magnitude 4.7 ereignet. Das Hypozentrum lag nach Angaben von INGV in etwa 2 Kilometern Tiefe. Die berechnete Maximalintensität erreicht etwa 8.1 auf der EMS-98-Skala. Im modellierten Gebiet könnten die Erschütterungen für rund 2,6 Mio Menschen spürbar gewesen sein. Nahe des Epizentrums sind schwere Gebäudeschäden möglich. ShakeMap, Reichweite und mögliche Auswirkungen sind automatische Modellrechnungen. Lokaler Baugrund, Gebäudeeigenschaften und die tatsächliche Herdgeometrie können zu Abweichungen führen.

Nachrichten und Hintergründe

Ein starkes Erdbeben hat am Freitagabend die süditalienische Millionenstadt Neapel und die westlich gelegenen Campi Flegrei erschüttert. Ersten Angaben des INGV zufolge erreichte das Beben eine Magnitude von etwa 4.7. Damit könnte es sich um das stärkste instrumentell registrierte Erdbeben der gegenwärtigen Unruhephase in der Vulkancaldera handeln.

Das Erdbeben ereignete sich am 31. Juli gegen 19:46 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag nach ersten Auswertungen innerhalb der Campi Flegrei westlich von Neapel, unmittelbar nördlich des Kraters Solfatara. Es trat in einer sehr geringen Herdtiefe von nur rund zwei Kilometern auf.

Aufgrund der extrem geringen Tiefe wurde das Beben in Pozzuoli und den westlichen Stadtteilen Neapels sehr stark wahrgenommen. Deutliche Erschütterungen wurden jedoch aus dem gesamten Stadtgebiet sowie aus weiteren Teilen der Metropolregion gemeldet. Zahlreiche Menschen verließen ihre Häuser und versammelten sich auf Straßen und Plätzen. Unmittelbar am Epizentrum waren die Erschütterungen sehr stark.

Erste Berichte über Schäden

Aus Pozzuoli und mehreren Stadtteilen Neapels liegen erste Berichte über teils schwere Gebäudeschäden vor. Demnach lösten sich an verschiedenen Gebäuden Putz und Mauerteile. Zudem wurden Risse, zerbrochene Fensterscheiben und kleinere Einstürze gemeldet. Eine unbewohnte Palazzina in Pozzuoli soll teilweise eingestürzt sein. Genauere Details werden zur Zeit noch untersucht. Auch ein massiver Felssturz aus Pozzuoli wird gemeldet.

In mehreren Stadtteilen kam es außerdem zu Strom- und Internetausfällen. Die Feuerwehr erhielt zahlreiche Notrufe. Informationen über schwere Verletzungen oder Todesopfer lagen zunächst nicht vor. Einsatzkräfte begannen unmittelbar nach dem Erdbeben mit Kontrollen besonders gefährdeter Gebäude.

Auf das Hauptbeben folgten innerhalb weniger Minuten weitere, teilweise deutlich spürbare Erdbeben.

Stärkstes Beben der aktuellen Unruhephase

Sollte sich die Magnitude von etwa 4.7 bestätigen, wäre das Beben stärker als die bisherigen Rekordereignisse der aktuellen Krise. Zuletzt hatte am 21. Mai 2026 ein Erdbeben der Magnitude 4.4 die Region erschüttert. Im Juni folgte ein weiteres deutlich spürbares Beben der Magnitude 3.6.

Die ungewöhnlich starken Auswirkungen vergleichsweise moderater Erdbeben sind vor allem auf ihre sehr geringe Tiefe und die dichte Bebauung unmittelbar über dem Herdgebiet zurückzuführen. Die seismischen Wellen legen nur eine kurze Strecke bis zur Oberfläche zurück und verlieren daher kaum Energie. Gleichzeitig können die starken, hochfrequenten Erschütterungen besonders ältere oder bereits vorgeschädigte Gebäude belasten.

Warum bebt es in den Campi Flegrei?

Die Campi Flegrei sind eine große, aktive Vulkancaldera westlich von Neapel. Seit dem Jahr 2005 hebt sich der Boden im Zentrum der Caldera erneut deutlich an. Dieser als Bradyseismus bezeichnete Prozess wird durch steigenden Druck im vulkanischen und hydrothermalen System verursacht und hat sich in den letzten Jahren verstärkt.

Durch die Hebung wird das oberflächennahe Gestein gedehnt und zunehmend aufgebrochen. Dies geschieht in Form von Erdbeben. Zudem kommt es zu Fluidbewegungen, die schwarmartige, kleine Erdbebenserien auslösen. Die meisten Erdbeben entstehen deshalb in Tiefen von weniger als vier Kilometern. Die Aktivität konzentriert sich insbesondere auf das Gebiet um Pozzuoli, die Solfatara, den Golf von Pozzuoli sowie die westlichen Stadtteile Neapels.

Ein starkes Erdbeben bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht. Erdbeben sind jedoch ein wichtiges Anzeichen für den zunehmenden Druck und die fortschreitende mechanische Belastung innerhalb der Caldera. Entscheidend für die vulkanologische Bewertung sind neben der Seismizität auch Bodenhebung, Gaszusammensetzung, Temperatur und weitere geochemische Messwerte.

Update 21:35 Uhr: Vier Menschen verletzt

Bei dem Erdbeben sind nach übereinstimmenden Medienberichten mindestens vier Menschen verletzt worden. Dabei handelt es sich unter anderem um eine Person, die aus Angst vom Balkon ihres Hauses gesprungen ist. Genauere Angaben zur Schwere und zu den Umständen der Verletzungen liegen bislang nicht vor. Auch eine ausführliche offizielle Bilanz der Rettungskräfte steht noch aus.

Daneben werden vor allem aus Pozzuoli und dem westlichen Stadtgebiet von Neapel weitere Schäden gemeldet. Herabgestürzte Mauerteile beeinträchtigten demnach auch den Bahnverkehr. Im Bereich Agnano wurde außerdem ein Hochspannungsmast beschädigt; wohl die Hauptursache der Stromausfälle. Die Einsatzkräfte überprüfen weiterhin Gebäude und Infrastruktur.

Folgendes Video zeigt eine Aufnahme der Campi Flegrei unmittelbar nach dem Beben von einem höher gelegenen Ort. Erkennbar sind viele Staubwolken aufgrund zahlreicher Erdrutsche und Steinschläge.

Update 1. August, 5:07 Uhr: Zahl der Verletzten steigt auf 21 - Kein Hinweis auf zunehmende vulkanische Aktivität

Die Zahl der Verletzten ist nach Angaben des italienischen Zivilschutzes auf 21 gestiegen. Zwei Betroffene wurden als „Codice rosso“ eingestuft und benötigen damit besonders dringende medizinische Behandlung. Nähere Angaben zur Art ihrer Verletzungen liegen bislang nicht vor.

Für Menschen, die vorerst nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können oder aus Sorge die Nacht außerhalb verbringen, wurden im Palatrincone in Pozzuoli 185 Schlafplätze eingerichtet.

Die Schadenskontrollen dauern unterdessen an. In Pozzuoli wurden weitere Steinschläge und herabgestürzte Mauerteile registriert. Mehrere Fahrzeuge wurden beschädigt, als sich Teile von Tuffsteinhängen lösten. Auch am Castello di Baia kam es zu einem kleineren Einsturz. Verletzt wurde dort nach bisherigen Angaben niemand.

Zahlreiche kleinere Nachbeben traten in der Nacht auf, darunter ein Bebeen mit Md 3.8, das erneut verbreitet und am Epizentrum teils stark verspürt wurde.

Das starke Erdbeben hat bislang nicht zu einer Änderung der vulkanischen Gefahrenstufe geführt. Die Campi Flegrei befinden sich weiterhin auf Alarmstufe Gelb. Nach Angaben des italienischen Zivilschutzes sprechen die bisherigen Messungen dafür, dass tief liegendes Magma und davon freigesetzte Fluide die gegenwärtige Bodenhebung und Erdbebenaktivität antreiben. Hinweise darauf, dass Magma bis in oberflächennahe Bereiche aufsteigt oder ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht, gibt es derzeit jedoch nicht.

Ob das Beben eine längerfristige Veränderung innerhalb der Caldera andeutet, lässt sich anhand eines einzelnen Ereignisses nicht bestimmen. Dafür müssen die weitere Erdbebenaktivität, die Geschwindigkeit der Bodenhebung sowie geochemische Veränderungen in den kommenden Tagen gemeinsam ausgewertet werden. Das INGV überwacht die Region deshalb weiterhin engmaschig.

Sollten sich die Messwerte deutlich verändern, könnte die nationale Kommission für Großrisiken eine Anhebung der Alarmstufe empfehlen. Damit könnten zunächst zusätzliche Vorsorgemaßnahmen und später die operativen Phasen Voralarm und Alarm aktiviert werden. Eine Evakuierung der vulkanischen Gefahrenzone ist nach aktuellem Stand jedoch nicht angeordnet oder angekündigt.

Unabhängig vom vulkanischen Risiko dürfte das Beben die Diskussion über die Erdbebensicherheit der Gebäude weiter verschärfen. Bereits vor dem Ereignis waren Programme zur Untersuchung und baulichen Verstärkung besonders gefährdeter Häuser angelaufen, da im Verlaufe der bradyseismischen Krise nun bereits mehrfach Beben über Magnitude 4 aufgetreten sind, die zu Schäden geführt haben.

Betroffene Städte & Orte

Stadt Land Intensität (EMS-98) Bewohner Entfernung Epizentrum (km) Beschreibung
Quarto Italien 6 37700 5.3 leichte Schäden möglich
Pianura Italien 6 57800 4.2 leichte Schäden möglich
Bagnoli Italien 6 23300 3.1 leichte Schäden möglich
Soccavo Italien 6 45300 4.7 leichte Schäden möglich
Fuorigrotta Italien 6 76500 5.1 leichte Schäden möglich
Arenella Italien 5 67600 7.6 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Pozzuoli Italien 5 45600 4.0 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Vomero Italien 5 44800 7.8 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Naples Italien 4 959500 11.1 deutlich spürbar
Giugliano in Campania Italien 4 80300 12.0 deutlich spürbar
Farben zeigen die berechnete Intensität der Erschütterung (EMS-98).

Wahrnehmungsmeldungen zu diesem Erdbeben

TaxTu · 2026-07-31T17:46:00+00:00
Neapel

War im Bad unseres Apartements und die Wand und der Spiegel haben sich bewegt als würde jemand gegen eine Blechwand schlagen

Jan · Intensität: IV · 2026-07-31T17:46:00+00:00
Neapel (Bagnoli)

Es war wie, wenn man ein bisschen fester mit dem Bein wackelt.

Pascal · 2026-07-31T17:46:00+00:00
Ischia Porte

Ich habe ein leichtes aber deutlich spürbare Zittern der Erde gefühlt.

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Draußen gespürt
Auswirkungen auf Objekte
Gebäudeschäden
Subjektive Stärke


Von Jens Skapski

Betreiber von Erdbebennews seit 2013 als privates Informations- und Aufklärungsprojekt. Seit 2024 beruflich Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Universität Jena. Die Tätigkeit für Erdbebennews erfolgt privat und unabhängig von der beruflichen Tätigkeit.