Startseite » Schaden » Todesopfer durch Erdbeben (M4.9) in Sichuan, China

Berechnete ShakeMap zum Erdbeben der Magnitude 4.9 nahe Sichuan am 07.08.2026 07:08

Berechnete Intensität des Erdbebens basierend auf einem Erdbebennews-Modell. Reale Intensität kann durch lokale Effekte leicht abweichen. Hintergrundkarte: OpenStreetMap.
Magnitude: 4.9
Zeit: 07.08.2026 07:08 Uhr deutsche Zeit
Tiefe: 6 km
Ursprung: mutm. induziert (Fracking)
Region(en): China
Datenquelle(n): CENC

Interaktive Karte öffnen
ShakeMap als Bild

Betroffene Menschen

Maximalintensität 7.5. Potenziell spürbar für etwa 23,8 Mio Menschen.
kaum spürbar (2)
16.4 Mio
schwach (3)
5.2 Mio
deutlich (4)
1.6 Mio
mäßig (5), einzelne Schäden möglich
426k
stark (6), leichte Schäden möglich
110k
sehr stark (7), mäßige Schäden möglich
1k
heftig (8), schwere Schäden möglich
0
extrem (9+), schwere Zerstörung möglich
0
Hinweis: Werte beziehen sich auf den Kartenausschnitt und sind modellbasiert.

Schadens- & Opferabschätzung (automatisch)

Das Erdbebennews-Schadensmodell berechnet eine Opferzahl von 0–2 sowie 0–2 Verletzten.

Todesopfer
0–2

Verletzte
0–2

Vertriebene
9–60

Schwer beschädigte Gebäude
1–10

Leicht beschädigte Gebäude
100–700

Modellbasierte Berechnung der Erdbebenauswirkungen. Tatsächliche Schadenszahlen können abweichen.

Wie werden die Werte berechnet?

Die Spannen basieren auf einem empirischen Modell aus Intensität, Exposition (Bevölkerungsdaten) und Verwundbarkeit. Die Werte werden pro Intensitätszone aggregiert und gerundet.

Warum sind nur Spannen angegeben?

Frühe Abschätzungen sind mit Unsicherheiten behaftet (Datenlage, Baugrund, Bauweisen). Statt einer scheinbaren „Exaktheit“ zeigen wir den plausiblen Bereich, der sich im Verlauf mit neuen Informationen verfeinern lässt.

Das Wichtigste zum Erdbeben

Nahe Sichuan hat sich am 07.08.2026 07:08 Uhr ein mutmaßlich durch Fracking induziertes Erdbeben der Magnitude 4.9 ereignet. Das Hypozentrum lag nach Angaben vom chinesischen Erdbebendienst CENC in etwa 6 Kilometern Tiefe. Die berechnete Maximalintensität erreicht etwa 7.6 auf der EMS-98-Skala. Im modellierten Gebiet könnten die Erschütterungen für rund 23,8 Mio Menschen spürbar gewesen sein. Lokal sind mäßige Gebäudeschäden möglich. ShakeMap, Reichweite und mögliche Auswirkungen sind automatische Modellrechnungen. Lokaler Baugrund, Gebäudeeigenschaften und die tatsächliche Herdgeometrie können zu Abweichungen führen.

Nachrichten und Hintergründe

Ein Erdbeben der Magnitude 4.9 hat am Freitagmorgen die chinesische Provinz Sichuan erschüttert. Das China Earthquake Networks Center (CENC) verortete das Epizentrum im Kreis Gao (Gaoxian) nahe der Stadt Yibin in einer Tiefe von rund sechs Kilometern. Das Beben ereignete sich um 13:08 Uhr Ortszeit (05:08 UTC).

Nach Angaben der örtlichen Behörden kam mindestens ein Mensch ums Leben. Die Person wurde von einer einstürzenden Mauer getroffen, als sie versuchte, sich während des Bebens in Sicherheit zu bringen. Sechs weitere Menschen wurden verletzt, darunter fünf mit leichten Verletzungen. Rettungskräfte und Katastrophenschutzeinheiten wurden in die betroffenen Ortschaften entsandt. Die Schadensaufnahme dauert an.

Die Region war bereits in den vergangenen Wochen von mehreren Erdbeben betroffen. Bereits Ende Juni hatte ein Erdbeben der Magnitude 5.5 nahezu dieselbe Region erschüttert. Damals wurden 15 Menschen verletzt, mehr als 200 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen und hunderte Gebäude wurden beschädigt. Das aktuelle Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer vom damaligen Epizentrum entfernt und setzt die seit Wochen anhaltende Erdbebenserie in der Region fort.

Erdbeben in bedeutender Schiefergasregion

Das aktuelle Epizentrum liegt in einer der wichtigsten Schiefergasförderregionen Chinas. Rund um Yibin und das benachbarte Weiyuan werden seit Jahren große Mengen Erdgas aus tiefen Schiefergesteinen gewonnen. Dabei kommen unter anderem hydraulische Stimulationen ("Fracking") sowie die Verpressung großer Wassermengen zum Einsatz.

Für Teile dieser Region ist wissenschaftlich gut belegt, dass die industrielle Nutzung des Untergrundes Erdbeben auslösen oder bereits bestehende Spannungen an Störungen beeinflussen kann. Mehrere Studien bringen insbesondere die Verpressung von Abwässern und Fracking-Maßnahmen mit den Erdbebensequenzen der vergangenen Jahre in Verbindung. So wurden unter anderem die Erdbeben von Xingwen (2018) und Weiyuan (2019) als wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich induziert bewertet.

Ob auch das aktuelle Erdbeben auf industrielle Aktivitäten zurückzuführen ist, lässt sich derzeit jedoch nicht sagen. Ebenso, ob "Fracking" selbst oder das Verpressen von Wasser ursächlich war. Dafür wären detaillierte Informationen über den zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit Förder- und Verpressungsaktivitäten sowie seismologische Analysen erforderlich. Die Nähe zu einem der bedeutendsten chinesischen Schiefergasfelder macht einen möglichen Zusammenhang zwar grundsätzlich denkbar. Darauf deutet auch die geringe Tiefe von nur sechs Kilometern hin. Sie stellt für sich allein jedoch keinen Beleg für eine induzierte Ursache dar.

Mehrere mögliche Ursachen denkbar

Hinzu kommt, dass die Region ohnehin tektonisch aktiv ist. Der Südosten der Provinz Sichuan liegt am Rand des Sichuan-Beckens und wird von zahlreichen Störungszonen durchzogen. In diesem Gebiet können sowohl natürlich entstandene als auch durch menschliche Eingriffe beeinflusste Erdbeben auftreten.

Die Behörden setzen ihre Schadensaufnahme fort. Da viele Gebäude in den ländlichen Gebieten aus unverstärktem Mauerwerk bestehen, können bereits Erdbeben dieser Größenordnung und Tiefe lokal erhebliche Schäden verursachen.


Wie häufig sind solche Erdbeben?

Wie häufig sind Erdbeben nahe Sichuan? Um das einzuschätzen, wurde die Gutenberg-Richter-Beziehung verwendet – eine statistische Methode, mit der sich aus den vergangenen Erdbeben ableiten lässt, wie oft Beben bestimmter Stärke auftreten. Als Grundlage dienten 500 stärkere Erdbeben, deren Epizentren innerhalb des oben dargestellten rechteckigen Kartenausschnitts liegen.Die historischen Daten stammen aus internationalen Erdbebenkatalogen (USGS, ISC). Die Auswertung ist nur eine grobe regionale Einordnung.

Nach dieser Auswertung kommt ein Erdbeben von etwa Magnitude 4.9 in dieser Region statistisch mehrmals pro Jahr vor.

Unter der vereinfachenden Annahme zeitlich unabhängiger Ereignisse entspricht das einer Wahrscheinlichkeit von etwa 83.3% innerhalb eines Jahres und 100.0% innerhalb von zehn Jahren.

Diese Werte sind statistische Mittelwerte und keine Vorhersage. Die Aussagekraft hängt außerdem von Vollständigkeit, Magnitudenhomogenität und Länge des verwendeten Katalogs ab.

Betroffene Städte & Orte

Stadt Land Intensität (EMS-98) Bewohner Entfernung Epizentrum (km) Beschreibung
Xunchang China 6 118700 7.6 leichte Schäden möglich
Qingfu China 6 56600 17.1 leichte Schäden möglich
Changning China 5 81200 25.7 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Yibin China 5 836300 27.8 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Shuanglong China 5 44100 32.5 stark spürbar, einzelne Schäden möglich
Xiangjiaba China 4 102100 29.3 deutlich spürbar
Luzhou China 3 998900 85.0 leicht spürbar
Neijiang China 3 1251100 125.0 leicht spürbar
Fuji China 3 131900 98.6 leicht spürbar
Zigong China 3 1262100 92.8 leicht spürbar
Farben zeigen die berechnete Intensität der Erschütterung (EMS-98).

Wahrnehmungsmeldungen zu diesem Erdbeben

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Von Jens Skapski

Betreiber von Erdbebennews seit 2013 als privates Informations- und Aufklärungsprojekt. Seit 2024 beruflich Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Universität Jena. Die Tätigkeit für Erdbebennews erfolgt privat und unabhängig von der beruflichen Tätigkeit.