Ein kräftiger Ruck, ein dumpfes Grollen und für wenige Sekunden wackelt das ganze Haus: Das Erdbeben der Magnitude 3.5 bei Mannheim hat am Donnerstagabend in der gesamten Rhein-Neckar-Region viele Menschen deutlich aufgeschreckt.

Inzwischen haben uns rund 400 Wahrnehmungsmeldungen erreicht. Weitere kommen im minutentakt. Besonders viele stammen aus Mannheim und Ludwigshafen, aber auch aus Worms, Frankenthal, Lampertheim sowie zahlreichen Orten an der Bergstraße und in der Vorderpfalz wurde das Erdbeben wahrgenommen.

Die meisten Beschreibungen ähneln sich auffällig: Das Beben dauerte nur wenige Sekunden, setzte dafür aber vielerorts sehr plötzlich und kräftig ein.

„Kurz, aber heftig. Dacht schon, dass der Fernsehturm umgekippt ist. ;)“

So beschreibt eine Person aus Mannheim-Feudenheim das Erdbeben. Aus Ludwigshafen wurde ein „solider Ruck gefolgt von ein paar Sekunden Vibrationen“ gemeldet. In Worms-Herrnsheim fühlte es sich dagegen an, „als wäre im Nebenraum ein sehr schwerer Gegenstand umgefallen“.

Ein Knall, ein Grollen – oder eine Explosion?

Besonders auffällig ist die große Zahl akustischer Wahrnehmungen. In vielen Meldungen ist von einem tiefen Brummen, Grollen oder sogar einem Knall die Rede. Solche Geräusche entstehen meist, wenn hochfrequente Erdbebenwellen auf die Atmosphäre übertragen werden. Aber auch wackelnde Gebäude und Gegenstände erzeugen Schall.

Aus Grünstadt wurde das Geräusch beschrieben als:

„Wie ein Überschallknall, nur von unten irgendwie.“

In Großniedesheim war von einem „tiefen Grollen“ die Rede, während gleichzeitig das ganze Haus wackelte. Eine Meldung aus Ludwigshafen-Friesenheim schildert:

„Für 2–3 Sekunden wackelte der Monitor und ich wurde auf meinem Bürostuhl etwas geschüttelt. Verbunden mit einem Knall. Dachte zuerst, in der BASF sei etwas explodiert.“

Auch aus Worms kam eine ähnliche Beschreibung:

„Haus hat gewackelt, dachte erst an Explosion.“

Solche Wahrnehmungen sind bei nahen, flachen Erdbeben nicht ungewöhnlich. Je kleiner und näher ein Erdbeben, umso höher ist die Frequenz die Erschütterungen und desto eher kann man die Bewegung bei entsprechender Stärke auch hören.

Gläser klirrten, Möbel bewegten sich

In zahlreichen Haushalten blieb es nicht nur bei einem gefühlten Zittern. Immer wieder wurden bewegte Möbel und Gegenstände beschrieben.

Aus Ludwigshafen-Oggersheim wurde etwa gemeldet:

„Wackelndes Wasser im Aquarium, klappernde Gläser im Schrank.“

In Mannheim-Neckarstadt wurden nach einem kräftigen Stoß ein wackelnder Wohnzimmerschrank und klirrende Gläser beobachtet. Besonders anschaulich ist eine Meldung aus Mannheim-Lindenhof:

„Das Haus (Altbau) hat gewackelt, eine Holzfigur ist vom Regal gefallen. Ähnlich, wie wenn die Straßenbahn vorbeifährt, nur stärker.“

Damit gibt es zumindest einzelne Berichte, bei denen leichte Gegenstände ihre Position verändert haben oder heruntergefallen sind.

Auch in oberen Stockwerken deutlich

Mehrere Meldungen stammen aus höheren Etagen, wo Gebäudeschwingungen teilweise stärker wahrgenommen werden können. Aus Ludwigshafen heißt es beispielsweise:

„Dachgeschoss ordentlich durchgerüttelt.“

Eine Person aus dem Klinikum Ludwigshafen schrieb:

„Liege im Krankenhaus und mein Bett hat plötzlich gewackelt.“

Aus Heidelberg-Ziegelhausen wurde berichtet:

„Ich lag im Bett und habe ein Buch gelesen. Das Bett hat leicht gewackelt und die Schranktür vom Kleiderschrank hat geklappert.“

Teilweise wie eine Welle durch das Haus

Mehrere Menschen beschreiben die Bewegung ausdrücklich als Stoß oder Welle. Aus Mannheim-Lindenhof wurden sogar zwei kurz aufeinanderfolgende Bewegungen wahrgenommen:

„Fensterscheiben wackelten im ganzen Haus, fühlte sich an wie eine doppelte Druckwelle, zweimaliges Grollen direkt hintereinander.“

Auch aus Hirschberg an der Bergstraße werden „zwei kurze Wellen“ beschrieben. Solche Formulierungen geben die subjektive Wahrnehmung der Bodenbewegung wieder und bedeuten nicht zwangsläufig, dass tatsächlich eine Druckwelle durch die Luft lief.

Ein Video aus dem Vogelpark Heddesheim zeigt diese kurze Welle ebenfalls. Im Youtube-Livestream ist um 17:27:18 ein kleiner Wackler zu sehen, auf den die Tiere ebenfalls reagieren.

Makroseismisch etwa Intensität V

Aus den bisherigen Meldungen ergibt sich im näheren Umfeld von Mannheim und Ludwigshafen ein recht geschlossenes Bild mit Intensitäten überwiegend zwischen IV und V auf der Europäischen Makroseismischen Skala EMS-98. Die stärksten belastbaren Beobachtungen sprechen derzeit ungefähr für Intensität V, lokal möglicherweise V–VI.

Bei Intensität V wird ein Erdbeben in Gebäuden von den meisten Menschen gespürt; Gläser klirren, Türen oder Fenster bewegen sich und leichte Gegenstände können verrutschen oder vereinzelt umfallen. Genau solche Beobachtungen finden sich vielfach in den Meldungen.

Der Bereich deutlicher Wahrnehmungen erstreckt sich grob über 20 bis 30 Kilometer um das Epizentrum. Plausible schwächere Wahrnehmungen liegen auch noch aus etwa 40 bis 60 Kilometern Entfernung vor. Einzelne deutlich weiter entfernte Meldungen werden für die spätere Auswertung zunächst zurückhaltend bewertet.

Eine detaillierte makroseismische Auswertung und Prüfung aller Meldungen braucht Zeit und folgt hier auf Erdbebennews in den kommenden Tagen.

Keine Hinweise auf relevante Schäden

Trotz der teilweise kräftigen Wahrnehmung gibt es bislang keine Hinweise auf nennenswerte Schäden oder Verletzte. In einem Fall wurde aus Einhausen in Hessen ein Riss in einem Gebäude gemeldet. Diese Meldung lässt sich nicht prüfen. Vereinzelte geringfügige Schäden sind bei der ansonsten gemeldeten Intensität aber nicht unwahrscheinlich.

Insgesamt zeigen die zahlreichen Berichte ein sehr einheitliches Bild: ein kurzes, aber regional ungewöhnlich deutliches Erdbeben, das vor allem durch den plötzlichen Ruck und das vielerorts gleichzeitig wahrgenommene Grollen für Aufregung sorgte. 

Vielen Dank an alle, die uns bereits ihre Beobachtungen geschickt haben. Sie sind eine wichtige Grundlage, um die Auswirkungen des Erdbebens genauer zu bestimmen und daraus eine makroseismische Intensitätskarte zu erstellen.

Wer das Erdbeben ebenfalls gespürt hat und noch keine Meldung abgegeben hat, kann dies weiterhin unter diesem Beitrag tun.

Von Jens Skapski

Betreiber von Erdbebennews seit 2013 als privates Informations- und Aufklärungsprojekt. Seit 2024 beruflich Erdbebenauswerter beim Thüringer Seismologischen Netz an der Universität Jena. Die Tätigkeit für Erdbebennews erfolgt privat und unabhängig von der beruflichen Tätigkeit.

3 Gedanken zu „Magnitude 3.5: So wurde das Erdbeben bei Mannheim gespürt“
  1. Es ging 2 mal kurz hintereinander ein rück durch das gebäude, (14. Etage) so wie wenn in einer benachbarten Wohnung ein Schrank o.ä. umgefallen wäre.
    Jetzt gibt es hinter einer Wand im Bad einen Wasserschaden. Dieser Vorgang wird am Montag 15.9. untersucht.

  2. Am 10.09.2026 gegen 17:00 h: Ich saß zeitgleich auf meinem Balkon im 4. OG, Nähe Mannheim Hauptbahnhof , der Balkon wackelte mehrfach deutlich und dann bewegte sich das haus einen kurzen Moment , hörte in der Ferne mehrfach ein Grollen, wie ein Donner eines Gewitters. Ich dachte an eine evtl. Explosion sehr entfernt. Alles passte nicht plausible zu meinen Gedanken. Dann suchte ich im Google was in Mannheim passierte. So erfuhr von diesem Erdbeben

  3. Im hessischen Einhausen war der Ruck, der darauffolgende Knall sowie die Druckwelle ebenfalls zu spüren bzw. zu hören.

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