Erdbebenampel Hochstaufen

Der Hochstaufen bei Bad Reichenhall gehört zu den bekanntesten Erdbebengebieten in Bayern. In der Region treten seit vielen Jahren immer wieder kleine Erdbeben auf, die mit Spannungen im Gebirge und lokalen geologischen Strukturen zusammenhängen. Die meisten dieser Beben sind sehr schwach und nur instrumentell nachweisbar, stärkere Ereignisse können jedoch auch in Bad Reichenhall und umliegenden Orten am Fuß des Berges verspürt werden.

Auf dieser Seite werden automatisch detektierte Erdbeben am Hochstaufen in nahezu Echtzeit dargestellt. Die Erkennung erfolgt mit einem Kreuzkorrelationsverfahren auf Basis bekannter Erdbebenwellenformen. Zusätzlich wird die aktuelle Erdbebenaktivität in Form einer Ampel zusammengefasst. Die angezeigten Positionen sind Näherungen und dienen vor allem der räumlichen Einordnung.

Aktuelle Erdbeben-Ampel

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Energiefreisetzung (72 h)

Erdbebenmeldungen in Echtzeit

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Automatisch detektierte Erdbeben am Hochstaufen

Karte der automatisch detektierten Hochstaufen-Erdbeben. Farbe = Alter, Kreisgröße = geschätzte Magnitude. Die Lage dient nur der ungefähren räumlichen Einordnung.
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FAQ – Erdbeben am Hochstaufen bei Bad Reichenhall

Allgemeine Informationen

Warum gibt es am Hochstaufen überhaupt Erdbeben?

Der Hochstaufen gehört zu den wenigen Gebieten in Deutschland, in denen über längere Zeit immer wieder kleine Erdbeben auftreten.
Die Region ist tektonisch vorbelastet und geologisch stark geklüftet. Gleichzeitig ist das Gebirge verkarstet, sodass Wasser
vergleichsweise schnell in den Untergrund gelangen kann. Treffen diese Spannungen und die veränderlichen Druckverhältnisse im
Gestein zusammen, können kleine Bruchbewegungen ausgelöst werden. Wissenschaftliche Studien sehen deshalb einen Zusammenhang
zwischen tektonischer Vorbelastung, Karstsystem, Wasserzutritt und Erdbebenaktivität. Das heißt: Wenn es viel regnet oder es zur Schneeschmelze kommt (meist im Frühjahr), treten vermehrt kleine Erdbeben auf.

Was bedeutet „niederschlagsinduzierte Erdbeben“?

Damit ist gemeint, dass starker oder anhaltender Niederschlag nicht die eigentliche Ursache der Spannungen im Gebirge ist,
aber als Auslöser wirken kann. Regenwasser und Schmelzwasser versickern in Klüfte und Hohlräume, verändert den Porendruck im Untergrund und
können dadurch Störungen destabilisieren, die ohnehin bereits nahe am Bruchzustand sind. Für den Hochstaufen wurde genau dieser
Mechanismus in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten als beste Erklärung für die beobachteten Erdbebenschwärme herausgearbeitet.

Heißt das, dass Regen allein die Erdbeben verursacht?

Nein. Der Niederschlag gilt am Hochstaufen nicht als alleinige Ursache, sondern als Trigger. Das Gebirge muss bereits in einem
spannungsreichen Zustand sein. Der Regen liefert dann den zusätzlichen Anstoß, damit einzelne Brüche tatsächlich aktiv werden.
Ohne dieses tektonische Spannungsfeld würde starker Niederschlag nicht automatisch zu Erdbeben führen.

Forschung am Hochstaufen

Gibt es wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang zwischen Regen und Erdbeben am Hochstaufen?

Ja. Besonders gut untersucht wurden die Erdbebenschwärme im Jahr 2002. Für diese Sequenzen konnten Forschende zeigen, dass die
Aktivität auffällig auf überdurchschnittliche Niederschlagsphasen folgte. Eine vielzitierte Studie aus dem Jahr 2006 kam zu dem
Schluss, dass durch Niederschlag ausgelöste Porendruckänderungen Erdbeben am Hochstaufen sogar in mehreren Kilometern Tiefe
triggern können. Spätere Arbeiten bestätigten den grundsätzlichen Zusammenhang und kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Regen
der dominierende Auslöser ist.

Welche Rolle spielt die Karstgeologie?

Sie ist wahrscheinlich entscheidend. Der Hochstaufen ist Teil eines verkarsteten und stark geklüfteten Gebirgsbereichs.
In solchen Gesteinen kann Wasser deutlich schneller und konzentrierter in die Tiefe gelangen als in dichtem, wenig durchlässigem
Fels. Genau deshalb gilt der Hochstaufen in der Fachliteratur als besonders geeignetes Beispiel für regengetriggerte Seismizität.
Auch vergleichende Arbeiten betonen, dass solche Fälle bevorzugt in Karstregionen auftreten.

Spielen auch andere Einflüsse als Regen und Schneeschmelze eine Rolle?

Ja, aber offenbar nur nachgeordnet. Eine spätere Modellstudie zum Hochstaufen kam zu dem Ergebnis, dass Niederschlag der wichtigste
Triggermechanismus ist. Thermoelastische Spannungen – also Spannungsänderungen durch Erwärmung und Abkühlung des Gebirges – können
die zeitlichen Schwankungen der Aktivität zusätzlich verbessern. Gezeitenkräfte scheinen dagegen am Hochstaufen keine bedeutende
Rolle zu spielen.

Erdbeben und Wahrnehmung in Bad Reichenhall

Können die Erdbeben in Bad Reichenhall gespürt werden?

Ja. Die meisten Hochstaufen-Erdbeben sind sehr klein und nur mit seismologischen Stationen nachweisbar. Erdbeben ab etwa Magnitude 1, je nach Epizentrum, können
jedoch in Bad Reichenhall und am Fuß des Berges schon deutlich wahrgenommen werden. Das liegt an der geringen Entfernung zum Herdgebiet
und daran, dass die Beben meist relativ flach sind.

Wie stark werden die Erdbeben am Hochstaufen normalerweise?

Typisch sind sehr kleine bis kleine Erdbeben im Mikroerdbebenbereich. In der wissenschaftlichen Literatur werden für die gut
untersuchten Schwärme von 2002 Maximalmagnituden bis etwa ML 2,4 genannt. Allgemein ist die Region aber in der Literatur als
seismisch aktives Gebiet mit Ereignissen bis etwa Magnitude 3,2 bis 3,5 bekannt. Solche stärkeren Beben sind deutlich seltener,
können in Bad Reichenhall aber stark spürbar sein und in Ausnahmefällen auch zu Gebäudeschäden führen.

Sind die Erdbeben gefährlich?

In den allermeisten Fällen nein. Die typischen Hochstaufen-Beben sind zu klein, um Schäden zu verursachen. Spürbare Ereignisse
können erschrecken und vereinzelt kleine Gegenstände in Bewegung versetzen, größere Schäden sind jedoch selten. Trotzdem ist die
Region seismologisch interessant, weil hier natürliche Prozesse besonders gut beobachtet werden können.

Vorhersage und Überwachung

Kann man Hochstaufen-Erdbeben vorhersagen?

Eine genaue Vorhersage einzelner Erdbeben ist auch am Hochstaufen nicht möglich. Was sich aber sagen lässt: Nach Phasen starken
oder lang anhaltenden Niederschlags kann die Wahrscheinlichkeit für erhöhte Aktivität steigen. Ebenso im Frühjahr, wenn mit steigenden Temperaturen der Schnee auf dem Berg Hochstaufen schmilzt. Das ist keine Vorhersage im engeren
Sinn, sondern eine statistische Einschätzung auf Basis der bekannten Zusammenhänge zwischen Wetter und Seismizität.

Wie werden die Erdbeben auf dieser Seite erkannt?

Die hier gezeigten Ereignisse werden automatisch mit einem Kreuzkorrelationsverfahren detektiert. Dabei werden aktuelle
Seismogramme mit bekannten Erdbebenmustern aus der Hochstaufen-Region verglichen. Solche automatischen Detektionen erlauben eine
sehr schnelle Übersicht über die aktuelle Aktivität, ersetzen aber keine vollständige manuelle Auswertung durch Seismologinnen und
Seismologen. Eine solche manuelle Überprüfung führt der Erdbebendienst Bayern durch.

Warum sind die Positionen auf der Karte nur Näherungen?

Die automatische Detektion liefert in erster Linie den Zeitpunkt und die Ähnlichkeit zu bekannten Erdbebenmustern.
Die auf der Karte gezeigte Lage dient deshalb vor allem der räumlichen Einordnung des Herdgebiets am Hochstaufen.
Sie sollte nicht als punktgenaue Epizentrumsbestimmung verstanden werden.

Forschung und Erdbebenüberwachung am Hochstaufen

Der Hochstaufen bei Bad Reichenhall gehört zu den am besten untersuchten Beispielen für niederschlagsgetriggerte Erdbeben in Mitteleuropa.
Besonders die Schwärme von 2002 wurden intensiv analysiert. Die Forschung zeigt, dass starker Niederschlag in dem verkarsteten und
geklüfteten Gebirge den Porendruck im Untergrund verändern und dadurch kleine Erdbeben auslösen kann, wenn das Gestein bereits nahe am
Bruchzustand ist. Gleichzeitig bleibt der Hochstaufen ein Beispiel dafür, wie eng Wetter, Geologie und Seismizität lokal miteinander
verknüpft sein können. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Wissenschaftlich untersucht wurde das Gebiet unter anderem von Forschenden der LMU München, der Universität Potsdam und weiterer
geowissenschaftlicher Einrichtungen. Neuere Arbeiten haben die Langzeitentwicklung der Aktivität zusätzlich vertieft und bestätigen,
dass der Zusammenhang mit Niederschlag real ist, auch wenn nicht jeder einzelne Schwarm ausschließlich durch Regen erklärt werden kann. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Weiterführende wissenschaftliche Quellen

Hainzl et al. (2006): Evidence for rainfall-triggered earthquake activity
Kraft et al. (2006): High-precision relocation and focal mechanism of the 2002 seismicity at Mt. Hochstaufen
Hainzl et al. (2013): Testing atmospheric and tidal earthquake triggering at Mt. Hochstaufen