Erdbeben-Anomalien in Europa

Erdbeben-Anomalien der letzten 24 Stunden


Abweichung der aktuellen Erdbebenaktivität in Europa (letzte 24 Stunden) vom langjährigen Mittel. Rot: Erhöhte Aktivität. Blau: Geringe Aktivität.
Kreise: Erdbeben und andere lokalisierte seismische Ereignisse (Ab Magnitude 2, Daten: EMSC). Wird stündlich aktualisiert.

Erdbeben-Anomalien der letzten sieben Tage


Abweichung der aktuellen Erdbebenaktivität in Europa (letzte sieben Tage) vom langjährigen Mittel. Rot: Erhöhte Aktivität. Blau: Geringe Aktivität.
Kreise: Erdbeben und andere lokalisierte seismische Ereignisse (Ab Magnitude 2, Daten: EMSC). Wird stündlich aktualisiert.

Erdbeben-Anomalien der letzten 30 Tage


Abweichung der aktuellen Erdbebenaktivität in Europa (letzte 30 Tage) vom langjährigen Mittel. Rot: Erhöhte Aktivität. Blau: Geringe Aktivität.
Kreise: Erdbeben und andere lokalisierte seismische Ereignisse (Ab Magnitude 2.5, Daten: EMSC). Wird täglich aktualisiert.

Letztes Update: 18.07.2021, 19:26 UTC

Was zeigen diese Karten?

Dargestellt sind die Abweichungen der Erdbebenaktivität an jedem Ort in Europa im jeweiligen Zeitraum vom langfristigen Mittel. Das heißt, dass man anhand der Karten erkennen kann, ob und in welcher Region die Erdbebenaktivität im jeweiligen Zeitraum über- oder unterdurchschnittlich war. Rote Flächen zeigen Gebiete mit erhöhter Aktivität. Blau dargestellt sind Orte mit niedrigerer Tätigkeit als durchschnittlich zu erwarten wäre.

Was sind die grünen Flächen und warum gibt es so viele davon?

Grün hat in dieser Karte zwei Bedeutungen, je nach Datenlage. Zum einen repräsentiert die Farbe die Gebiete, in denen die Erdbebenaktivität nahe der liegt, die durchschnittlich zu erwarten wäre. Zum anderen sind die Gebiete grün markiert, in denen es in der Vergangenheit keine nennenswerten Erdbeben gegeben hat, anhand dieser ein langfristiger Durchschnitt gebildet werden könnte. Der Erwartungswert wäre also, keine Erdbeben in kurzfristigen Zeiträumen Dies sind zum Beispiel weite Teile von Irland oder Belarus. Wenn es dann im aktuellen Zeitraum auch tatsächlich keine Erdbeben gibt, ist der erwartete Durchschnitt erreicht und die Darstellung erfolgt in grün. Eine Einstufung als "unterdurchschnittliche Aktivität" (blau) ist somit in diesen Gebieten aktuell nicht möglich.

Was bedeutet es, wenn eine Region besonders aktiv oder inaktiv ist?

Erstmal garnichts. Basis der Auswertung sind Erdbeben der vergangenen Tage. Es ist nicht möglich, anhand vergangener Aktivitäten Aussage über zukünftige Entwicklungen zu treffen. Bei erhöhter Aktivität kann dies, je nach Ursache (mehr dazu weiter unten), aber zum Beispiel für Urlauber relevant werden, die in Kürze in das entsprechende Gebiet reisen möchten und sich so eventuell auf vermehrte Erdbeben einstellen sollten.

Was muss passieren, damit eine Region als überdurchschnittlich aktiv dargestellt wird?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Erdbeben im entsprechenden Zeitraum passieren und umso stärker sie sind, umso weiter über dem Durchschnitt liegt die Aktivität. Wie häufig und wie stark die Erdbeben sein müssen, hängt aber stark von der Region, genauer: Von der Erdbebenvergangenheit der Region ab. In besonders aktiven Gebieten, zum Beispiel Griechenland, werden auch kurzfristig relativ viele kleine Erdbeben erwartet. Mehrere kleine Beben in kurzer Zeit haben dort somit kaum einen Einfluss. Werden solche Regionen als besonders aktiv dargestellt, ist die Ursache entweder ein größeres Beben oder ein Erdbebenschwarm. Anders in Gebieten, in denen selbst kleine Beben selten sind, zum Beispiel nördlich der Alpen. Dort reicht unter Umständen schon ein leichtes Erdbeben, damit die Aktivität deutlich über dem Durchschnitt liegt. Umgekehrt sind Gebiete mit hoher Aktivität besonders schnell "blau", also unterdurchschnittlich aktiv, wenn es nur sehr wenige oder garkeine Erdbeben gibt.

Warum sind manche Gebiete besonders häufig rot dargestellt?

Der langjährige Durchschnitt wird zum Großteil aus natürlichen Erdbeben gebildet, die sich während des 20. Jahrhunderts ereignet haben. In manchen Regionen gibt es neben der natürlichen Erdbebentätigkeit auch induzierte Erdbeben und sonstige ,seismische Ereignisse (z.B. Steinbruch-Sprengungen), die unter Umständen in die aktuellen Vergleichsdaten mit einfließen. Dies sind oft zum Beispiel die induzierten Erdbeben in den polnischen Bergbauregionen, aber auch häufige Munitionssprengungen im Ärmelkanal vor der französischen Küste sowie Steinbruch-Sprengungen in der Schweiz. Diese "künstlichen Erdbeben" sorgen dafür, dass die jeweiligen Regionen oft als überdurchschnittlich aktiv eingestuft werden.

Warum gibt es diese Karten?

Immer wieder erreichten uns in den vergangenen Jahren Anfragen dazu, ob irgendwelche Erdbeben eine ungewöhnliche Aktivität darstellen. Die Antwort darauf lautete fast immer: Nein. Erdbeben, egal wie stark, egal wie selten oder auch egal wie schwach, sind niemals ungewöhnlich in dem Sinne, dass es sie eigentlich nicht geben sollte. Manchmal sind Erdbeben nur so selten, dass die Erinnerung an das letzte bereits verblasst, aber aus geologischer Sicht noch immer alles "normal" ist. Diese Karten soll verdeutlichen, dass das "Ungewöhnliche", nämlich die Abweichung vom Durchschnittswert, vom Erwartbaren, tatsächlich mehr die Regel als die Ausnahme ist und vor allem vom Betrachtungszeitraum abhängt. Um das Ganze über einen längeren Zeitraum verfolgen und nachvollziehen zu können, werden die Daten stündlich aktualisiert, sodass neue Erdbeben schnell in die Auswertung einfließen. Kurzfristige Veränderungen und langfristige Ausgleiche werden so erkennbar.