Erdbebenkatastrophe auf den Philippinen (15. Oktober 2013) – Supertaifun Haiyan verschont Bohol

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3. November
Das Erdbeben der Stärke 7.2, dass sich am Morgen des 15. Oktobers auf der philippinischen Insel Bohol ereignete, war eines der zerstörerischsten Erdbeben des Jahres.
Da wir aus Zeitgründen nicht durchgehend über die dortigen Ereignisse berichten konnten, folgt an dieser Stelle eine Zusammenfassung mit den aktuellsten (aber noch immer nicht endgültigen) Daten.

230 Menschen sind durch das Erdbeben ums Leben gekommen. 8 dieser Menschen gelten noch als vermisst. Nach aktuellem Stand wurden 976 Menschen bei dem Erdbeben im unterschiedlichen Maße verletzt. Die meisten der Opfer stammen direkt von der Insel Bohol, weitere von den Inseln Cebu, Negros Oriental und Siquijor, sowie einige von den kleinen bewohnten Inseln vor der Nordküste von Bohol.

Etwa 73.000 Gebäude wurden beschädigt. Mehr als 14.000 davon wurden komplett zerstört. Davon betroffen sind 79.000 Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. 269.000 weitere mussten aufgrund der Schäden evakuiert werden. Ob und wann sie in ihre Häuser zurückkehren können, ist offen.
3.2 Millionen Menschen sind insgesamt von dem Erdbeben betroffen.

Ein großer Teil der Infrastruktur wurde beschädigt. Unter anderem sind mehrere Brücken eingestürzt, Straßen wurden teilweise von Erdrutschen verschüttet. Auch mehrere Menschen starben durch Erdrutsche. Diese zerstörten zudem teilweise die Touristenattraktion „Chocolade Hills“ auf Bohol.
Weitere Schäden entstanden durch Erdfälle (Sinkholes) infolge des Bebens, wo unterirdische Hohlräume eingestürzt sind.

Ursprung des Bebens war eine bislang unbekannte Verwerfung im Norden der Insel. Durch die Bewegung der Verwerfung wurde ein Teil der Insel um mehrere Meter angehoben, so dass sich die Küstenlinie um bis zu 50 Meter Richtung Meer verschob. Außerdem brach an mehreren Stellen der Insel die Erde auf, so dass sich die einzelnen Segmente um teils mehrere Meter zueinander in horizontaler Richtung verschoben.

Viele Tausend Nachbeben haben die Inseln Bohol und Cebu seit dem Hauptbeben erschüttert. Einige waren so stark (Maximal M 5.5), dass sie weitere Schäden verursachten.
Weitere gefährliche Nachbeben drohen in den kommenden Wochen und Monaten.

Weitere Gefahr droht den Erdbebenopfern in den kommenden Tagen durch zwei Tropenstürme, die von Osten genau auf Bohol zuziehen. Einer könnte sich zu einem Taifun der Kategorie 4 entwickeln, nach aktuellem Stand der Prognose.

Im globalen Vergleich ist das Erdbeben das zweittödlichste des Jahres und wahrscheinlich das Erdbeben, mit den größten wirtschaftlichen Verlusten.

Sollte es neue Informationen geben, werden sie an dieser Stelle ergänzt.

Update 10. November:
Der Taifun „Haiyan“, der mit Windspitzen von 379 km/h einer der schwersten Taifune aller Zeiten war, hat auch die Erdbebenregion auf Bohol getroffen. Doch wie es im Moment aussieht, hat diese Region großes Glück gehabt. Keine weiteren Opfer werden von dort gemeldet. Auch die Schäden hielten sich in Grenzen.
Im Gegensatz zu den anderen Regionen der Philippinen. Entlang der Ostküste gibt es nach aktuellsten Schätzungen etwa 12300 Tote und Vermisste. Ganze Dörfer und Städte wurden zerstört. 2,1 Millionen Menschen wurden obdachlos.

Bei den Opferzahlen des Erdbebens hat es leichte Veränderungen gegeben, wahrscheinlich aufgrund eines verstorbenen Verletzten. Denn nun seien es 223 Tote, 8 Vermisste und 975 Verletzte.
Auch dort sind immer noch tausende Menschen auf Hilfe angewiesen. Diese Katastrophe wird nun vom Taifun in den Hintergrund gedrängt. Bleibt nur zu hoffen, dass Regierung und internationale Hilfsorganisationen beiden Katastrophengebieten die notwendige Hilfe gewährleisten können.

Über Nachbeben, die in den kommenden Wochen folgen werden, informieren wir in unseren Kurzmeldungen.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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