Aktuelle Erdbeben in Niedersachsen

Zuletzt aktualisiert: 30.03.2022, 14:41 Uhr

Anzeige

Aktuelle Erdbeben in Niedersachsen (Liste)

Datum Zeit Mag Tiefe (km) Intensität Ort Kreis, Region Bundesland, Land Daten Erdbebentyp Modus Breite Länge
2021-12-27 08:55 1.0 3.0 0 Ems-Dollart Grenze Niedersachsen / Niederlande KNMI induziert (Erdgasförderung) M 53.35500 6.96400
2021-10-24 08:15 1.0 5.0 0 Verden (Aller) Verden Niedersachsen BSM Induziert (Erdgasförderung) M 52.97080 9.26627
2021-09-13 3:22 3.1 5.0 4 Langwedel Verden Niedersachsen BVEG induziert (Erdgasförderung) M 53.01389 9.18295
2021-07-21 22:49 2.1 5.0 3 Bassum Diepholz Niedersachsen BVEG induziert (Erdgasförderung) M 52.85014 8.81521
2021-05-27 16:21 1.7 5.0 0 Emstek Cloppenburg Niedersachsen BSM induziert (Erdgasförderung) M 52.85400 8.22600
2021-02-04 06:17 1.5 5.0 0 Syke Diepholz Niedersachsen NED induziert (Erdgasförderung) M 52.90000 8.85000
2020-12-17 05:10 2.5 5.0 3 Staffhorst Diepholz Niedersachsen BVEG induziert (Erdgasförderung) M 52.70000 8.99000
2020-11-20 01:38 1.2 5.0 0 Großenkneten Oldenburg Niedersachsen BVEG induziert (Erdgasförderung) M 52.98000 8.19000
2020-05-19 10:37 1.9 5.0 2 Bothel Rotenburg Niedersachsen NED induziert (Erdgasförderung) M 53.04000 9.56000
2020-01-29 13:37 1.9 5.0 2 Borstel Nienburg / Weser Niedersachsen NED induziert (Erdgasförderung) M 52.67000 8.98000

Karte aktueller Erdbeben in Niedersachsen


Wo und warum gibt es Erdbeben in Niedersachsen?

Tektonische Erdbeben sind in Niedersachsen seit Beginn instrumenteller Aufzeichnungen die Ausnahme. Einzelne spürbare Erdbeben gab es in den letzten Jahrzehnten an der Nordsee, in der Lüneburger Heide sowie im Teutoburger Wand, kleinere Beben auch im Raum Hannover. Historisch sind ebenfalls Lüneburger Heide und Teutoburger Wald, von wo Aufzeichnungen bekannt sind. Lange galt das Alfhausen-Erdbeben 1771 als ein ungewöhnlich starkes Erdbeben für Norddeutschland, neue Studien legen jedoch nahe, dass die Stärke bisher deutlich überschätzt wurde und zweifeln teilweise sogar an, dass es dieses Erdbeben überhaupt gegeben hat.

Geht man weiter in die Vergangenheit, wird es unübersichtlicher. Niedersachsen liegt wie alle Teile Norddeutschlands und -europas im Bereich der Vergletscherung während der letzten Eiszeit. Beim Schmelzen dieser Gletscher vor über 10.000 Jahren wurde die unterhalb liegende Erdkruste durch den Gewichtsverlust stark entlastet, was zu Ausgleichsbewegung führte. Diese hat alte Störungszonen reaktiviert und im Laufe der vergangenen Jahrtausende zu schweren Erdbeben vor allem im skandinavischen Raum geführt. Auch aus Niedersachsen gibt es entsprechende Hinweise, dass solche Beben vor rund 10.000 Jahren passiert sind. Die Harznordrand-Störung am Nordrand des Harzes ist ein Beispiel für reaktivierte Störungszonen. Weitere mögliche Kandidaten verlaufen in etwa parallel zu dieser Linie und sind durch die Flussverläufe von Elbe, Weser und Aller markiert. Zwar fehlen für die meisten dieser möglichen Störungszonen instrumentelle Aufzeichnungen über seismische Aktivität, doch kann zukünftige Aktivität nicht ausgeschlossen werden.

In jüngerer Zeit deutlich relevanter für Niedersachsen waren induzierte Erdbeben infolge der Erdgasförderung. Zahlreiche Felder, an denen Erdgas und Erdöl gefördert werden, finden sich in Niedersachsen. Mindestens ein Dutzend dieser Fördergebiete haben in den letzten Jahren messbare Erdbeben ausgelöst. Anders als beim Hydraulic Fracturing (Fracking), wo mit Hochdruck Wasser injiziert wird, um Gestein aufzubrechen und dabei Störungszonen aktiviert werden können, gehen die Erdbeben in den niedersächsischen Gasfeldern auf Druckänderungen durch die Förderung selbst zurück. Oberhalb liegendes Gestein rutscht nach unten, unterhalb liegendes kann nach oben drücken. Die Folge sind Reaktivierung von kleineren Störungszonen im Einflussbereich. Das stärkste nachweislich damit im Zusammenhang stehende Erdbeben nahe Syke erreichte Magnitude 3.8. Zwei Erdbeben über Magnitude 4 in der Lüneburger Heide haben Eigenschaften natürlicher Erdbeben, können also der Erdgasförderung nicht eindeutig zugeordnet werden.

Von einem dritten, weniger bekannten Erdbebentyp gibt es einzelne bekannte Ereignisse im Süden Niedersachsens: Einsturzbeben. Im Untergrund vorkommende Salzstöcke werden im Laufe der Zeit durch Grundwasser ausgespült, sodass Hohlräume entstehen. Stürzt oberhalb dieser Höhlen Gestein ein, gleicht das einem Erdbeben. Diese sind meist sehr schwach, unter Umständen bei geringer Tiefe aber in unmittelbarer Umgebung spürbar. Auch Einsturzkrater (Dolinen) können entstehen, wenn das Gestein bis zur Erdoberfläche einbricht.