Verhalten bei (schweren) Erdbeben

Starke Erdbeben, die Gebäude zerstören und Menschenleben gefährden sind für viele eine Horrorvorstellung, treten sie doch meist plötzlich ohne Vorwarnung auf. Viele Gebiete der Erde sind von dieser Gefahr akut bedroht. Doch auch in Regionen, die nicht als Erdbebengebiet bekannt sind, können starke Erdbeben auftreten.
Nicht nur große Beben sind eine Gefahr. Auch kleinere Beben können, unter ungünstigen Umständen, zu Schäden führen. Zudem ist die psychische Belastung, die mit Erdbeben einhergeht, nicht zu unterschätzen. Die richtigen Verhaltensweisen bei Erdbeben im folgenden Überblick
(Hinweis: Auf dieser Seite finden Sie eine kompakte Zusammenstellung der wichtigsten Informationen. Ausführliche Tipps und Hinweise finden Sie, wenn Sie den Links am Ende oder innerhalb dieses Beitrags folgen)

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Vor einem Erdbeben
Das Bundesamt für Katastrophenschutz rät den Bürgern, gewisse Vorkehrungen zu treffen, um auf den Notfall vorbereitet sein. Dazu gehören unter anderem Vorräte, ein Notfallrucksack und Planungen, wie man sich im Extremfall zu verhalten hat.
Lebt man in einem Erdbebengebiet, sollte man zudem seine Umgebung und die damit einhergehenden kennen: Welche seismischen Quellen (tektonische Störungen) gibt es in der Umgebung? Wie stark waren frühere Erdbeben hier? Wie sicher ist das Haus gebaut? Besteht die Gefahr von Sekundäreffekten (Hangrutschungen, Bodenverflüssigung, Tsunamis)? Dies gilt auch im Hinblick auf potentielle Evakuierungsrouten und Notunterkünfte, sowie für Wege zu Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitsplätzen, Krankenhäusern und Versorgungsstätten.
Zum Vermeiden von Gefahren sollten im Gebäude alle Möbel fest an der Wand verankert sein und schwere oder zerbrechliche Gegenstände nur in Bodennähe platziert werden. Besonders Orte, an denen Sie sich häufig aufhalten (Bett, Schreibtisch, etc.) sollten nicht von herabstürzenden Gegenständen oder Glassplittern (Fenster!) getroffen werden. Fluchtwege sollten immer freigehalten werden. Bedenken Sie, dass Möbel bei einem Erdbeben verschoben werden können!

Wer in einem erdbebengefährdeten Gebiet Urlaub machen möchte, sollte sich ebenfalls mit den potentiellen Gefahren vertraut machen und ggf. Rücksprache mit dem Reiseveranstalter oder dem Hotel (dessen Gebäude auf jeden Fall erdbebensicher sein sollte!) halten, wie vor Ort mit der Gefahr umgegangen wird. Wichtig, vor allem in Tsunami-Gebieten, ist es, Evakuierungsrouten vorab zu kennen und zu wissen, wo im Notfall Sammelpunkte für Touristen sein werden. Man sollte auch wissen, wer im Katastrophenfall Ansprechpartner vor Ort sein kann.

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Bei einem Erdbeben

In vielen erdbebengefährdeten Regionen werden schon in den Schulen Erdbebenübungen abgehalten, bei denen das richtige Verhalten geprobt wird. Die Grundregeln (im Gebäude) sind dabei:
– Ducken: In die Hocke gehen, um Stürze zu vermeiden und den Kopf mit den Armen vor herabstürzenden Objekten schützen
– Schutz suchen: Zum Beispiel unter einem stabilen Tisch oder neben einer stabilen Innenwand.
– Verharren: Bis die Erschütterungen nachlassen und dann das Gebäude verlassen.

Sollte man sich in einem älteren Gebäude ohne ausreichenden Schutz vor Erdbeben befinden und bei einem großen Beben die Chance haben, dieses binnen Sekunden zu verlassen, sollte man dies versuchen. Andererseits besteht bei der Flucht die Gefahr, von Trümmern getroffen und schwer verletzt zu werden, sodass es im Normalfall ratsam ist, das Haus erst nach dem Erdbeben zu verlassen. Fahrstühle sind zu vermeiden!

Die sichersten Orte im Freien sind abseits von Gebäuden, Strommasten, Bäumen und Hängen. Diese sollte man bei einem Beben so schnell wie möglich aufsuchen oder sich zumindest so weit wie möglich von genannten Objekten positionieren (auf den Straßenverkehr achten!). Brücken sollten gemieden werden.
Fahrzeuge sollten bei einem Erdbeben am Straßenrand halten.

Nach einem Erdbeben

Generell gilt: Folgen Sie immer den Anweisungen der Behörden! Beachten Sie die Gefahr von Nachbeben!
Ist Ihr Haus bei einem Erdbeben stark beschädigt worden, betreten Sie dieses nicht mehr! Schalten Sie, wenn möglich, Versorgungsleitungen ab und suchen Sie mit ihrer vorbereiteten Notfallausrüstung wenn möglich ein Evakuierungszentrum auf. Radios können auch bei Stromausfällen als Informationsquelle dienen. Telefonleitungen sollten für Notfälle freigehalten werden. Beachten Sie, dass nach einem Erdbeben meist Straßen durch Menschen oder Trümmer unpassierbar werden, vor allem in einer Stadt. Nutzen Sie daher, wenn möglich, keine Fahrzeuge.
Wenn Sie Verletzten oder Verschütteten selbst helfen, handeln Sie vorsichtig und bringen Sie sich nicht selbst in unnötige Gefahr.
Bei nur leichten oder nicht sichtbaren Schäden, prüfen Sie Versorgungsleitungen und schalten Sie ggf. Gasleitungen ab. Prüfen Sie die Trinkwasser- und Stromversorgung.

In einem Tsunami-Gebiet können nach schweren Erdbeben Riesenwellen drohen. Meistens gibt es an betroffenen Küsten ein Alarmsystem, das Sie nach wenigen Minuten informiert. Sollte eine Gefahr bestehen oder kein Alarmsystem existieren, sollten Sie Küstenabschnitte so schnell wie möglich über existierende Evakuierungsrouten verlassen. Wenn offizielle Evakuierungsrouten nicht erreichbar sind oder nicht existieren, suchen Sie Anhöhen auf. Achten Sie dabei an möglichen Steilhängen auf die Gefahr von Steinschlägen. Prüfen Sie vorher, ob diese rechtzeitig erreichbar sind. Manchmal stellen Hochhäuser, sofern diese beim Erdbeben unbeschädigt geblieben sind, eine sichere Alternative dar.

Im außereuropäischen Ausland sollten Sie nach einer Katastrophe versuchen, mit anderen EU-Bürgern gemeinsam europäische Botschaften zu kontaktieren, die Ihnen dann im weiteren Verlauf zur Seite stehen werden und ggf. eine Rückreise organisieren können.
Beachten Sie, dass nach einem Erdbeben die Rettung und Versorgung von Opfern oberste Priorität hat.

Ausführliche Verhaltenstipps in einer offiziellen Mitteilung des GFZ Potsdam

Sonderfall: Erdbebenschwarm
Erdbebenschwärme bezeichnen das Auftreten von vielen, ähnlich starken Erdbeben innerhalb kurzer Zeit. In den meisten Fällen sind die Beben dabei relativ schwach. Erdbebenschwärme können in vielen Regionen der Welt auftreten. Überwiegend werden Sie in vulkanisch oder magmatisch aktiven Gebieten oder in der Nähe größerer Grabenstrukturen registriert. Häufig verbindet man Erdbebenschwärme mit sich ankündigen Vulkanausbrüchen, was aber in den meisten Fällen nicht zu trifft.
Ein Erdbebenschwarm führt bei Betroffenen meist zu einer starken psychischen Belastung, da er Tage und Wochen andauern kann und in dem Zeitraum in hoher Frequenz Erdbeben auftreten. Vor allem Nachts werden diese als besonders stark empfunden und stören den Schlaf. Auch wenn die meisten Erdbebenschwärme keine großen, gefährlichen Beben hervorbringen, ist Angst und Verunsicherung meist groß. Erlebt man sowas als Urlauber, ist es je nach Häufigkeit der Erdbeben trotz keiner unmittelbaren Gefahr sinnvoll, eine Rückreise in Erwägung zu ziehen. Zuvor ist ein Gespräch mit dem Reiseveranstalter über die aktuelle Situation sinnvoll, um ggf. Umbuchungen oder Erstattungen zu erhalten. Ansonsten gilt es, wie bei einzelnen Erdbeben auch, Ruhe zu bewahren. Zur Sicherheit sollte man in dieser Situation die Vorkehrungen für ein starkes Erdbeben überprüft werden, um im Notfall gewappnet zu sein. Wenn Gebäude durch wiederholte kleine Erdbeben Anzeichen von strukturellen Schäden zeigen (kleine Risse in Mauern, etc.), sollte ein Experte die Sicherheit des Gebäudes überprüfen. Im Zweifel und bei größeren Schäden ist eine Evakuierung ratsam.

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Administrator

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Pflug
Gast
Pflug

Wir waren in christchurch 2011 am Weihnachten da .unfassbar wir waren in dem Hotel holiday inn wo es nach mittags anfing zu beben.das Ben
BeBen hatte die stärke 6 ,5 .keiner in diesem Hotel hatt uns geholfen nicht mal die Angestellten. .. Schon schlimm wenn man ankommt in einer Halle sitzt und es auf einmal alles zu wackeln und rumpeln beginnt der grosse tre Sen von Hotel schwankte hin und her die Säulen bewegten sich in 5 min war alles vorbei. Die lichter wackelten.das werde ich nie vergessen sowas
Würde nie mehr da hin fahren. ..

Horst Schmid
Gast
Horst Schmid

Das auf der Seite angebotene Video „Worst Case Szenario …“ ist ein kurzer Action-Thriller und passt überhaupt nicht zum Rest der eher seriösen Info der Seite!

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[…] Update 04.13 Uhr Noch immer gibt es keine Daten von italienischen Erdbebebendienst bei der INGV. Das USGS gibt das Erdbeben inzwischen mit Magnitude 6.2 an. In italienischen Medien wird spekuliert, dass das Epizentrum nahe Perugia in Umbrien liegt, wo es seit mehreren Jahren eine Häufung von kleinen Erdbeben gibt. Laut USGS lag das Epizentrum südöstlicher. Da sich zur Zeit auch viele Deutsche in Italien aufhalten: Hier ein wichtiger Hinweis zu den Verhaltensregeln bei und nach schweren Erdbeben. […]

Nagu
Gast
Nagu

Gottseidank hatte unser Haus (650 Jahre alt) das Erdbeben von 2009 in Aquila fast unbeschädigt überstanden. Das beruhigt ein wenig, denn wer hat schon die Möglichkeit sein Gebäude einem richtigen Erdbebentest zu unterziehen. Darum kann man jetzt nur Tee trinken und abwarten. Die Menschen früher waren auch ein wenig klüger und haben die Siedlungen zumeist auf Fels gebaut, wenn die Möglichkeit war. Danke Ihnen !!!!!! Trotzdem erschrickt man wenn es um 3:30h heftig rumpelt !!!