FAQ: Häufige Fragen zu Erdbeben

FAQ Erdbeben weltweit

Was ist ein Erdbeben?

Ein Erdbeben ist eine Erschütterung des Bodens, die meist durch eine plötzliche Verschiebung von Gesteinsblöcken in der Erdkruste entsteht.
Es gibt spürbare Beben, aber auch zahlreiche kleine Mikrobeben, die nur mit Messgeräten nachweisbar sind. Erdbeben vor der Küste werden umgangsprachlich als Seebeben bezeichnet.

Wie entstehen Erdbeben?

Durch die ständige Bewegung der Plattentektonik baut sich in der Erdkruste Spannung auf. Diese entlädt sich irgendwann ruckartig – es kommt zum Erdbeben.
Neben den klassischen tektonischen Beben gibt es auch andere Typen, z. B. vulkanische oder induzierte Beben. → Mehr zu den Erdbebentypen

Was bedeuten Magnitude, Intensität und Tiefe?

  • Magnitude: misst die Stärke eines Erdbebens, also die freigesetzte Energie. Erdbeben unter M 2 heißen Mikrobeben.

  • Intensität: beschreibt die Auswirkungen auf Menschen und Gebäude (z. B. nach EMS-98 oder Mercalli-Skala, I–XII).

  • Tiefe (Hypozentrum): der Ursprungspunkt im Erdinneren. Flache Beben wirken meist stärker, tiefe Beben können über große Distanzen spürbar sein.

Vertiefung: Verhalten der Intensität in Deutschland

Wann ist ein Erdbeben gefährlich?

Gefährlich wird ein Beben, wenn drei Faktoren zusammentreffen:

  1. Hohe Intensität (korreliert mit Magnitude, Tiefe und lokaler Geologie)

  2. Dichte Besiedlung

  3. Schwache Bauweise

Beispiele:

  • Christchurch 2011 (M 6.3, sehr flach, direkt unter der Stadt) → schwere Zerstörung.

  • M 8.3 vor Kamtschatka 2013 (600 km Tiefe, dünn besiedelt) → kaum Schäden.

Wo treten Erdbeben auf?

Die meisten Erdbeben entstehen:

  • an Subduktionszonen (z. B. Chile),

  • an Kollisionszonen (z. B. Himalaya).

Diese Regionen bilden den „Pazifischen Feuerring“.
Auch innerhalb der Platten treten Erdbeben auf, in der Regel seltener und in regional stark variierender Häufigkeit. Leichte Erdbeben sind überall jederzeit möglich.

Warum werden Stärke und Tiefe nachträglich korrigiert?

Automatische Erstmeldungen nutzen wenige Stationsdaten. Mit mehr Messungen und manueller Prüfung werden die Werte präziser – deshalb ändern sich Magnitude, Epizentrum und Tiefe oft in den Stunden nach einem Beben.

Warum steht oft „10 km Tiefe“?

Die Tiefe ist schwieriger zu bestimmen als das Epizentrum. Viele Dienste geben deshalb in ersten Meldungen Platzhalterwerte wie 10 km, 5 km oder 33 km an. Erst spätere Analysen liefern realistischere Angaben.

Warum hört man Knall oder Grollen?

Erdbebenwellen versetzen nicht nur den Boden, sondern auch die Luft in Schwingung. Wie sich Erdbebenwellen auf die Atmosphäre übertragen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Daher gibt es von Erdbeben zu Erdbeben und von Ort zu Ort Unterschiede. Grundsätzlich gilt:

  • Hohe Frequenzen → lauter Knall

  • Niedrige Frequenzen → tiefes Grollen

Was sind Vorbeben, Nachbeben und Erdbebenschwärme?

  • Vorbeben: kleine Beben vor dem Hauptbeben (selten und nicht als solche identifizierbar).

  • Nachbeben: treten (fast immer) nach dem Hauptbeben auf, können bei großen Hauptbeben gefährlich sein.

  • Erdbebenschwarm: viele Beben ähnlicher Stärke ohne klares Hauptbeben in kurzer Zeit.

Wie kann ich mich schützen?

Wann entstehen Tsunamis?

Vor allem bei starken Seebeben an Subduktionszonen, wenn der Meeresboden angehoben oder abgesenkt wird.
Auch Vulkanausbrüche, Erdrutsche oder Meteoriteneinschläge können Tsunamis auslösen. → Mehr zu Tsunamis

Können Erdbeben künstlich entstehen?

Ja – z. B. durch Bergbau, Stauseen oder Grundwasserveränderungen (→ induzierte Beben).
Gezielt ein schweres Erdbeben auszulösen, ist aber nicht möglich.

Gibt es Erdbebenwarnungen?

  • Vorhersage: exakte Vorhersagen sind nicht möglich.

  • Frühwarnsysteme (Japan, Mexiko, Kalifornien): erkennen Wellen wenige Sekunden vor Ankunft → bis zu 30 s Warnzeit, aber nur mit großem Aufwand.
    Siehe dazu: Das Android-Erdbebenfrühwarnsystem

Gibt es Erdbeben in Deutschland?

Ja. Durchschnittlich:

  • ca. 40 spürbare Beben pro Jahr,

  • alle paar Jahre Schäden durch M 4+,

  • selten M 5.5+ (2–3 pro Jahrhundert).

Hotspots: Rhein, Vogtland, Schwäbische Alb.
Aktuelle Erdbeben in Deutschland
Gefährdungskarte Deutschland

Bin ich sicher, wenn ich noch nie ein Erdbeben erlebt habe?

Nein. Auch in Regionen mit langer Ruhe kann es wieder starke Beben geben – selbst nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden Pause.

Werden es immer mehr Erdbeben?

Nein. Der Anstieg der Meldungen liegt an besseren Messnetzen. Berücksichtigt man nur vollständig erfasste Beben ab einer bestimmten Größenordnung („Magnitude of completeness“), zeigt sich kein langfristiger Anstieg, sondern von Jahr zu Jahr schwankende Zahlen.

Führt der Klimawandel zu mehr Erdbeben?

Direkter Zusammenhang: nein.
Aber: Klimawandel kann geologische Prozesse wie Gletscher- oder Permafrostschmelze beeinflussen. → Ausführliche Erklärung

18 Gedanken zu „FAQ: Häufige Fragen zu Erdbeben“
  1. Haben (4 Personen) für nächsten Mittwoch einen Flug nach Java, 2 Inlandsflüge (Java-Flores, Flores-Lombok) und fliegen von Lombok (8. September) zurück.
    Die Fluggesellschaften lehnen eine Stornierung ab, da es keine Pauschalreise ist (bei TUI können alle Reisen bis einschließlich 31. August umgebucht werden).
    Was tun?
    5000,- € in den Sand setzen? Lombok auslassen und versuchen ab Jakarta zurückzufliegen?
    Wie sicher ist es momentan überhaupt auf Java und Flores?
    V.a. kann man in Ruhe auch baden gehen oder muss man ständig Angst vor einem Tsunami haben.
    Gibt es eine App, die einen vorwarnt?
    Danke und viele Grüße
    Agnes

    1. Auf Java und Flores ist die Erdbebengefahr ähnlich hoch wie normalerweise auch auf Lombok, Java eher sogar noch höher (zumindest im Inland und an der Südküste, in Jakarta weniger). Das Lombok-Beben hat daran nichts geändert (also nicht höher als sonst).
      Ein Tsunami entsteht nur, wenn es vorher ein schweres Erdbeben gegeben hat. Dieses merkt man natürlich und kann es als Warnzeichen nehmen. Zudem ist das Tsunamiwarnsystem in Indonesien inzwischen auch ziemlich gut, man wird also informiert, wenn Gefahr droht. Evakuierungsrouten müssten an vielen Orten ausgeschildert sein.
      Die Nordküste von Java (Jakarta) ist weniger gefährdet.

  2. Wir möchten im Sept. 2018 auf Zakynthos Urlaub machen. Wie gefährdet ist die Insel, was Erdbeben angeht? Bin etwas aufgeschreckt, weil im Reiseführer extra Hinweise gegeben werden, wie man sich bei „Erderschütterungen“ verhalten sollte.
    Beste Grüße
    Ruthild Raykowski

  3. Wir wollten nächste Woche nach Forio auf Ischia reisen… Weiß man schon näheres zu Ischia oder sollte man die Reise stornieren? 🙁

    1. Forio ist nicht so stark betroffen. Stornieren ist grundsätzlich nicht zu empfehlen, da es keine akute Gefahr durch mögliche Nachbeben gibt. Eine vorherige Absprache mit dem Reiseveranstalter und dem Hotel sollte abklären, ob Hotel und Umgebung betroffen sind.

    2. Wir fliegen auch am montag den 28. August nach Forio und sind jetzt verunsichert ob das
      ein „entspannter“ Urlaub wird. Das auswärtige Amt hat aber z.Zt. keine Warnung dafür raus
      gegeben.

      1. Hallo Gabi,
        wir fliegen auch am 28. nach Forio. Nach Kontakt mit dem Hotel und Veranstalter ist mit dem Hotel und Forio alles ok. Die Nachbeben eigentlich nicht zu spüren (1). Gruß

  4. Wie hoch ist die Wahscheinlichkeit, dass es erneut einen Erdbeben genau am gleichen Ort mit der gleichen Stärke bzw. noch stärker auftritt. Also nicht die jetztigen Nachbeben, sondern z.B nächsten Sommer oder in zwei, drei Jahren.
    Ich war mit meiner Familie in Bodrum Gümbet am 21.07.2017 und es war heftig, zumal auch der „kleine“ Tsunami uns und unser Hotel getroffen hat.

    1. Am stärksten betroffen, wie bereits mehrfach geschrieben, sind die Stadt Kos sowie die Türkische Küste. Über Schäden auf Kalymnos ist uns nichts bekannt. Nachbeben werden auf Kalymnos spürbar sein, je nach Epizentrum ab Stärke 3,5 bis 4, was momentan noch mehrmals täglich auftritt. Auch größere Nachbeben bis Stärke 5 sind zu erwarten, die dann auf Kalymnos deutlich spürbar wären.

  5. Wir wollen am Dienstag nach Rhodos fliegen. Ist dort die Gefahr für Nachbeben groß?
    Sind Nachbeben in der Region gefährlicher oder schwächer? VG

    1. Es wird dort wahrscheinlich ein paar spürbare Nachbeben geben. Gefahr besteht nicht. Zu bedenke ist, dass auch auf Rhodos unabhängig von Kos große Erdbeben möglich sind.

    1. Auszug aus einem unserer früheren Beiträge:
      „Da nun schon häufiger die Frage kam:
      – Viele Häuser auf Kos (überwiegend im Osten der Insel) sind schwer beschädigt oder zerstört
      – Hunderte Menschen campieren wohl noch wochenlang unter freiem Himmel, von den vielen Verletzten mal ganz abgesehen.
      – Schäden an Straßen und Infrastruktur sind noch nicht vollständig ausgewertet, aber es sieht nicht schön aus.
      – Nachbeben kommen fast im minutentakt und sind eine extreme psychische Belastung für die Menschen dort
      – Jederzeit muss mit neuen großen Erdbeben über Magnitude 5 gerechnet werden, die weitere Schäden verursachen.
      – Immerhin: Der Flughafen ist intakt und die meisten Hotels haben nur geringe oder keine Schäden!
      Also, zur Frage, ob man an den nächsten Wochen dort Urlaub machen kann:
      Klar kann man! Schlaflose Nächte, Angst und Katastrophenstimmung könnten aber das Urlaubsvergnügen ein wenig trüben. Eigene Entscheidung! Gilt übrigens auch für die Region Bodrum.“

  6. Wir fahren im Urlaub am 28.08. Nach rosolina mare Adria Küste
    Müssen wir uns sorgen machen. Oder sogar den Urlaub stornieren. Bitte um Rückmeldung danke

    1. Hallo Claudia,
      In Rosolina war das Hauptbeben nur noch sehr schwach spürbar. Dort gab es keine Schäden. Nachbeben dürften bis dort vermutlich auch nicht spürbar sein. Dem Urlaub steht nichts entgegen.

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