Begriffserklärung

In der Berichterstattung auf erdbebennews.de tauchen einige Begriffe auf, mit denen nicht jeder direkt etwas anfangen kann. Daher an dieser Stelle eine kurze Erklärung zu einigen häufig verwenden Begriffen zum Thema Erdbeben.

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Erdkruste nennt man die oberste Gesteinsschicht der Erde. Sie reicht von der Oberfläche bis in eine Tiefe von bis zu 60 Kilometern und ist in verschiedene Platten (großräumig) und Blöcke (kleinräumig) „zersplittert“. Es gibt zwei Arten von Platten: Kontinentale und ozeanische Platten mit jeweils unterschiedlichen Gesteinseigenschaften.
Das Gestein in der Erdkruste ist fest und brüchig. Im unterhalb liegenden Erdmantel ist das Gestein ebenfalls zum Großteil fest, kann sich aufgrund der hohen Temperaturen aber fließend, kontinuierlich bewegen.
[Genau genommen umfassen Platten nicht nur die Kruste, sondern die gesamte Lithosphäre, was auch die obersten Teile des Mantels mit einschließt.]

(Platten)Tektonik beschreibt die Bewegung der Erdkruste, angetrieben durch das eigene Gewicht sowie durch temperaturbedingte Gesteinsströme im Erdmantel. Dabei findet keine einheitliche Bewegungen statt. Die einzelnen Platten bewegen sich in unterschiedliche Richtungen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, stoßen mancherorts zusammen, schieben sich übereinander, aneinander vorbei oder bewegen sich auseinander. Die Ränder der Platten nennt man Plattengrenzen.  Manchmal sind diese klar und scharf definiert, oft aber großräumig verteilt.
Die Bewegung an Plattengrenzen und auch innerhalb der Platten erfolgt zum Großteil entlang von Rissen im Gestein. Da sich die einzelnen Blöcke aufgrund der Festigkeit des Gesteins oft verhaken, finden diese Bewegungen meist ruckartig in Form von Erdbeben statt. Dabei brechen diese Risse, Störungen genannt, über eine Länge von wenigen Zentimetern bis hin zu hunderten Kilometern auf und die einzelnen Blöcke verschieben sich innerhalb von Sekunden um mehrere Millimeter bis Meter. Je größer der Bruch, umso stärker das Erdbeben. Die meisten und stärksten Erdbeben finden dort statt, wo die Spannung im Gestein durch die Bewegungsunterschiede am größten ist: An Plattengrenzen.
Innerhalb von Platten sind die Bewegungen in der Regel relativ einheitlich, sodass es nur geringfügig zu Verkantungen kommt. Durch räumlich unterschiedliche Eigenschaften von Kruste und Mantel und weitreichende Auswirkungen von Kollisionszonen an Plattengrenzen treten aber auch innerhalb der Kruste Spannungsunterschiede auf, sodass auch hier, wenn auch deutlich seltener, Erdbeben möglich sind.

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Störungen, an denen sich solche Spannungen entladen können, finden sich fast überall auf der Welt.
Sie können in allen Größenordnungen auftreten und sind je nach Bewegungssinn der Blöcke in drei verschiedene Typen aufgeteilt: Überschiebung (bei Kollision zweier Blöcke, wobei ein Block über den anderen geschoben wird), Abschiebung (bei Dehnung, bzw Auseinanderbewegung von Blöcken; dabei sinkt ein Block ab) und Blattverschiebung / Strike-Slip (bei horizontaler Verschiebung aneinander vorbei). Die größten Störungen entlang der Plattengrenzen sind meistens bekannt, vor allem die Subduktionszonen, an denen sich eine ozeanische Platte unter eine Kontinentalplatte schiebt. Dort treten auch die größten Erdbeben auf. Die ozeanische Platte kann dabei bis in den Mantel eintauchen. Innerhalb dieses abtauchenden Slabs können durch chemische Prozesse ebenfalls Erdbeben ausgelöst werden. Ansonsten ist der Erdmantel (und auch der unterste Teil der Kruste) aufgrund der hohen Temperatur und damit einhergehenden Verformungseigenschaften des Gesteins größtenteils erdbebenfrei.

Innerhalb von Platten können die tektonischen Prozesse verschiedene groß- oder kleinräumige Strukturen schaffen. Gräben zum Beispiel entstehen dort, wo die Erdkruste auseinandergezogen wird, bzw. sich dehnt. Dabei sinkt der Bereich in der Mitte der Dehnungszone ein. Der entstehende Graben wird an den Rändern durch Abschiebungen begrenzt. In größeren Dehnungszonen können mehrere kleinere Gräben parallel auftreten.