Erdbebentypen

Ein Überblick über die verschiedenen Erdbebentypen. Zum Ein- und Ausblenden weiterer Informationen bitte auf den jeweiligen Typ klicken. (Die Zeichen in Klammern sind das für den jeweiligen Typ verwendete Kürzel in unserer Liste der Erdbeben in Deutschland)

Tektonische Erdbeben (TEK)

Der häufigste Erdbebentyp, der durch die tektonische Aktivität, also die Bewegung der Erdplatten, entsteht. Sie treten weltweit auf, meist in Herdtiefen von 10 bis 15 Kilometern, und sind mit Abstand der häufigste Erdbebentyp.

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Beispiele:

Haiti-Erdbeben 2018
Ridgecrest-Erdbeben (Kalifornien) 2019
Albstadt-Erdbeben 2019

Vulkanische / magmatische Erdbeben (MAG)

Erschütterungen, die in vulkanisch aktiven Gebieten infolge von Magmenbewegungen entstehen. Magmatische Erdbeben können dabei auftreten, auch ohne, dass es an der Oberfläche zu vulkanischer Aktivität kommt. Sie kommen in der Regel als Erdbebenschwarm vor. Die Herdtiefe ist dabei im Bereich des Magmenkörpers. Vulkanische Beben sind überwiegend schwach und werden selten stärker als Magnitude 6.
Beispiel vulkanisch: Mt. Saint Helens, USA (18.05.1980, Magnitude 5.7); Beispiel magmatisch: Lunayyir Harrat, Saudi-Arabien (19.05.2009, Magnitude 5.7)
Erdbeben in vulkanisch aktiven Gebieten, die nicht direkt auf (erhöhte) vulkanische Aktivität zurückgehen, werden als „vulkanotektonisch“ bezeichnet. Sie können auch auftreten, ohne dass der zugehörige Vulkan kurz vor dem Ausbruch steht. Eine weitere Art sind bradyseismische Ereignisse, die durch Bodendeformationen infolge magmatischer oder hydrothermaler Aktivität entstehen, aber nicht direkt auf Magmabewegungen zurückzuführen sind. Diese können auch, je nach Größe des Deformationsbetrages, viele Kilometer vom Vulkan entfernt auftreten.

Beispiele Vulkanotektonisch, Magmatisch

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Hydrothermale Erdbeben (HYT)

Vor allem in Vulkangebieten, die eine hohe geothermale Aktivität zeigen, kann durch Bewegungen von heißem Wasser im Untergrund eine leichte Seismizität ausgelöst werden. In der Regel sind die Erdbeben nicht sehr stark. Die können schwarmartig auftreten und sind meist sehr nahe an der Oberfläche.
Auch aufsteigende Gase können Erdbebenschwärme verursachen. Dies wird zum Beispiel im Vogtland angenommen.
Beispiel hydrothermal: Katla, Island (30.09.2016, Magnitude 3.6)

Induzierte Erdbeben (IND)

Durch menschliche Aktivitäten / Eingriffe in die Geologie verursachte Erdbeben. Dabei kommt es zu einer Änderung der Spannung im Gestein, was die Bewegung von Störungen begünstigt, oder zum Teil zum Anlegen neuer Störungen führt. Charakteristisch ist die geringe Herdtiefe (meist unter 5 km). Induzierte Erdbeben werden unterteilt in:

  • Bergbau: In Gebieten, wo Untertage Rohstoffe (Kohle, Erze, etc.) abgebaut werden. Teils treten diese Beben auch im Umfeld von Tagebauten auf. Sehr selten sind sie eine Folge von einstürzenden Strecken. Das nach Betriebsende in Schächte eindringende Grundwasser erhöht ebenfalls die Erdbebengefahr. Sie gehören mit zu den flachsten Erdbeben (ca 1 km Tiefe) und werden entsprechend stark verspürt. Üblich sind Beben bis Magnitude 3, die stärksten erreichen Magnitude 6.

    Beispiel: Bottrop (28. Mai 2016, Magnitude 3.3)

  • Erdgas / Erdöl: Durch Ausbeuten von Lagerstätten kommt es zur Druckentlastung, was zu Erdbeben führen kann. Auch Grundwasserförderung kann Erdbeben auslösen. Die Herdtiefe ist dabei Abhängig von der Fördertiefe. Beben werden dabei selten stärker als Magnitude 4.

    Beispiel: Verden (20. November 2019)

  • Verpressen: Durch massenhaftes Einlagern von Wasser oder Gasen in Gesteinsschichten erhöht sich der Porenfluiddruck im Gestein, wobei Erdbeben begünstigt werden.

    Beispiel: Oklahoma, USA (3. September 2016, Magnitude 5.7)

  • Fracking: In seltenen Fällen führt das Einpressen von Fluiden beim Frac-Vorgang zu leichten Erdbeben. Die allermeisten davon sind nicht spürbar. Ausnahmen bildeten bisher einzelne Beben in England, Ohio und Kanada.

    Beispiel: Blackpool (26. August 2019, Magnitude 3)

  • Stausee: Der hohe Grundwasserspiegel an künstlichen Seen erhöht den Porenfluiddruck im Gestein. Gleichzeitig sorgen die Wassermassen zu einer höheren Vertikalspannung. Die stärksten Beben treten in den Jahren nach der Errichtung der Staumauer auf. Die Magnitude ist abhängig von der lokalen Geologie.
    Beispiel: Assuan-Stausee, Ägypten (14. November 1981, Magnitude 5.1)
  • Geothermie: Das in Geothermie-Anlagen verwendete Wasser beeinflusst den Wasserdruck in den Gesteinsporen. Die Magnitude solcher Erdbeben ist überwiegend gering. Geothermie-Anlagen können allerdings auch (wie alle zuvor genannten Einflüsse ebenfalls) das Eintreten natürlicher starker Erdbeben beschleunigen.

    Beispiel: Hubei, China (16. Juni 2017, Magnitude 4.3)

  • Explosion: Durch Explosionen in Steinbrüchen oder unterirdische Waffentests können erdbebenähnliche Erschütterungen verursacht werden. Je stärker die Explosion, umso stärker das Erdbeben.

    Beispiel: Nuklearwaffentest Nordkorea (06. Januar 2016, Magnitude 5.1)

Einsturzerdbeben (COL)

Natürlich vorkommende Hohlräume nahe der Erdoberfläche, zum Beispiel bei Salzstöcken oder in Karstgebieten, können einstürzen und dabei leichte Erschütterungen verursachen, die trotz geringer Magnitude deutlich verspürt werden können. Um richtige Erdbeben handelt es sich dabei nicht, aber die wahrnehmbaren Auswirkungen sind sehr ähnlich.

Beispiel: Hamburg-Flottbek (08. April 2009, Magnitude 0.4)

Frostbeben (FRO)

Durch plötzliches Gefrieren von Grundwasser verursachte Erschütterungen. Die Magnitude ist meist so klein, dass sie nicht ermittelt werden kann. Der Herd liegt in wenigen Metern Tiefe. Auch Frostbeben sind keine richtigen Erdbeben. Sie treten vor allem als akustische Wahrnehmung auf.

Beispiel: Alberta, Kanada (2. Januar 2018, M2.0)

Niederschlag (HYD)

In einzelnen Gebieten führen starker Niederschlag und Schneeschmelze zu Schwarmbeben von geringer Magnitude. Dies können auch jahreszeitlich bedingte Niederschläge wie zum Beispiel der Monsun in Indien sein.

Beispiel: Bad Reichenhall (9. Juni 2019, M2.5)
Beispiel: Erdbebenschwarm in Palghar 2019 

3 Kommentare

  1. Hallo,

    ich verfolge mit Leidenschaft was so in der Welt passiert 🙂 Bei den Erdbeben hab ich aber ein Defizit. die Erdbebenstärken werden zumeist z.B. Mw x,x , Mk x,x oder Mb x,x angegeben. „M“ gehe ich mal von „Magnitude“ aus aber was bedeuten die kleinen Buchstaben nach dem M? Gibt es da eine Tabelle der Bedeutungen?

    Lieber Gruß
    Jochen

    1. Nein, selbst eine Nuklearexplosion (die es im Falle eines GAUs nicht gibt) würde nicht stark genug sein, um die Plattentektonik zu beeinflussen. Explosionen von Nuklearwaffen können als Erdbeben registriert werden. Je nach Sprengkraft variiert die Magnitude zwischen 5 (Nordkorea) und 7 (russische Wasserstoffbombe).

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