Entstehung der Erdbeben im Neuwieder Becken

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Zur Frage eines Lesers, welchen Ursprung die häufigen Erdbeben im Neuwieder Becken westlich von Koblenz haben und warum diese häufig schwarmartig in einem bestimmten Bereich südöstlich vom Laacher See auftreten.

Schematische Darstellung der wichtigsten Verwerfungen + Erdbeben (seit 2004)
Wie bekannt ist, zieht sich Quer durch Mitteleuropa ein Grabensystem. Verursacht durch die stetigen Bewegungen der Afrikanischen Litosphärenplatte nach Norden, kommt es entlang dieses Grabens zur Absenkung und zum beginnenden Außeinanderdriften der Plattensegmente Eurasiens. In Deutschland ist dies besonders gut an Oberrhein- und Niederrheingraben zu sehen, wo häufige Erdbeben, sowie ein signifikantes Relief auf die langsamen Bewegungen hindeuten.
Das Mittelrheingebiet zeigt nicht diese topographischen Auffälligkeiten. Grund dafür ist das deutlich ältere Rheinische Schiefergebirge (Hunsrück, Taunus, Eifel, Westerwald, Sauerland). Dennoch gibt es auch im Bereich des Mittelrheins Gebiete mit relativen Senkungen („Becken“). Das bekannteste ist das Neuwieder Becken zwischen Koblenz und Andernach. 
Von Nordwest nach Südost wird das Neuwieder Becken vom Rheintrog (in der Karte als rote Linie dargestellt) geschnitten, der das Bindeglied zwischen Oberrhein- und Niederrheingraben bildet und entsprechend eine seismisch aktive Vergangenheit aufweist. Im Nordwesten und Südosten schneidet dieser die Siegener Überschiebung und den Moseltrog (große braune Linien), wo es noch heute zu Hebungen im Rheinischen Schiefergebirge kommt. Vor allem im nördlichen Teil der Eifel, wo es am Rand des Niederrheingrabens zu Hebungen bis zu 1,5 mm im Jahr kommt. Diese Überschiebungen und deren Randverwerfungen (kleine braune Linien) verursachen auch noch in heutiger Zeit gelegentliche Erdbeben.
Quer durch das Neuwieder Becken zieht sich die Laacher See Verwerfung (blau), die sich von der Nordeifel durch den namensgebenen Vulkankessel, wo zudem die Siegener Überschiebung geschnitten wird, bis ins Lahngebiet. Diese zeigt zwar keine seismische Aktivität, jedoch belegen Mofettenaktivitäten und horizontale Verschiebungen entlang dieser Linie ihre Existenz.
Die in heutiger Zeit wichtigste Bruchlinie ist die Ochtendunger Verwerfung (schwarz) im Westen des Neuwieder Becken, an der es zu vertikalen Bewegungen kommt. Die Verwerfung zieht sich über knapp 20 Kilometer vom Ostrand des Laacher Sees bis nach Kobern Gondorf ins Moseltal. Die vertikalen Schollenbewegungen äußern sich durch die vor allem in den letzten Jahrzehnten häufig auftretenden Erdbeben. Zudem befindet sich entlang dieser Bruchlinie eine Kette von Vulkankegeln, (mittlerweile teilweise Steinbrüchen zum Opfer gefallen) die während der letzten Aktivitätsphase des Eifel Vulkans entstanden.
In den vergangenen Jahren hat es entlang der Ochtendung Verwerfung häufig Erdbeben über Magnitude 3 gegeben. (zuletzt im November 2013) Beben seit Oktober 2004 (über M 2) sind in der Karte als Rote Kreise dargestellt (Quelle: EMSC). Das größte Beben in diesem Zeitraum mit Magnitude 3.9 ereignete sich 2007.
Im Jahr 2014 wurde bisher nur geringe Aktivität verzeichnet. 13 Erdbeben zwischen Magnitude 0.0 und 1.3 wurden von der Erdbebenstation Bensberg bis zum 13. Januar registriert. 9 davon traten innerhalb kleiner Schwärme um M 0.5 am 10. und 13. Januar bei Kobern Gondorf auf. Keines der Erdbeben war spürbar.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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