China: Verheerendes Erdbeben im Norden von Yunnan – Tausende Gebäude zerstört – Mindestens 617 Todesopfer, 3143 Verletzte, noch 112 Menschen vermisst

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Das aktuellste Update befindet sich am Ende des Textes.

Ein starkes, sehr gefährliches Erdbeben traf um 10.30 Uhr MESZ (16.30 Uhr Ortszeit) den Norden der chinesischen Region Yunnan. Angaben des Chinesischen Erdbebendienstes nennen das Beben mit Magnitude 6.5, die Tiefe lag bei 12 Kilometern. USGS nennt Magnitude 6.3, Geofon Magnitude 6.0 Das Epizentrum lag in der Nähe der Millionenstadt Zhaotong (40 km Entfernung), nahe der Grenzen zu den Nachbarprovinzen Sichuan und Guizhou.

Yunnan gehört zu den Gebieten der Erde, die am Anfälligsten für Erdbeben sind. Beben über Magnitude 5 führen fast immer zu schweren Schäden mit Opfern. Grund dafür: Die schlechte Bauweise und die dichte Besiedlung. Im aktuellen Fall leben fast 600.000 Menschen im Umkreis von 30 Kilometern um das Epizentrum. Zudem kommt es häufig zu Erdrutschen, die eine zusätzliche Gefahr darstellen.

Bei einem Erdbeben dieser Stärke ist mit Schäden im Umkreis von bis zu 50 Kilometern zu rechnen, abhängig von verschiedenen Faktoren. Dies würde auch die Nachbarprovinzen Sichuan und Guizhou mit einschließen.

Die Erschütterungen des Bebens waren bis ins 400 Kilometer entfernte Chengdu (Hauptstadt von Sichuan), sowie in Kunming (Hauptstadt von Yunnan) und in der Provinz Chongqing spürbar.

Update 11.20 Uhr
In einigen Regionen von Ludian (die Region am Epizentrum) sind Telekommunikationssysteme ausgefallen. Auch Zhaotong ist davon betroffen. Rettungskräfte sind in die Epizentralregion unterwegs.

Update 11.30 Uhr
Erste Bilder aus der Stadt Zhaotong zeigen einige, teils schwer beschädigte Gebäude.
Bild1 Bild2 Bild3 Bild4 (Bilder / Links öffnen in einem neuen Tab)

Update 11.50 Uhr
Wie erwartet sind die kleinen Städte und Dörfer um Umland von Zhaotong deutlich stärker betroffen. Erste Meldungen und Bilder zeigen, dass viele Häuser eingestürzt sind. Auch Erdrutsche werden von den Rettungskräften gemeldet. Noch keine Informationen über menschliche Opfer.

Update 12.13 Uhr
Aus einigen betroffenen Dörfern gibt es Meldungen von Verletzten. Rettungskräfte konnten wegen der Erdrutsche bislang noch nicht dorthin gelangen.

Update 12.16 Uhr
Ein erster Todesfall aus dem Landkreis Ludian wurde gemeldet. Dabei handelt es sich um ein Kind.

Update 12.43 Uhr
Weitere Bilder der Erdbebenschäden, zu erreichen über diesen Link. (Warnung: Die Seite zeigt auch ein Bild des verstorbenen Kindes!)
Zur Zeit gibt es keine weiteren Informationen aus dem Katastrophengebiet. Die Rettungskräfte haben Schwierigkeiten alle Betroffenen zu erreichen, zu versorgen und Statistiken zu erheben. Es wurden tausendfach Hilfsgüter wie Zelte, Decken und Medikamente von der Regierung bereitgestellt. Die Armee ist im Einsatz.

Update 12.49 Uhr
Eine Quelle meldet, dass eine Schule eingestürzt ist. Dabei seien drei Personen getötet worden, 20 weitere sollen noch verschüttet sein. (Hinweis: Diese Meldung ist nicht offiziell!)

Update 13.03 Uhr
Der Einsturz von zwei Grundschulen ist nun bestätigt. Drei Tote wurden bereits geborgen, es wird damit gerechnet, dass die anderen Verschütteten ebenfalls nicht überlebt haben. (Es ist zur Zeit unklar, ob der bereits genannte tote Junge ebenfalls an diesem Ort ums Leben kam)

Unterdessen haben die Rettungskräfte die meisten Regionen erreicht. Es gibt eine Vielzahl von Verletzten, die in Krankenhäusern, oder teilweise in improvisierten Krankenlagern behandelt werden.

Update 13.16 Uhr
Für die kommenden Tage sind schwere Regenfälle für Yunnan vorhergesagt. In Kombination mit den sicherlich noch folgenden Nachbeben besteht ein erhöhtes Risiko für Erdrutsche und weitere Opfer.
Bisher ist die Anzahl der Nachbeben noch begrenzt. Fünf zwischen M 2.8 und 4.2 wurden bisher registriert. Anhand vergangener Erdbeben in Yunnan kann man davon ausgehen, dass in den kommenden Wochen weitere Beben über Magnitude 4, wahrscheinlich auch über Magnitude 5 folgen.

Update 13.26 Uhr
Der Landkreis Qiaojia befindet sich direkt südlich an Ludian angrenzend. Von dort werden 26 Todesopfer durch den Einsturz der Schule gemeldet. 79 weitere wurden verletzt. 2 Personen werden noch vermisst.

11 Menschen wurden beim Einsturz eines Wohnhauskomplexes im selben Landkreis verletzt.

Update 13.45 Uhr
Selbst kleine Erdrutsche sind noch immer ein großes Problem, wenn sie Rettungsarbeiten be- oder verhindern. Einige wenige Orte sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten, auch weil die Telekommunikationssysteme zusammengebrochen sind.
Entsprechen wird es noch Stunden dauern, bis allen Betroffenen geholfen werden kann

Update 13.57 Uhr
Mehr als 100 Verletzte sind nun bestätigt. Die Zahl der Toten bleibt bei 26, alle beim Einsturz der Schule.

Update 14.00 Uhr
Vier weitere Todesfälle werden aus der Stadt Huize gemeldet.

Update 14.04 Uhr
Nochmal aktualisiert: 34 Tote sind in den beiden genannten Landkreisen bestätigt. Die Zahl der Verletzten ist weiterhin unklar, sie dürfte sich aber Schätzungen zufolge im oberen dreistelligen Bereich bewegen – Mit Luft nach oben.

Update 14.27 Uhr
Die lokale Regierung hat mitgeteilt, dass Mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen sind. 180 werden noch vermisst. 1300 Verletzte habe es gegeben. Mehr als 12.000 Wohneinheiten wurden komplett zerstört, 30.000 beschädigt.

Update 14.42 Uhr
Die Offiziellen Daten wurden leicht korrigiert. Nun ist die Rede von 150 Toten. (Zahl der Vermissten und Verletzen unverändert)

Update 15.07 Uhr
Auf einer Nebenstraße wurden von einem Erdrutsch mindestens 20 Fahrzeuge begraben. Zwei Todesopfer konnten bisher geborgen werden. Es ist unklar, wie viele sich noch unter den Erdmassen befinden.

Update 15.15 Uhr
In den Nachbarregionen Sichuan und Guizhou wurden ebenfalls Notfallmaßnahmen gestartet. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es von dort aber noch keine Meldungen von Verletzten oder Schäden.

Update 15.37 Uhr
Aktuellste Zahlen:
Landkreis Ludian: 122 Tote, 180 Vermisste, 1300 Verletzte
Landkreis Qiaioja: 49 Tote, 1 Vermisste, 102 Verletzte
Landkreis Huize: 4 Tote

Update 15.50 Uhr
Da das Ausmaß der Katastrophe immer schlimmer wird, werden zusätzliche Hilfskräfte eingesetzt. 4000 Menschen sind zur Zeit im / ins Katastrophengebiet unterwegs, weitere werden folgen. Wie viele Menschen vom Erdbeben betroffen sind, ist nicht klar. Aber sie alle müssen versorgt werden.

Update 17.15 Uhr
6 Tote und 26 Verletzte werden aus der Region Huize gemeldet. 6 weitere werden dort vermisst.
Etwa 800 Dorfbewohner sind von einem neu entstandenen See bedroht, der durch einen Erdrutsch in einen Fluss entstanden ist.

Update 18.00 Uhr
221 Todesopfer werden nun genannt. Weitere Details folgen.

Update 18.07 Uhr
Neun weitere Erdbebentote in der Region Huize, somit nun insgesamt 230 Tote. Neue Meldungen bezüglich der Vermissten- und Verletztenzahl gibt es nicht.

Update 21.05 Uhr
Aktuelle Stand
Landkreis Ludian: 296 Tote, 1591 Verletzte
Landkreis Qiaojia: 60 Tote, 193 Verletzte
Landkreis Huize: 10 Tote,123 Verletzte
Zhaotong: 1 Toter

Hinzu kommen wahrscheinlich noch einige Vermisste, deren Anzahl noch nicht bekannt gegeben wurde. (Die Verletzten aus Huize stammen aus früheren Updates. Neue Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht.)

Update 4. August, 06.50 Uhr
Je nach Quelle werden 381 bis 391 Todesopfer genannt. Die 381 Opfer sind wie folgt verteilt:
Landkreis Ludian: 302 Tote, 1628 Verletzte
Landkreis Qiaojia: 66 Tote, 228 Verletzte
Landkreis Huize: 12 Tote, 370 Verletzte
Zhaotong: 1 Toter

391 Tote sind die aktuellste Meldung.

Es gelten nur noch zwei Personen als vermisst. Somit ist ein weiterer größerer Anstieg der Opferzahl nicht zu erwarten.

Am Tag nach dem Beben werden immer mehr die Schäden bekannt. Nach aktuellem Stand sind 12175 Häuser eingestürzt und 21930 wurden schwer beschädigt. Insgesamt sind etwa 100000 Gebäude und 1 Million Menschen betroffen.

60 weitere Häuser wurden überschwemmt. Der bei einem Erdrutsch entstandene See steigt in seinem Pegel weiter an und hat ein nahe gelegenes Dorf erreicht, das vorher evakuiert wurde.

Update 08.54 Uhr
Erneut leichter Anstieg der Opferzahl:
Landkreis Ludian: 319 Tote, 1628 Verletzte
Landkreis Qiaojia: 66 Tote, 228 Verletzte
Landkreis Huize: 12 Tote, 370 Verletzte
Zhaotong: 1 Toter
Noch 3 Vermisste

Deutlich signifikanter ist der Anstieg bei der Schadenssumme:
25.500 Häuser eingestürzt
39.200 Häuser schwer beschädigt
151.200 Häuser beschädigt
229.700 Menschen wurden evakuiert
1.088.400 Menschen sind betroffen

Update 13.58 Uhr
Auch aus der Nachbarprovinz Guizhou gibt es erste Schadensstatistiken. Dort wurden etwa 700 Häuser schwer, und 2800 Häuser leicht beschädigt.

Update 5. August 08.36 Uhr
Die Anzahl der Erdbebenopfer ist auf 407 gestiegen:
Landkreis Ludian: 328 Tote, 1713 Verletzte
Landkreis Qiaojia: 66 Tote, 243 Verletzte
Landkreis Huize: 12 Tote, 370 Verletzte
Zhaotong: 1 Toter

Mehrere Länder und Großunternehmen haben Spendengelder in Millionenhöhe für die Erdbebenopfer zugesagt. Auch aus der eigenen Bevölkerung kommt Unterstützung, u.a. in Form von Blutspenden für die Verwundeten.
Da auch viele Krankenhäuser beim Beben zerstört wurden, werden viele Schwerverletzte in Krankenhäuser in Kunming, Chengdu, Chonging und anderen Orten gebracht.

Besondere Probleme bereitet der durch einen Erdrutsch entstandene Damm, der einen Fluss aufstaut. Dieser sei 110 Meter hoch. Der ansteigende Wasserpegel hat bereits mehrere Häuser zerstört. Die chinesische Armee plant eine gezielte Sprengung, durch die das Wasser gezielt ablaufen kann. Ein plötzliches Brechen des Damms würde tausende Menschen stromabwärts gefährden. Die am meisten bedrohten Orte wurden bereits evakuiert.

Die Nachbarprovinzen Sichuan und Guizhou melden ebenfalls Schäden größeren Ausmaßes durch das Erdbeben. Verletzte gab es da aber nicht:

Sichuan:
23 Häuser wurden zerstört, 2579 beschädigt. Betroffen ist vor allem  der Landkreis Ningnan

Guizhou:
12 Häuser wurden zerstört, 2154 beschädigt, davon 492 schwer. Betroffen ist der Landkreis Weining

In Yunnan gibt es keine Veränderungen zum Vortag:
25.500 Häuser eingestürzt
39.200 Häuser schwer beschädigt
151.200 Häuser beschädigt
229.700 Menschen wurden evakuiert
1.088.400 Menschen sind betroffen

Update 10.38 Uhr:
Erneute Korrektur nach oben auf 410 Tote und 2372 Verletzte. 12 Personen werden vermisst.

Update 6. August 06.02 Uhr

Am Morgen haben die chinesischen Behörden erneut drastisch angestiegene Opferzahlen bekanntgegeben.

504 Menschen wurden im Landkreis Ludian getötet. 72 Menschen starben in Qiaojia. Es bleibt bei 12, bzw. einem Toten in den Regionen Huize und Zhaotong. Die Gesamtzahl der Opfer steigt damit auf 589, während 8 Menschen noch immer als vermisst gelten. 2833 Menschen wurden verletzt.

Neben den traurigen Meldungen gibt es auch immer wieder kleine Wunder. Menschen, die auch Tage nach der Katastrophe lebend und ohne schwere Verletzungen aus den Trümmern von Yunnan geborgen werden. So zum Beispiel eine 88 jährige Frau, die gestern gefunden wurde. Oder ein Neugeborenes, das am Tag nach dem Beben zur Welt kam.

Dennoch bleibt die Gefahr weiter bestehen. Nachbeben und Erdrutsche stellen ein ernstes Risiko für die tausenden Hilfskräfte und die Einwohner der betroffenen Region dar. Zudem steigt das Wasser im aufgestauten Fluss weiter an, und somit das Risiko für die Menschen stromabwärts, wenn der Damm bricht oder gesprengt wird.

Update 7. August, 15.05 Uhr
Mit fortschreitenden Rettungsarbeiten werden immer neue Details bekannt. Vor allem von kleinen Siedlungen in den Bergen, die bis dahin nicht von Rettungskräften erreicht werden konnten. Meist ist das, was von dort bekannt wird, die pure Zerstörung. Dörfer wurden von Erdrutschen mitgerissen und dutzende Menschen (alle Dorfbewohner) verschüttet. In anderen wurden alle Häuser vom Erdbeben zerstört.
So kommt es, dass die Opferzahl auf mindestens 615 gestiegen ist. 114 Personen gelten nach neusten Erkenntnissen als vermisst:

Landkreis Ludian: 526 Tote
Landkreis Qiaojia: 76 Tote
Landkreis Huize: 12 Tote
Zhaotong: 1 Toter

3143 Menschen wurden verletzt.
Rettungskräfte beklagen zudem, so paradox es klingt, die vielen freiwilligen Helfer, die ins Erdbebengebiet gereist sind. Meist kommen diese ohne Verpflegung, Ausrüstung und Erfahrung, so dass sie die professionellen Hilfskräften nicht unterstützen können. Im Gegenteil: Da auch diese Menschen, die aus allen chinesischen Provinzen angereist sind, quasi „obdachlos“ sind, benötigen sie Unterkünfte, Nahrungsmittel und Kleidung, die für die eigentlichen Opfer des Erdbebens gedacht waren.
Die Regierung hat die freiwilligen Helfer deshalb aufgefordert, das Katastrophengebiet zu verlassen, bzw. erst garnicht anzureisen.

Update 8. August:
Zwei Vermisste wurden tot aufgefunden, somit steigt die Opferzahl auf 617.

wird fortgesetzt…

Yunnan

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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