Tausende Brieftauben verschwunden: Erdbeben als Ursache vermutet

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China – Es ist ein seltenes und zugleich tragisches Ereignis, das  Brieftaubenzüchtern nahe der chinesischen Stadt Linfen in der Provinz Shanxi am Samstag widerfahren ist: Über 3700 ins Rennen geschickte Brieftauben sind innerhalb von 24 Stunden nach Rennbeginn (23. Oktober, 8 Uhr Ortszeit) nicht nach Hause gekehrt. Ein nahezu einmaliges Phänomen im chinesischen Brieftaubensport. Während Züchter um ihre Vögel bangen, führt die Meldung des seltenen Ereignisses zu Spekulationen über die Ursache. Ein zeitgleicher Erdbebenschwarm lässt den Verdacht aufkommen, dass Linfen nun ein großes Erdbeben drohen könnte.

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Viele der teilnehmenden Züchter gelten als erfolgreich. Einige der verschwundenen Tauben gewannen bereits Rennen, die in Belgien und den Niederlanden begonnen haben. Umso überraschender, dass der nur 200 km lange Heimweg aus Taigu nicht gefunden wurde.

Einzelfälle, wo massenweise Tauben nicht binnen 24 Stunden von einer kurzen Strecke zurückkehrten, sind bekannt. Jedoch waren es bisher nie mehr als 1400 Vögel.

Brieftauben orientieren sich anhand des Erdmagnetfeldes und finden so auch aus tausenden Kilometern Entfernung wieder zu ihrem Heimatschlag zurück. Eine Fähigkeit, die auch im Ruhrgebiet genutzt wird und den dort populären Taubensport ausmacht. Mit erfolgreichen Tauben kann ein Züchter bei Preisflügen Geld verdienen. Daher stellt das Verschwinden eines schnellen Vogels auch ein finanziellen Verlust dar.

Der Erdbebenschwarm, der in Shanxi verzeichnet wurde, brachte bisher keine spürbaren Erdbeben hervor. Das stärkste mit Magnitude 1.6 wurde am 23. um 7.06 Uhr Ortszeit verzeichnet. Es ist bekannt, dass Erdbeben im Vorfeld zu Änderungen des Magnetfelds führen können, wodurch das Verhalten von Tieren beeinflusst werden kann. Jedoch ist nicht klar, inwiefern das Verschwinden der Tauben auf ein bevorstehendes schweres Erdbeben hindeuten kann.

Shanxi ist eine Provinz in Zentralchina. In dieser kommt es zwar nicht regelmäßig zu Erdbeben, doch enden diese, wenn sie auftreten, meist katastrophal. Die beiden stärksten Erdbeben in Shanxi traten in den Jahren 1303 und 1695 auf und erreichten etwa Magnitude 8.

Update 25.10., 19.19 Uhr
Von den 3774 gestarteten Tauben sind 48 Stunden nach Rennbeginn nur etwa 50 heimgekehrt. Die meisten Züchter gehen inzwischen davon aus, dass die kleinen Erdbeben nahe des Auflassortes für die Orientierungslosigkeit der Tauben verantwortlich sind. Es werden wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe erwartet, sollte der Großteil der Tauben weiterhin verschwunden bleiben. Menschen wurden vom Zuchtverband öffentlich aufgefordert, auf beringte Tauben zu achten und sich bei den Züchtern zu melden, falls eine Taube auftaucht.

shanxi

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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