Angebliche Erdbebenwarnung verunsichert Internetnutzer

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Kommentar:

Facepalm – Es gibt Momente, in denen man am Denkvermögen mancher Menschen zweifelt. Und die Skrupellosigkeit anderer irgendwie zu fassen versucht. Seit heute (18. Februar) macht im Netz eine Meldung die Runde, die verunsichert, polarisiert und manche (wozu ich mich selbst zählen würde) dazu bringt, vor Entsetzen (über die Mitmenschen) den Kopf gegen eine Wand zu hauen.

BREAKING NEWS: Weltweite Erdbebenwarnung wurde vom Weißen Haus bestätigt
Die von der Keshe Foundation schon vor Monaten herausgegebenen Warnung wurde nun vom Weisen Haus bestätigt.
Es besteht in den nächsten Wochen Akute LEBENSGEFAHR in folgenden Regionen:

So beginnt sie und so endet der Glaube an das Gute im Menschen. (Wer die Meldung lesen will, darf googeln)
Natürlich kann man vorweg nehmen, dass diese Meldung eine reine Verschwörungstheorie ist, ohne jeglichen Wahrheitsbezug.

Ursprung dieser „Warnung“ sei laut Text die Keshe Foundation, eine dubiose Organisation, die angeblich mit alternativen Energiequellen die Welt verändern will, allerdings auch mit Betrug und Pseudowissenschaft auffällt. Demnach würde einigen Regionen der Erde in naher Zukunft ein schweres Erdbeben drohen. (WOW, was ganz neues…)

Kombiniert wurde diese sowieso schon wenig glaubwürdige Vorhersage mit einem offiziellen Dokument. Dieses, vom Weißen Haus veröffentlicht, trägt den Titel: „Executive Order: Establishing a Federal Earthquake Risk Management Standard„. Aus diesem recht unscheinbaren Text geht hervor, dass die USA die Erdbebenbauvorschriften anpassen.Überraschend kommt dies wahrscheinlich nicht, da das USGS im vergangenen Jahr die Erdbebenrisikozonen der USA angepasst hat.
Von einer Warnung ist nicht die Rede.

Jedenfalls kombinieren Blogger und Youtuber diese beiden Punkte und machen daraus eine Warnung.
Warum?
Vielleicht weil es tausende Seitenaufrufe bringt und die werbebasierten Seiten dadurch ordentlich Einnahmen generieren könnten? Vielleicht. Vielleicht möchte man auch einfach nur seine Leser auf den Arm nehmen. Oder man ist mit dem Versuch von Satire kläglich gescheitert.

Wie auch immer: Weder das Weiße Haus, noch irgend eine andere offizielle Stelle auf dieser Welt warnt vor bevorstehenden Megaerdbeben und Megatsunamis. Es besteht keine akute Lebensgefahr, wenn man sich in Norddeutschland, Tibet, London oder Teheran aufhält. (Zumindest nicht mehr als sonst auch) 

Daher möchten wir euch bitten, diesen und andere Artikel, die derartige Warnungen verbreiten, nicht zu teilen und die Seriosität solcher Seiten zu überdenken! Man sollte nicht alles glauben, was im Internet steht. Und vor allem nicht, wenn man es mit solchen Texten und Videos zu tun hat.

Übrigens: Sollte jemand das Gefühl haben, der Verfasser dieses Textes hier könne ein wenig genervt gewesen sein: Ja, mein Kopf brummt noch immer.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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