„Armageddon“ für Erdbebenwarnungen: Kalifornien

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Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns hier mit einer Erdbebenwarnung für Kalifornien auseinandersetzen. Nicht erst seit „2012“ und „San Andreas“ gilt Kalifornien als das Paradebeispiel für eine drohende Erdbebenkatastrophe. Die meisten wissen das und vor allem englischsprachige Webseiten nutzen das große Publikum, das der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA bietet, um ihre News an den Mann zu bringen.

„Armageddon“ ist es, was die russische Webseite Pravda.ru Kalifornien verspricht. Basierend auf einer neuen Studie von Forschern des USGS und mexikanischer Behörden soll es nicht nur San Andreas sein, sondern eine ganze Reihe von Störungen, die dieses Desaster hervorrufen. Grund sei der Domino-Effekt. Schwere Erdbeben würden nicht nur eine Störung betreffen, sondern mehrere gleichzeitig, was auch an entfernteren Störungen schwere Erdbeben auslösen könne.
Zudem wird eine Studie aus dem Jahr 2008 erwähnt, nachdem das Risiko eines schweren Erdbebens in Kalifornien höher (7% in den folgenden 30 Jahren) eingestuft werde als zuvor (4.7%).

Zusammengefasst: Ein Text, der vor das unwahrscheinliche Risiko darstellt, dass ein schweres Erdbeben in Kalifornien weitere auslöst. Nicht unseriös, da keine direkte Warnung ausgesprochen würde, doch die journalistische Rhetorik (Armageddon) hätte man sich sparen können.

Leider ist den Deutschen Internetnutzern ein solcher Text nicht vergönnt. In unserer Sprache ist es die ebenfalls russische Seite „Sputnik“, die dieses Thema aufgreift und einiges durcheinander wirft. „Armageddon“ wurde übernommen.
Es wird erwähnt, dass das Erdbebenrisiko in den letzten TAGEN UM 7% gestiegen sei. Man warne vor verheerenden Erdbeben, die weite Teile von Kalifornien heimsuchen und große Verwüstungen hinterlassen werden. Riesige Verschiebungen seien die Folge.

Wie kommt man aus dem Originaltext darauf, dass das Risiko in den letzten Tagen gestiegen sei? Eine Behauptung, die eindeutig suggeriert, dass ein solches Szenario in sehr naher Zukunft eintreten wird.
Auch die riesigen Verschiebungen werden im Original nicht erwähnt.

Der im Original zitiere Forscher der Caltech, Morgan Page, gab kurz vor der Veröffentlichung der Nachrichtenseite „Fresnobee“ ein Interview, wo er mit einigen Kollegen die aktuell echt hohe Erdbebenaktivität in Zentral- und Südkalifornien kommentierte und erklärte, dass auch an bisher unbekannten Störungen größere Erdbeben möglich seien. Dass die Beben zuletzt „gehäuft“ auftraten, sei hingegen Zufall.

Ob „Sputnik“ dort was falsches hineininterpretiert hat, ist nicht bekannt.
Auf jeden Fall ist das Erdbebenrisiko zur Zeit nicht höher als noch vor vier Wochen. Das erklärte Szenario mit dem Domino-Effekt ist ein Gedankenspiel, das noch genaue Forschungen bedarf. Auszuschließen ist es nicht, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass viele schwere Erdbeben binnen kurzer Zeit auftreten. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass dies in den kommenden Tagen passiert.

Allgemein: Dass Kalifornien von schweren Erdbeben bedroht ist, ist bekannt. In Kalifornien wird dies regelmäßig geprobt. Ob es hilfreich ist, durch häufige Warnungen in der Presse die Gefahr hochzukochen und durch Metaphern wie „Armageddon“ zu untermalen, ist mehr als fraglich. Dadurch wird es nicht möglich sein, Erdbeben vorherzusagen oder gar zu verhindert. Man schafft es höchstens, ohnehin besorgten Anwohnern das letzte bisschen Schlaf zu rauben und seinen Text zehntausendfach in soziale Netzwerke teilen zu lassen. Und wie groß wird wohl die Resonanz sein, wenn zufällig zwei Tage nach der Veröffentlichung ein solches Beben tatsächlich eintritt? Wenn man alle drei Monate so einen Text herausbringt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass dies irgendwann passiert.

 

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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