Erdbeben in den Alpen – Eine Gefahr für Wintersportler?

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Für viele Mitteleuropäer gehört er zum Winter einfach dazu: Der Skiurlaub. Mit den Alpen bietet sich ein schneesicheres Hochgebirge an, das die Einheimischen schon vor Jahrzehnten für den Tourismus entdeckt haben. Doch in den vergangenen Wochen zeigt sich dieses Gebiet ausgerechnet während der Skisaison von einer anderen Seite.

Seit Anfang Dezember 2015 wurden in den Alpen eine Reihe von leichten bis moderaten Erdbeben verzeichnet. Das Erdbeben am Sonntagabend (31. Januar) in Vorarlberg war das neueste und bisher stärkste dieser Aktivitätsphase. Insgesamt zehn deutlich spürbare Erdbeben über Stärke 2.5 ereigneten sich in diesen zwei Monaten:

Hinzu kommt, vor allem im österreichischen Bundesland Tirol, eine relativ hohe Aktivität an kleinen Erdbeben. Mehrere Beben um Magnitude 2 wurden vor allem im Januar rund um Innsbruck verzeichnet, wovon einige leicht spürbar waren:
Schäden hat bisher keines dieser Erdbeben verursacht. Doch es kann auch ganz anders laufen.

Alpen

Dass es gerade jetzt zu einer Häufung dieser Erdbeben kommt, ist dabei nichts anderes als Zufall. Erdbeben treten in der Regel unabhängig voneinander zufällig auf. Gelegentlich kommt es dabei zu Ansammlungen von Erdbebenherden in einem bestimmten Gebiet.
In den Alpen entstehen die Spannungen, die zu den Erdbeben führen, vor allem durch die Kollision von Afrika und Europa, durch die das Gebirge aufgefaltet wurde. Die Bewegungen sind im Vergleich zu anderen Plattengrenzen wie der Himalaya-Region sehr langsam, sodass auch die Erdbeben deutlich seltener und schwächer sind. In einigen Regionen der Alpenregion, vor allem in Teilen der Schweiz und im Berchtesgadener Land, führt Schmelz- und Regenwasser im Gestein zu teils schwarmartig auftretenden, sehr oberflächennahen Erdbeben.

Einige Gebiete in den Alpen haben in der Vergangenheit auch schwere Erdbeben, die Gebäude zerstörten, erlebt. In Österreich stellt vor allem die Region rund um Innsbruck die größte Gefahr dar. Das dicht besiedelte Inntal, in dessen Seitentälern sich viele Skigebiete befinden, erlebte in den Jahren 1572, 1670 und 1689 drei schwere Erdbeben nahe Magnitude 6. Zuletzt kamen dabei 19 Menschen ums Leben. Auch in der Zukunft sind dort ähnliche Erdbeben zu erwarten.

Weitere Informationen über historische Erdbeben in Österreich

Noch höher ist die Gefahr im Süden der Schweiz. Im Kanton Wallis, wo diverse Gletscher auch im Sommer die Möglichkeit zum Skifahren bilden, drohen Erdbeben über Stärke sechs. Erst 1946 hat ein solches Erdbeben die Region getroffen, vier Menschen kamen dabei ums Leben. Noch stärker mit Magnitude 6.4 war ein Erdbeben im Jahr 1855, welches als eines der stärksten in der Geschichte der Schweiz gilt. Etwa gleichstark war ein Erdbeben im Jahr 1295 im Kanton Graubünden, nur etwa 30 Kilometer vom bekannten Skiort Davos entfernt.

Weitere Informationen über historische Erdbeben in der Schweiz

Vergleichsweise selten treten schwere Erdbeben im norditalienischen Südtirol auf, wobei speziell rund um Bozen gelegentlich moderate Erdbeben um Magnitude 4 auftreten können. Deutlich gefährdeter. ist die Region Friaul-Julisch Venetien. Stärke 7 wurde hier und angrenzenden Regionen Österreichs und Sloweniens mehrfach in den vergangenen Jahrhunderten erreicht. Die relativ dichte Besiedlung führte mehrfach dazu, dass Erdbeben katastrophal endeten. Im Jahr 1976 führte eine Serie mehrerer starker Beben bis Stärke 6.5 zu knapp 1000 Todesopfern. Bekannt sind zudem fatale Beben in den Jahren 1348 und 1511, die tausende Menschen das Leben kosteten. Und Cortina d’Ampezzo liegt nur 50 Kilometer entfernt.

Kleine Erdbeben gehören zu den Alpen wie der Skitourismus. Die aktuelle Erdbebenaktivität sollte für Urlauber und Anwohner der Alpen eine Erinnerung an das Risiko sein, das in vielen Teilen der Gebirgskette besteht. Zwar sind in den meisten Gebieten schwere Erdbeben sehr selten. Doch wenn sie auftreten, können sie zur Katastrophe führen. Kleine Erdbeben sollten daher keine zu große Überraschung darstellen. Aber Vorbereitung kann im Extremfall entscheidend sein. Speziell im Winter sind durch die vielen Urlauber deutlich mehr Menschen bedroht. Lawinen stellen ein zusätzliches Risiko dar. Im Februar 1991 wurde nahe des Mont Blanc in den französischen Alpen durch ein Beben der Stärke 3.9 eine Lawine ausgelöst, wodurch neun Menschen ums Leben kamen. Genau diese Region stellt übrigens für die französischen Alpen die größte Gefahr dar. Das letzte schwere Erdbeben über Stärke 6 im Chamonix Tal jährt sich am 11. März zum 199. Mal.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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