Deutschland 2013: Viel Kleinvieh, kein Mist

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Das Erdbebenjahr 2013 war auch in Deutschland vertreten, hinterließ jedoch keine nennenswerten Spuren. Auch wenn viele hunderttausend Menschen in diesem Jahr ein (oder mehrere) Erdbeben bemerkt haben.
Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Erdbeben des Jahres, aufgeteilt nach Regionen.
Wir wollen schon im Voraus allen danken, die uns durch ihre Zeugenberichte unterstützt haben. Diese sind für uns sehr nützlich, zum besseren Verständnis der Situation und der Präzisierung unserer (auch zukünftiger) Berichte und wir bitten, auch bei zukünftigen Erdbeben die Erfahrungen mit der Welt zu teilen. Nicht nur hier bei uns, sondern auch bei den zuständigen Behörden, wie der Erdbebenstation Bensberg, die die Daten zu wissenschaftlichen Zwecken benötigen.
Zeugenberichte, die bei uns eingegangen sind, sind im Folgenden kursiv geschrieben.

Albstadt

Die Erdbebenregion in der Schwäbischen Alb, vor allem im Bereich der Städte Albstadt und Tailfingen, ist die Region mit der höchsten Erdbebentätigkeit in Deutschland, ausgelöst durch ein aktives Verwerfungssystem in einigen Kilometern Tiefe. Regelmäßig kommt es alle paar Jahrzehnte zu großen Erdbeben, teils weit über Magnitude 5. Entsprechend ist auch hier die Gefahr, die von Erdbeben ausgeht, am größten.

  • Die ersten 3 wahrnehmbaren Erdbeben des Jahres hielten sich an den Kalender: Am 1., 2. und 3. Januar. Betroffen von diesen Erdbeben war der Raum Albstadt – Hechingen. Die Beben hatten Magnitude 2.1, 2.4 und 2.0, letzteres ebenfalls am 9. Januar.
  • Der 14. September brachte nach ruhigen Monaten wieder ein leichtes Erdbeben, spürbar, mit Magnitude 2.0.
  • „Hechingen-Stetten: Lauter Knall , dachte schon jemand ist in unser Haus gerammt, Kinder dachten die Decke kommt runter . Erstes elementares Erlebnis dieser Art, beklemmend!“
    3.0 hatte das stärkste Erdbeben in Süddeutschland im Jahr 2013. Es erschütterte die Region Albstadt am Abend des 4. Dezember. Verbreitet war es spürbar, sorgte aber bei der erdbebengeprüften Bevölkerung nur für wenig Angst. Auch wenn es viele Zeugen als das heftigste der letzten Jahre beschreiben. Am Morgen des 6. Dezember gab es ein kleineres Nachbeben mit Magnitude 2.1, das ebenfalls deutlich spürbar war. (mehr Infos)

Ruhrgebiet

Auch wenn es hier keine natürlichen Erdbeben gibt: Der Steinkohleabbau hinterlässt seine Spuren. Die meisten Zechen sind bereits geschlossen, doch die wenigen noch aktiven im nördlichen Ruhrgebiet haben in diesem Jahr mehrfach gezeigt, dass die dort lebenden Menschen noch mit den Folgen zu leben haben. So wie in den vergangenen Jahrzehnten viele andere im Ruhrgebiet.
Der Unterschied zu tektonischen Erdbeben: Höhere Epizentralintensität, aber nur sehr kleines Schüttergebiet.

  • Der 13. Januar brachte das erste größere Erdbeben des Jahres. Magnitude 2.0 mit Epizentrum zwischen Haltern und Dorsten. 9 Tage später folgte eines mit Magnitude 2.2.
  • Die zweite aktive Zeche zwischen Bottrop, Dinslaken und Oberhausen brachte zuerst am 29. Januar ein Beben der Stärke 2.3 hervor. Ein größeres mit Magnitude 2.6 folgte am 22. Februar.
  • Im März folgten wieder Erdbeben in Haltern am See, zunächst am 1. mit M 2.4, später am 15. März und am 22. März, sowie am 4. April ebenfalls mit Magnitude 2.4.
  • Zwei Erdbeben, M 2.2 und 2.3, trafen am 27. und 28. März Dinslaken, am 20. April erneut mit M 2.3.
  • „Ich wohne in Kirchhellen und habe das Beben morgens gespürt. Es war so stark, dass Gläser in der Vitrine gewackelt haben. Passiert ja leider häufiger hier. Heute morgen so gegen 5.50 Uhr hat unser Bett auch wieder gewackelt…“ 
    Das bis dahin stärkste „Ruhrbeben“ 2013 ereignete sich am Morgen des 13. September östlich von Dinslaken nahe Bottrop. Es hatte Magnitude 2.8. (mehr Infos)
  • „die Erderschütterung am 12.10.2013 war derart heftig, dass ich mich in meinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühle. Wir in Eppendorf sind über die Jahre gesehen nun schon einiges gewohnt, aber das war hochgradig beängstigend. Vielen lieben Dank an die Ruhrkohle……ein tolles Gefühl, wenn man glaubt mit dem Haus im Boden zu verschwinden.“ 
    Ein neuer Höhepunkt wurde am 12. Oktober erreicht. Ein Beben, das deutlich Teilen von Haltern und Dorsten spürbar war. Es hatte nach unterschiedlichen Angaben Magnitude 2.6 bis 3.0. (mehr Infos)
  • „20.12.2013 7.05Uhr Haltern Lipprammsdorf-Freiheit . Das ganze Haus ist abgesackt und hat dann 3 mal Heftig geschwungen. Einige Gläser sind vom Tisch gefallen. So was habe ich in den ganzen Jahren noch nicht erlebt. Hatte das erste mal seit über 30Jahren echt Angst das das Haus zusammenbricht.“
    Das stärkste deutsche Erdbeben des Jahres traf Haltern am See und angrenzende Teile von Marl am frühen morgen des 20. Dezember. Die Magnitude wird nach unterschiedlichen Angaben mit Magnitude 3.0 (3.1) bis 3.5 angegeben. Intensität IV wurde registriert. Schäden hat das Beben nicht verursacht. Es gab auch keine Nachbeben.
    Es war gleichzeitig das stärkste deutsche Erdbeben seit mehr als 2 Jahren, seit ein Erdbeben der Stärke 3,6 Haltern und Umgebung erschütterte. (mehr Infos)

Neuwieder Becken

Das Neuwieder Becken und die angrenzende Region der Osteifel sind aktuell ebenfalls eine Region Deutschlands, wo häufig Erdbeben stattfinden. Große Erdbeben sind dort selten, aber von den kleinen Erdbeben, die ihr Epizentrum nahe der Dörfer Plaidt und Ochtendung südlich vom Laacher See haben, sind häufig die großen Städte Koblenz und Andernach im Neuwieder Becken betroffen. Nahezu jedes Jahr sind dort Erdbeben spürbar.

  • Ein Beben der Stärke 2.3 am 22. Januar in der Osteifel war nicht in Koblenz spürbar.
  • Am 18. April wurde in der Osteifel ein Beben der Stärke 2.5 registriert.
  • „Bei uns in Löf hat das ganze Bett gewackelt.“
    Magnitude 2.5 wird allgemein angegeben, größere Magnituden stehen aber auch im Raum. Das Beben am Abend des 30. November hatte sein Epizentrum in der Osteifel, erschütterte aber fast das gesamte Neuwieder Becken. Vor allem in Koblenz wurden viele Leute von den leichten Erschütterungen erschreckt. (mehr Infos)

Aachen

Rund um Aachen, einschließlich der Grenzregionen in Belgien und den Niederlanden, fanden in der Vergangenheit die zerstörerischsten Erdbeben Westdeutschlands statt, vor allem die Beben von Roermond und Düren sind bekannt. Häufig sind dort moderate Beben, mehrmals im Jahr gibt es dort spürbare Erdbeben.
Die Region ist Teil des Niederrheingrabens, der von etlichen Verwerfungslinien durchzogen ist, die allesamt in der Vergangenheit große Erdbeben hervorgebracht haben und regelmäßig kleinere Erdbeben hervorbringen. Im Jahr 2013 viel aber, außer Aachen, keine Region des Niederrheingrabens besonders auf.

  • „Wohne in der Soers und habe ein Geräusch wie Donnergrollen gehört. Es fühlte sich an als würde das Haus schwanken. Dauer maximal 2 Sekunden. Der Rest der Familie in Erdgeschoss und Keller hat nichts gemerkt.“
    Auch wenn das Epizentrum auf niederländischem Staatsgebiet lag, war das Beben am 20. Januar (M 3.2) das stärkste des Jahres am Niederrhein. Das Beben war in Teilen von Aachen, Herzogenrath und anderen Städten nahe der Grenze spürbar.

  • Intensität III wurde aus Stolberg und Eschweiler gemeldet, als ein Erdbeben der Stärke 2,4 die Region am 15. August traf.
  • Am 10. September kam es zu einem kleinen Erdbebenschwarm mit Epizentrum südlich von Aachen. Das stärkste Beben hatte Magnitude 2.0.

Landau

Ausgelöst durch die dortigen Geothermie-Kraftwerke hat es rund um Landau in der Pfalz in diesem Jahr mehrfach spürbare Erdbeben gegeben.
Landau liegt im Oberrhein-Graben und somit in einer Region, in der es von Natur aus häufig Erdbeben gibt, in historischer Zeit auch mehrfach große Erdbeben mit schweren Schäden. Dieses Jahr gab es aber neben Landau kaum nennenswerte Ereignisse.
  • Das erste spürbare Erdbeben bei Landau ereignete sich am 17. Februar mit Magnitude 2.0.
  • Mit Magnitude 2.1 war das Erdbeben am 2. Oktober ebenfalls spürbar.
  • Mehrere schwarmartig auftretende Erdbeben trafen Landau rund um den 20. November. Einige waren spürbar, das stärkste erreichte Magnitude 2.0.

Sonstige Erdbeben

Über das ganze Jahr verteilt gab es mehrfach Erdbeben bei Marienberg im Erzgebierge, sowie im Vogtland. Diese überschritten Magnitude 2.0 aber nur geringfügig. Nur ein Beben am 1. Januar im Vogtland erreichte Magnitude 2.7. Dieses war auch in Deutschland deutlich spürbar.

„Hier in Zwota ca. 13km Luftlinie entfernt konnte ich das beben deutlich wahrnehmen, das geschirr vibrierte leicht. Allerdings konnte ich das herannahende Grollen hören. Der sonst übliche Schlag blieb aus. „

17. Januar: M 2.8 bei Altenberg / Sachsen
26. Februar: M 2.7 bei Idar-Oberstein / Rheinland-Pfalz
2. März: M 2.1 bei Ibbenbühren / Nordrhein-Westfalen
18. März: M 2.4 bei Sassnitz / Mecklemburg-Vorpommern
19. März: M 4,7 bei Polkowice / Polen, spürbar in Teilen von Brandenburg
22. April: M 2.3 bei Bautzen / Sachsen
23. April: M 2.5 bei Naumburg / Hessen
Mai / Juni: Mehrere spürbare Erdbeben bei Bad Reichenhall / Bayern
4. Juni: M 1.8 bei Frankfurt am Main / Hessen
8. Juni: M 2.7 bei Schönau / Baden-Württemberg
20. Juli: M 3.6 bei St. Gallen / Schweiz, spürbar in Teilen von Baden-Württemberg
8. August: M 2.2 bei Halle an der Saale / Sachsen-Anhalt
15. August: M 2.4 bei Thaiden / Hessen
22. August: M 2.4 bei Bad Nauheim / Hessen
23. August: M 2.3 bei Gedern / Hessen
8. September: M 3.5 bei Innsbruck / Österreich, spürbar in Mittenwald / Bayern
23. September: M 2.2 bei Pirna / Sachsen
14. Oktober: M 1.9 bei Dornazlice / Tschechien, spürbar in Schönsee / Bayern
16. Oktober: M 2.2 bei Elbingerode / Sachsen-Anhalt
1. November: M 1.9 bei Verden / Niedersachsen
6. Dezember: M 2.1 bei Stuttgart / Baden-Württemberg
12. Dezember: M 4.1 bei Balzers / Liechtenstein, spürbar in Lindau / Bayern
20. Dezember: M 2.4 bei Cloppenburg / Niedersachsen

Habt ihr eines der hier aufgelisteten Erdbeben gespürt? Schreibt bitte einen Kommentar und teilt eure Erfahrungen!

In den kommenden Tagen folgen weitere Jahresrückblicke.

Einen Jahresrückblick für Österreich hat die ZAMG.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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