Starkes Erdbeben im Osten von Los Angeles – Viele Gebäude beschädigt, vor allem Schäden an Wasser- und Gasleitungen – Mehrere Verletzte

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Knapp 30 Kilometer östlich des Stadtzentrums von Los Angeles ereignete sich um 5.09 Uhr MEZ ein starkes Erdbeben mit Magnitude 5.1. Das Beben fand in einer Tiefe von nur 7.5 Kilometern statt. Entsprechend hoch war die Intensität (VII, basierend auf einer Tiefe von 1.5 km. Entsprechend wird die ShakeMap bald der korrigierten Tiefe angepasst werden). Dies kann selbst in einer sicher gebauten Region wie Los Angeles zu größeren Schäden führen. Das Epizentrum lag im Stadtteil La Habra.

Nach ersten Meldungen kam es an vielen Orten in La Habra, direkt am Epizentrum, zu gebrochenen Gasleitungen. Stellenweise kam es auch zu Störungen in der Strom- und Wasserversorgung. Etwa 5000 Menschen sind zur Zeit ohne Strom. Zudem gab es außerhalb der Stadt Felsstürze. Dabei kam es im Carbon Canyon zu einem Autounfall mit mehreren Leichtverletzten.

Von einigen Orten werden eingestürzte Schornsteine gemeldet.

In Fullerton, so berichten Augenzeugen, stürzte eine Ziegelsteinmauer um und in einen Swimming Pool.

In Orange Country wurde mindestens eine Person leicht verletzt.

Bislang folgten mehrere Dutzend kleine Nachbeben bis Magnitude 3.4. Eine Stunde vor dem Hauptbeben kam es zu einem Vorbeben der Stärke 3.6.

Erst vor knapp 2 Wochen ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 4.4 in den nördlichen Vororten von Los Angeles.

Das heutige Erdbeben ereignete sich an der Puente Hills Verwerfung. Diese ist dafür bekannt, dass sie das Whittier Erdbeben im Jahr 1987 (M 5.7) mit mehreren Toten und hunderten Verletzten verursacht hat.

Update 09.41 Uhr
Etwa 50 Menschen mussten aufgrund von Erdbebenschäden ihre Häuser verlassen. Viele weitere verbringen freiwillig die Nacht im Freien. Allgemein kann aber nicht von einer panischen Situation die Rede sein.
Der Großteil der Schäden durch das Erdbeben geht auf das Konto von zerstörten Versorgungsleitungen. Wasserrohrbrüche haben teils ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt. Gebrochene Gasleitung stellen eine Brandgefahr dar. In einigen Häusern traten Risse auf, die Decke einer Polizeistation in Anaheim ist teilweise eingestürzt. Die Rettungsdienste sind bereits dabei, die Schäden zu reparieren. im Disneyland Anaheim wurden einige Fahrgeschäfte während und nach dem Erdbeben gesperrt.
Es gibt die offizielle Warnung, dass das Erdbeben ein Vorbeben sein könnte. Wirklich ernst ist dieses Risiko aber nicht, USGS spricht von etwa 5%iger Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten Stunden ein großes Beben gibt. Da es sich wahrscheinlich um die Puente Hills Verwerfung handelt, wäre es besonders gefährlich, da sich diese durch das Stadtzentrum von Los Angeles zieht.

Auch wenn es kein großes Beben gibt: USGS warnte vor Nachbeben. Eltern sollen entsprechend reagieren und ihre Kinder nicht unter potentiellen Gefahrenquellen (Regale, etc) schlafen lassen.

Die Verletzungen infolge des Bebens beschränken sich nur auf kleinere Blessuren, infolge des genannten Verkehrsunfalls nach einem Steinschlag, und die Person, die von herabfallenden Gegenständen getroffen wurde.

Interessant ist die hohe Intensität des Erdbebens. Trotz einer moderaten Magnitude hat eine Messstation des USGS, knapp 4 Kilometer vom Epizentrum entfernt im Vorort Brea, Mercalli-Intensität VII bis VIII registriert. Intensitäten, die man von Erdbeben um Magnitude 6 kennt. Ursache dafür ist zum Einen die sehr geringe Tiefe von nur wenigen Kilometern, aber auch der sehr lockere Boden, der in weiten Teilen von Los Angeles vorzufinden ist, und seismische Wellen verstärkt. Trotz dieser eigentlich zerstörerischen Intensität sind die Schäden recht gering. Dies liegt an der vergleichsweise kurzen Dauer des Erdbebens. Zeugen nennen nur etwa 5 Sekunden.

Update 30. März 09.40 Uhr
Eine hohe Anzahl an Nachbeben folgte dem Hauptbeben in den vergangenen Stunden. Viele waren mit hoher Intensität am Epizentrum wahrnehmbar, teils wegen extrem flacher Tiefen (~ 1km). Das stärkste dieser Erdbeben mit Magnitude 4.1 gestern Abend um 22.32 Uhr MEZ war im gesamten Großraum LA deutlich spürbar. Vom Epizentrum in den Rowland Heighs melden Zeugen Intensität VI bis VII. Messstationen in Fullerton registrierten Intensität V bis VI. Wahrscheinlich verursachte die Nachbebentätigkeit neue Schäden, genaue Berichte dazu gibt es aber noch nicht.
Weiterhin werden die Schäden des Hauptbebens gezählt. Mittlerweile stehen viele Dutzend Gebäude auf der Liste des Katastrophenschutzes mit strukturellen Schäden. Teilweise stürzten Vordächer und Mauern ein. Einige Gebäude mussten zeitweise evakuiert werden. Kleinere Schäden, Risse in Wänden, Decken, etc., traten häufiger auf. Genaue Zahlen müssen noch ermittelt werden.

Lage der Epizentren von Haupt- und Nachbeben (Daten: USGS ; Karte: Google Earth)
Lage der Epizentren von Haupt- und Nachbeben (Daten: USGS ; Karte: Google Earth)

Die vielen Nachbeben und die Tatsche, dass die als „extrem gefährlich“ geltende Puente Hills Verwerfung dieses Erdbeben verursacht hat, löst bei vielen Webseitenbetreibern das Bedürfnis aus, die Urängste der Menschen mit überspielten Warnungen und Schreckensszenarien zu wecken. Dies geht so weit, dass einige Nachrichtenseiten und Blogs schon Warnungen aussprechen, dass dieses „Katastrophenbeben der Stärke 7.5, dass Los Angeles in Schutt und Asche legt“, unmittelbar bevor steht.
Viel dran ist an dieser Warnung nicht. Zwar ist das Risiko real, USGS hat entsprechend darauf hingewiesen und den Bürgern wird empfohlen, sich auf solche Gefahren einzustellen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der andauernden Erdbebensequenz um Vorbeben handelt, wird als sehr gering eingestuft. Aber wie immer, wenn es um Erdbeben geht, ist kein Mensch in der Lage genau zu sagen, was die nächsten Tage bringen. Sicher ist nur: Die Hohe Anzahl an Nachbeben wird weiter wachsen.

wird fortgesetzt…

Los Angeles

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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