Deutschland 2014: Ein Erdbebenjahr mit Erinnerungswert

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Das richtig große Erdbeben, wie es durchschnittlich alle paar Jahrzehnte in Deutschland auftritt, blieb aus. Dennoch wird das Erdbebenjahr 2014 vielen Deutschen in Erinnerung bleiben. Nicht weniger als 12 Bundesländer haben in diesem Jahr spürbare Erdbeben verzeichnet. Ruhig blieben nur Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin und Brandenburg. Mindestens 74 Erdbeben wurden nachweislich in Teilen der Bundesrepublik von Menschen verspürt. (Ergibt im Durchschnitt alle fünf Tage ein spürbares Erdbeben) Hinzu kommt eine gewisse Dunkelziffer, vor allem durch induzierte Beben in den deutschen Bergbauregionen. 14 dieser Erdbeben erreichten Magnitude 3.0 oder mehr, davon waren elf tektonischen (natürlichen) Ursprungs. Ein Wert, der im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr hoch ist. Fünf Beben waren es im Jahr 2013, nur drei im Jahr 2012. Nur 2011 waren es, bedingt durch einen starken Erdbebenschwarm im Vogtland und Nachbeben in Nassau deutlich mehr. Mit nur vier, bzw zwei Erdbeben in dieser Größenordnung verblieben die Jahre 2010, bzw 2009.

Insgesamt sieben Mal verursachten die Beben im Jahr 2014 Schäden in Deutschland. Genauso oft, wie zum Beispiel in Japan oder Nicaragua. Meist waren diese Schäden im Vergleich zu anderen Nationen aber sehr gering, da die Beben vergleichsweise klein waren.

rot: Regionen, wo im Laufe des Jahres 2014 Erdbeben spürbar waren. (Beben in Nachbarländern sind nicht berücksichtigt, sofern diese keinen Einfluss auf Deutschland hatten)
rot: Regionen, wo im Laufe des Jahres 2014 Erdbeben spürbar waren. (Beben in Nachbarländern sind nicht berücksichtigt, sofern diese keinen Einfluss auf Deutschland hatten)

Die wichtigsten Ereignisse des Jahres, sortiert nach Bundesland:

Hessen

„Das bisher stärkste Beben hier!
So gegen halb 7 am Abend. Zuerst gab es einen lauten Knall, wie bei einer nahen Explosion. Dann erschütterte ein gewaltiger Schlag unser Haus. Mehrere Sekunden wackelte der Boden. Die Erde donnerte durchdringend, sehr, sehr laut! Wir wurden vergleichsweise ordentlich durchgeschüttelt, allerdings nur für kurze Zeit. Der Lärm war deutlich länger. Einiges wurde vom Fensterbrett geworfen, diverser Inhalt von Schränken fiel um, oder wurde verschoben. In der Küche schepperten die Gläser.
Teile der Nachbarschaft versammelten sich danach auf den Straßen. Alle waren beunruhigt, da dies nun bereits sehr häufig vorgekommen war, lange aber nicht mehr so furchtbar! Dieses Beben haben wir eindeutig stärker empfunden als das bis dato heftigste im Mai!
Wir überprüften sofort Gasrohre und Wasserleitungen sowie unser Haus auf Schäden, konnten zum Glück keine finden!“ 

(Mühltal, 29. Oktober)

Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Hessen
Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Hessen (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)

Mit 57 Erdbeben über Magnitude 1 war Hessen der deutschlandweite Erdbebenschwerpunkt im vergangenen Jahr. Nicht unbedingt wegen der Anzahl, auch wenn diese für Hessen extrem hoch ist, sondern wegen der vielen größeren, vielen spürbaren Erdbeben. Besonders markant: Der Erdbebenschwarm bei Darmstadt. Über das ganze Jahr verteilt kam es immer wieder zu spürbaren Erdbeben. Wir haben viel dazu geschrieben und erklärt, hunderte Zeugen meldeten uns ihre Beobachtungen und ließen so den Rest der Republik an den Ereignissen teilhaben.
Das stärkste Beben mit Magnitude 4.2 (17. Mai) verursachte Schäden an über hundert Häusern. Über das Rhein-Main Gebiet (mit Frankfurt und Wiesbaden) hinaus waren die Erschütterungen spürbar. Das stärkste Erdbeben in Hessen seit Jahrzehnten wird den Menschen noch lange in Erinnerung bleiben. Ebenso einige der kleineren Beben mit Magnitude 3.5 (29. Oktober), 3.4 (8. Juni), 3.2 (30. März) und 2.7 (19. September). Jene im Oktober, Juni und März ließen leichte Sachschäden.
Doch nicht nur Darmstadt zitterte. Auch im Norden von Hessen ließen zwei Erdbeben die Wände wackeln. Trotz Magnitude 3.0 und 2.4 blieben die Erdbeben in Alsfeld (11. September) und Gedern (15. Mai) weitestgehend unbemerkt und wurden auch in der Welt der Medien nicht wahrgenommen. Nur nur vereinzelte Zeugen meldeten sich bei uns. Bei einem weiteren Erdbeben in Homberg (M2.2, 13. Juni) ließ sich keine Spürbarkeit nachweisen.
Weiterhin erwähnenswert:
Magnitude 1.8 bei Homberg (2. Dezember)
Magnitude 1.7 bei Biblis (18. März)
Magnitude 1.6 auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens (20. April)

Vogtland / Sachsen

„Wir saßen gerade beim Mittagessen, als es plötzlich ziemlich stark grollte und im gleichen Moment der Fußboden bebte. Das sonst übliche vorherige dumpfe Grollen, welches ein Beben ankündigte, fehlte diesmal, denn es grollte und bebte gleichzeitig. Es war das gefühlte stärkste Beben seit 1985/86. Seit einer Stunde fühlt und hört man mehrere kleine Schwarmbeben.“

(Klingenthal, 31. Mai)

Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Sachsen (Beben mit Epizentrum in Tschechien sind nicht berücksichtigt. Zum Vergrößern aufs Bild klicken)
Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Sachsen (Beben mit Epizentrum in Tschechien sind nicht berücksichtigt. Zum Vergrößern aufs Bild klicken)

Auch wenn deren Epizentrum in Tschechien lag, waren die Erdbeben im Cheb-Becken die dominierenden in Sachsen, die dominierenden deutschlandweit. Die Neuerung, dass Vogtlandbeben nicht nur Schwärme, sondern auch Einzelereignisse (mit Nachbeben) können, war für Anwohner und Seismologen gleichermaßen eine Überraschung. Gleich drei Mal im Laufe des Jahres gab es diese Einzelbeben.
Mit Magnitude 3.9 am 24. Mai, Magnitude 4.4 am 31. Mai und Magnitude 3.8 am 4. August waren alle so stark, dass es in Tschechien Schäden gab. Vier Bundesländer (Sachsen, Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt) meldeten Erschütterungen. Nur am 31. Mai gab es auch in Sachsen leichte Schäden. Das Beben wurde in weiten Teilen des Landes, inklusive der Hauptstadt Dresden und in Leipzig wahrgenommen und war das stärkste Erdbeben in Mitteleuropa im Jahr 2014. Ein Nachbeben mit Magnitude 3.0 war ebenfalls in Teilen des sächsischen Vogtlandes spürbar.
Auch abseits des Vogtlandes wurden in Sachsen Erdbeben aufgezeichnet, insgesamt 13 ab M1.0 ereigneten sich landesweit. Das stärkste mit Magnitude 2.1 im Erzgebirge am 28. April. Auch die bekannte Erdbebenregion Leipzig zeigte leichte Aktivität. Beben der Stärke 1.9 (22. Mai), 1.6 (9. Oktober) und 1.0 (16. April) wurden auf dem Stadtgebiet aufgezeichnet. Bei jenem im Mai scheint leichte Spürbarkeit realistisch. Entsprechende Meldungen dazu gab es aber nicht.

Baden-Württemberg

„Ein Grollen wie bei einem Gewitter, dann hat es ein bisschen gewackelt und die Fensterdeko aus Perlmutt hat gegen die Fenster geklappert. Dauer ca 7 Sekunden.“ 

(Kirchzarten, 7. August)

Baden-Württemberg
Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Baden-Württemberg (Beben mit Epizentrum in Tschechien sind nicht berücksichtigt. Zum Vergrößern aufs Bild klicken)

Im vergangenen Jahr noch Erdbebenland Nummer 1, dieses Jahr deutlich im Schatten von Darmstadt und Vogtland. Nicht von der Anzahl her: 82 Erdbeben ab M1.0, 10 davon allein in den letzten zwei Wochen des Jahres, belegen, dass Baden-Württemberg das seismisch aktivste Bundesland Deutschlands ist. Aber nur 11 dieser Erdbeben wurden von Menschen wahrgenommen, die Magnituden waren insgesamt zu gering. Das größte Schüttergebiet geht deshalb auch auf das Darmstadt-Beben zurück, das selbst bis in die Landeshauptstadt Stuttgart wahrgenommen wurde.
Vier der spürbaren Erdbeben in Baden-Württemberg gehen auf die Erdbebenzone Albstadt zurück. Keine Überraschung, dass diese Störungszone auch das stärkste Erdbeben des Jahres ausmacht, gehört diese Region ja neben Aachen und Basel zu den erdbebengefährdetsten in ganz Mitteleuropa.
Magnitude 3.1 wurde am 31. Oktober erreicht, das Beben ließ sich in einem Umkreis von 15 km deutlich wahrnehmen. Die anderen Erdbeben erreichten Magnitude 2.9 (18. Mai), 2.3 (9. September), 1.9 (24. Oktober) und 1.8 (22. Januar).
Der südliche Schwarzwald war ebenfalls von eine größeren Erdbeben betroffen. Magnitude 3.0 hatte dieses am 7. August. Das Epizentrum lag bei Furtwangen, auch in Waldkirch und Neustadt war es spürbar.
Viele einzelne Beben machen das Jahr 2014 in BW aus. Dabei sind spürbare Erdbeben in Karlsruhe (Magnitude 2.3, 24. September), Lichtenau (Magnitude 2.5, 20. September), Offenburg (Magnitude 2.0, 4. September) und Konstanz (Magnitude 1.8, 27. Juni), sowie Beben, von denen es keine Meldungen über Spürbarkeit gibt, dies aber vermutet werden kann. Dazu gehören: Endingen am Kaiserstuhl (Magnitude 2.4, 24. Dezember)Glottertal (Magnitude 2.1, 13. November), Tübingen (Magnitude 2.1, 4. September), Immenstaad (Magnitude 1.8, 20. Dezember) und Waldkirch (Magnitude 1.8, 2. Juli).
Ebenfalls erwähnenswert: Ein Erdbeben (M1.5) im Norden der Landeshauptstadt Stuttgart (8. Oktober).

Niedersachsen

„Es war deutlich zu spüren. Dauer? Ich schätze mal ca 3 Sekunden.
Fühlte sich an, als wenn eine Planierraupe vorbei fährt – nur intensiver. Es war auch deutlich zu hören, dass es rumpelt. Schäden konnte ich hier noch nicht identifizieren.“

(1. Mai, Syke)

Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Niedersachsen (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)
Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Niedersachsen (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)

So langsam aber sicher entwickelt sich Niedersachsen in den vergangenen Jahren zum Erdbebenland. Ursache hier nicht tektonische Bewegungen, sondern die Erdgasförderung. Noch ist die Erdbebenaktivität moderat, nicht vergleichbar mit anderen Erdgasfeldern, wie zum Beispiel das nahe gelegene Groningen. Dennoch: 10 Erdbeben, davon drei spürbare, einmal Sachschäden und fünf Orte mit Erdbebenaktivität erregten Aufmerksamkeit.
Mit zwei spürbaren Erdbeben zeigte das Erdgasfeld Cloppenburg, gleichzeitig das westlichste, die höchste Erdbebenaktivität. Magnitude 3.1 (19. Dezember) und 2.8 (2. September) erreichten diese. Beide traten Nachts auf, was die Beben für Anwohner noch unangenehmer machte. Schäden blieben aus. Ein drittes Beben mit Magnitude 2.1 (28. Juli) könnte ebenfalls spürbar gewesen sein. Meldungen erhielten wir nicht. Möglicherweise (erneut) der Nacht geschuldet.
Leichte Schäden verursachte ein Erdbeben bei Bassum und Syke, ebenfalls mit Magnitude 3.1 (1. Mai). Durch dieses Beben konnte sich auch Bremen in die Liste der von Erdbeben betroffenen Bundesländer eintragen.
Weiter östlich das Erdgasfeld Verden / Langwedel, welches im vergangenen Jahr spürbare Erdbeben hatte. Dieses Jahr blieb es bei einmal Magnitude 1.7 (20. Juni). Deutlich mehr Beben in Walsrode: Vier Mal zwischen Magnitude 1.1 und 1.7. Bergen in der Lüneburger Heide komplettiert die Erdbebenliste Niedersachsen mit M1.2.

Nordrhein-Westfalen

„Meine Tochter erschreckte sich richtig, da sie es bewusst so noch nie gemerkt hat.
Wir haben zwar öfters mal kleine “Ruckler” hier , aber das war mal wieder eins der klassischen Dinger wie ich sie auch aus meiner Kindheit kenne.
Es kam angegrollt und dann der übliche Schlag und das Grollen entfernte sich wieder.
Ich vergleich die Dinger immer gern mit einer Welle im Boden. Regulär spürt man sie kommen und kann Tante Trudes Kristallvase noch schnell schnappen ..
Alles gut – solang das Haus bei den Dingern stehenbleibt….“ 

(Oberhausen, 30. Oktober)

Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Nordrhein-Westfalen (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)
Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Nordrhein-Westfalen (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)

Die Geschichte zeigt, dass NRW (neben Baden-Württemberg) das Bundesland mit der höchsten Erdbebenaktivität ist. Die Gegenwart lässt das Gegenteil vermuten. Aus tektonischer Sicht setzt sich der Trend vom vergangenen Jahr fort: Der Niederrheingraben zwischen Kleve und Bonn ist praktisch erdbebenfrei. Keines der wenigen Ereignisse war stark genug, um von Menschen verspürt zu werden. Dass NRW trotzdem in diesem Jahr auf Platz zwei der stärksten Erdbeben Deutschlands vertreten ist, darf (wie Platz 1 im vergangenen Jahr) dem Bergbau angelastet werden. Die letzten Jahre der Steinkohleära lassen Ruhrgebiet und Ibbenbüren noch immer zittern. Mit Magnitude 3.6 (15. November) an der Zeche Auguste Victoria in Haltern am See wurde sogar das vergangene Jahr (mit Magnitude 3.5) überboten. Die Folge: Etwa 20 Gebäude mit Rissen in Verputz und Mauerwerk.
Noch mehr Erdbeben, wenn auch schwächere, traten bei Bergwerk Prosper Haniel an der Stadtgrenze von Bottrop und Oberhausen auf. Das stärkste am 30. Oktober erreichte Magnitude 2.6 und ließ einige Menschen erschrocken zurück. Weitere spürbare Beben bis Magnitude 2.4 wurden im Frühjahr registriert.
Wie viele Bergbaubeben insgesamt spürbar waren, lässt sich nicht sagen. Allgemein gilt: Bergbauinduzierte Erdbeben ab Magnitude 1.2 können spürbar sein. Die kleinsten werden von der Bevölkerung schon garnicht mehr bewusst wahrgenommen, zu häufig sind diese.
Auch ein Beben der Stärke 2.1 (19. März) an der bereits geschlossenen Zeche in Hamm gehört dazu, sowie diverse Beben bis M 2.3 (7. Januar) im Steinkohlerevier Ibbenbüren.
Den Höhepunkt der tektonischen Aktivität bildeten Erdbeben der Stärke 1.6 in Nörvenich (7. August) und Alsdorf (23. Juli). 16 Tektonische Erdbeben ab M1.0 wurden registriert.

Saarland

Ich wurde um 1:03 Uhr durch dieses Beben aus dem Schlaf gerissen. Das gesamte Haus bebte und die Möbel wackelten so stark, dass darin die Gläser klingelten und aufgestellte Gegenstände wackelten. Aufgrund der Heftigkeit und Erfahrungen aus der Vergangenheit glaube ich allerdings eher den französisch gemessenen Magnituden von 2,5 bis 2,7 als den deutschen. Das war für mich nicht leicht, sondern für regionale Verhältnisse heftig. An Schlaf war anschließend sowieso nicht mehr zu denken.

(Schwalbach, 10. Oktober)

Auch nach Ende des Bergbaus klingen die Spätfolgen noch nicht ab. Im Gegenteil: Als am 15. September in Saarwellingen die Erde so stark bebte wie seit Jahren nicht mehr (Magnitude 2.7) wurden die Rufe nach einer Entschädigung von der Bergbaugesellschaft wieder laut. Schäden blieben aus, doch ein zweites Erdbeben kurz darauf (10. Oktober), das Magnitude 2.5 erreichte, ließ die Hoffnung zerbrechen, dass die Erdbeben endlich ein Ende gefunden haben. Bereits am 11. Februar hatte es mit Magnitude 1.9 gebebt, dies blieb ohne nennenswerte Auswirkungen. Weitere Erdbebenregistrierungen im Saarland gab es nicht.

Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Rheinland-Pfalz (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)
Die 10 stärksten Erdbeben im Jahr 2014 in Rheinland-Pfalz (Zum Vergrößern aufs Bild klicken)

Rheinland-Pfalz blieb wie NRW ohne spürbare tektonische Erdbeben. Eine durch eine Sprengung (Steinbruch) verursachte Erschütterung mit M2.2 in Diez wurde wahrgenommen, ein tektonisches Erdbeben mit Magnitude 2.3 in Bingen ließ die Bewohner unbeeindruckt, es gab keine Zeugenmeldungen. Dennoch: mit 42 kleinen Erdbeben bewegt sich die Hintergrundaktivität in Rheinland-Pfalz im Bereich des Normalen.
Das Neuwieder Becken, üblicherweise eine sehr aktive Erdbebenregion, beschränkte sich auf Magnitude 2.0 am 19. April und am 25. Februar. In keinem Fall gaben Zeugen an, das Beben wahrgenommen zu haben. Kleinere Beben waren auch nicht spürbar. Ebenso beim Erdbeben in Alzey mit M1.9 (15. August). Am Geothermiekrafwerk Landau war ebenfalls keine signifikante Erdbebenaktivität zu verzeichnen. Das stärkste Beben erreichte Magnitude 1.4. (8. Juni)
Deutlicher war der Einfluss, von der anderen Rheinseite. Das Darmstadt-Beben ließ sich bis in die Landeshauptstadt Mainz, in Worms und anderen rheinnahen Orten wahrnehmen. Ebenso das Erdbeben in Karlsruhe, beschränkt auf Wörth am Rhein.

In Bayern waren sowohl die Vogtland Erdbeben, als auch das Darmstadt Erdbeben spürbar. Ebenfalls deutlich war ein Erdbeben der Stärke 2.1 in Bad Reichenhall am 26. Mai, die Folge starker Regenfälle. In der Rhön wurden mehrere kleine Erdbeben bis Magnitude 2.2 (6. März) verzeichnet, Meldungen gibt es nicht. In der Region Garmisch-Partenkirchen bebte es im Laufe des Jahres oft, aber mit maximal Magnitude 1.5 (10. Dezember) nicht im Bereich des spürbaren. Insgesamt kommt der Freistaat auf 23 Erdbeben.

Bergbauaktivtät in Sachsen-Anhalt führte zu acht Erdbeben, vor allem in Zeitz (M2.5 am 3. Mai und M2.0 am 21. September) und Teutschenthal (M2.2 am 21. Mai), was auch von der Bevölkerung wahrgenommen wurde. Im Süden des Landes wurden zudem die Vogtland-Beben wahrgenommen.

Auch Thüringen ist weiterhin vom Bergbau beeinflusst. Nachweislich spürbar war von insgesamt 11 nur ein Erdbeben (M1.8 am 19. Mai) in Bleicherode. Andere erreichten maximal Magnitude 1.5. Die Vogtland-Beben waren in weiten Teilen des Landes, einschließlich der Hauptstadt Erfurt, spürbar.

Ein einzelnes, für diese Region ungewöhnlich starkes Erdbeben, das mit Magnitude 2.3 im Bereich des spürbaren lag, ereignete sich im Norden des Schweriner Sees (21. Juli) in Mecklenburg-Vorpommern.

Nicht spürbar war ein Erdbeben vor der Küste von Helgoland (Schleswig Holstein) am 1. März mit Magnitude 2.6.

Was bewegte unsere Nachbarn?

Deutschland war von allen Ländern Mitteleuropas das seismisch aktivste. Von unseren Nachbarländern zeigte nur Frankreich eine höhere, aber nicht ungewöhnlichere Aktivität. Größere Beben in den Alpen. Pyrenäen und der Bretagne verursachten teils schwere Schäden. Auch sonst traten in weiten Teilen des Landes Erdbeben auf. Die grenznahen Regionen Elsass und Lothringen blieben relativ ruhig.
Während Belgien und Luxemburg ohne spürbare Erdbeben blieben, waren die Niederlande sehr aktiv. Neben einzelnen Ereignissen an den Störungen des Niederrheingrabens, allen voran ein M3.1 in Utrecht am Weihnachtsmorgen, das stärkste „Niederrheinbeben“ seit drei Jahren, fiel vor allem die Region Groningen ins Gewicht. 85 Erdbeben wurden dort im Laufe des Jahres registriert, viele spürbar, einige über Magnitude 3 und so stark, dass es Schäden gab. Nicht nur vereinzelt. Wie in Niedersachsen ist auch hier die konventionelle Erdgasförderung Schuld an den Erdbeben. Tausende Hausbesitzer forderten im Jahr 2014 Schadensersatz von der Betreibergesellschaft. Trotz Reduzierung der Fördermenge Anfang des Jahres ging die Erdbebenaktivität im Vergleich zu den Vorjahren nicht zurück. Pessimistische Prognosen halten sogar große, zerstörerische Erdbeben für möglich. Die Angst wächst. Und mit Emden liegt eine deutsche Stadt keine 30 km vom Erdbebengebiet entfernt.
Dänemark zeigte keine Auffälligkeiten. Nur ein Beben im August auf Bornholm, mit Magnitude 2.6 deutlich spürbar, erregte mediales Interesse.
In diesem Kontext interessant ist ein Schadenbeben, je nach Erdbebendienst Magnitude 4.1 bis 4.7 in Zentralschweden, das weite Teile der skandinavischen Länder erschütterte und auch auf dem Baltikum spürbar war. Eines der stärksten Beben Schwedens seit Jahrzehnten.
Polen zeigte keine Besonderheiten. Als Folge des dortigen Bergbaus gab es viele schwache bis moderate Beben in Schlesien und Niederschlesien. Entsprechende Gebäudeschäden und Auswirkungen auf den Betrieb der Bergwerke blieben nicht aus. Überraschender kam ein moderates Beben in Łódź, ebenfalls Folge von Bergbau, doch das stärkste Beben seit Jahren. Auch hier gab es Schäden.
Neben den bereits beschriebenen Erdbeben im Cheb-Becken / Vogtland zeigte Tschechien keine nennenswerte Aktivitäten. Vor allem Anfang des Jahres wurden in verschiedenen Landesteilen kleine Erdbeben natürlichen Ursprungs registriert. Ein Gebirgsschlag in der Bergbauregion Karwin, der ein Beben der Stärke 3.5 zur Folge hatte, endete für drei Bergleute tödlich.
Mit 800 Erdbeben, davon 45 spürbare, war Österreich deutlich ruhiger als in den Vorjahren, die die ZAMG in einem ausführlichen Jahresrückblick schreibt. Dennoch gab es mehrmals leichte Schäden. Ein kleines Beben mit M3.2 bei der Großstadt St. Pölten erregte die meiste Aufmerksamkeit.
Viele kleine Beben wurden im Laufe des Jahres in der Schweiz verzeichnet. Nur selten erreichten diese Beben Magnitude 3. Betroffen davon waren die Kantone Wallis, St. Gallen, Thurgau und Waadt. Signifikant mit mehr als 200 Erdbeben, davon auch zwei über Magnitude 3, war im Laufe des Jahres ein Erdbebenschwarm nahe des Dorfes Diemtigen im Kanton Bern. Große Beben blieben auch dort aus. In der Schweiz gab es dieses Jahr keine Erdbebenschäden

Was bleibt von diesem Jahr im Gedächtnis haften?

Menschen im Süden von Hessen werden die vielen Erdbeben, das stärkste seit Jahrzehnten, noch lange in Erinnerung behalten. Die Schäden belegten, dass Erdbebensichere Bauweise in Zukunft dort und in allen Erdbebengebiete Pflicht sein sollte. Im kommenden Jahr wird uns die Frage beschäftigen, ob sich der Erdbebenschwarm fortsetzt, ob dieser sogar noch schlimmer werden kann. Der Dezember, wo praktisch keine Erdbeben verzeichnet wurden, gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Ereignisse auf 2014 beschränkt waren. Mit Gewissheit sagen kann dies aber niemand.
Noch nachhaltiger werden angesichts der aktuellen politischen Entscheidungen die Erdbeben in Niedersachsen sein. „Fracking, ja oder nein?„, eine Frage. die Politiker und Bürger spaltet. Die im Jahr 2014 getroffene Entscheidung lautet: „Ja, aber unter strengen Auflagen“. Man kennt es aus Oklahoma und anderen Orten: Die Folgen des Fracking bringen Arbeit für Seismologen, zum Leid der Anwohner.
Auch wenn Fracking in Niedersachsen bisher nicht für Erdbeben verantwortlich ist, wird der Grat zwischen konventioneller und unkonventioneller Fördermethode für Betroffene und Gegner immer kleiner, je mehr Erdbeben es gibt. Die Angst vor den möglichen „großen Erdbeben“ in naher Zukunft wächst, obwohl ihr Eintreten mehr Spekulation als Wissen ist. Auch die Beben im nahen Groningen vergrößern die Sorge. Sicher ist nur: Auch im Jahr 2015 wird es in Niedersachsen weiterbeben.
So wie das Ruhrgebiet. Auch zum Ende der Kohleära ist die Erdbebenaktivität dort noch nicht wieder auf vorindustriellem Niveau (also praktisch gleich Null). Und auch danach werden sich Anwohner, wie die Ereignisse im Saarland zeigen, noch auf Erdbeben einstellen müssen.
Das Vogtland hat uns gezeigt, dass nicht immer alles nach vorgegebenem Schema ablaufen muss, und jederzeit Überraschungen möglich sind. Überraschungen, die auch in anderen Teilen des Landes auftreten können. Überraschungen, auf die man vorbereitet sein sollte. Deutschland ist und bleibt ein Erdbebenland. Größere Erdbeben können, auch wenn sie selten sind, an vielen Orten des Landes auftreten. Niemand, der dort lebt, sollte glauben, dass es in Deutschland keine Erdbeben gibt.

Wir wünschen allen Lesern einen guten Start ins neue Jahr und dass 2015 ohne negative Folgen bleibt.

Alle Erdbeben in Deutschland 2014 in folgender Tabelle. (Erläuterungen dazu)

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Info: Hier genannte Daten und Statistiken sind vorläufig. Neue Registrierungen und Korrekturen von Daten können zu leichten Abweichungen führen. 

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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