Paris und Kyushu schüren Gerüchte um falsche Katastrophen

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Frankreich / Japan / Mexiko – Wenn im Schatten einer Katastrophe Gerüchte und falsche Meldungen aufkommen, werden diese meist gezielt verbreitet. Mit dem Zweck Aufmerksamkeit („Shares“) zu bekommen, seine politische Meinung zu verbreiten, oder einfach um Panik zu schüren.

Nach den gestrigen Anschlägen in Paris und dem nahezu zeitgleichen Erdbeben in Japan arbeitet die Gerüchteküche auf hochtouren. Im Internet machen Meldungen von Katastrophen die Runde, mit Opferzahlen, die Paris weit in den Schatten stellen sollen. Unter den Hashtags #Prayforjapan oder #Prayformexico werden diese unter anderem auf Twitter geteilt, in Anlehnung an die Solidaritätsbekundungen zum Terroranschlag. Gerne mit Vorwürfen an die „#Lügenpresse“, das Katastrophen bewusst verschwiegen werden.
Leider werden diese Hashtags von vielen verbreiet, ohne die Hintergründe zu erforschen. Daher eine kurze Richtigstellung:

Ein Bild, das zur Zeit auf Twitter die Runde macht und angebliche Katastrophen darstellt
Ein Bild, das zur Zeit auf Twitter die Runde macht und angebliche Katastrophen darstellt

Japan: Je nach Quelle soll das gestrige Erdbeben zu 18.000 Toten geführt haben und einen mehrere Meter hohen Tsunami ausgelöst haben. An diesem Gerücht ist absolut nichts dran. Das Erdbeben hat weder zu Schäden noch zu Opfern geführt. Der Tsunami war klein, gerade mal 30 Zentimeter hoch und hatte keine Auswirkungen. Selbst in japanischen Medien war diese Meldung weniger groß als die über die zeitgleichen Ereignisse in Paris. Nur in westlichen Ländern scheint die Kombination der Begriffe „Japan, Erdbeben und Tsunami“ in Sozialen Netzwerken erneut für unnötige Aufregung gesorgt zu haben.

Mexiko: Uns ist nicht bekannt, was der Ursprung dieses Gerüchtes ist. Einige sagen, es habe ein schweres Erdbeben gegeben. Andere, es sei ein Hurrikan gewesen. Wie auch immer: In Mexiko hat es gestern weder ein großes Erdbeben, noch einen tropischen Wirbelsturm gegeben. (Siehe: Erdbebendinst Mexiko ; National Hurricane Center) Entsprechend kann es auch hier keine Opfer gegeben haben. Der Hashtag basiert offenbar komplett auf einer Falschmeldung.

Libanon: Den Anschlag in der Hauptstadt Beirut, BBC spricht von 41 Opfern, hat es wirklich gegeben. Jedoch bereits am Donnerstagabend (12. November). Somit wurde hier eine echte Katastrophe zum falschen Zeitpunkt genannt, um sie im Kontext mit den übrigen Ereignissen zu setzen.

Fazit: Gerüchte im Angesicht einer solchen Katastrophe zu verbreiten, ist mehr als geschmacklos. Wir bitten im Gedenken an die richtigen Opfer keine Meldungen über falsche Katastrophen zu verbreiten.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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