91 Todesopfer: Gewaltiges Erdbeben vor der Küste von Mexiko

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Mexiko – Im Süden des Landes hat sich am Freitagmorgen ein sehr schweres Erdbeben ereignet. Zunächst wird es mit Magnitude 8.0 angegeben. Das Epizentrum lag nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) vor der Küste des Bundesstaates Chiapas nahe der Grenze zum Nachbarland Guatemala. Das Geoforschungszentrum Potsdam gibt das Erdbeben ebenfalls mit Magnitude 8.0 an. Mexikanische Behörden sprechen zunächst von Magnitude 8.1.

Das Beben war so stark, dass es in weiten Teilen von Mexiko zu spüren war. Auch Belize, Guatemala, Nicaragua und Honduras sind betroffen. In Mexico-City, etwa 750 Kilometer vom Epizentrum entfernt, waren die Erschütterungen noch deutlich zu spüren. Hochhäuser wurden dort entsprechend der gültigen Sicherheitsprotokolle evakuiert.

Besonders stark war das Erdbeben in Chiapas nahe des Epizentrums. Zeugen melden dort verbreitet Intensität VII oder mehr. Aufgrund der Distanz zwischen Epizentrum und Küste war die Intensität zwar ein wenig abgeschwächt, aber immer noch sehr hoch. Es wurden bereits erste eingestürzte Gebäude gemeldet.

Das Pacific Tsunami Warning Center hat für die Staaten Mittelamerikas und deren jeweiligen Pazifikküsten sowie für Ecuador (Galapagos-Inseln) eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Gewarnt wird vor meterhohen Wellen, die Gebäude beschädigen und Menschenleben gefährden können.

Update 07:16 Uhr
Erste Bilder aus Chiapas

Update 07:24 Uhr
Neben Chiapas war das Erdbeben besonders in Guatemala stark zu spüren. Landesweit haben Menschen in Panik ihre Häuser verlassen. Internet und Telekommunikation sind teilweise zusammengebrochen.

Update 07:26 Uhr
Vor der Küste von Mexiko liegt eine der größten Subduktionszonen weltweit, an der es immer wieder zu teils schweren Erdbeben kommt. Das heutige Erdbeben war das stärkste seit rund 30 Jahren. Im Jahr 1985 hat ein ähnlich starkes Beben in Bundesstaat Michoacan schwere Verwüstungen in Mexico-City angerichtet.

Update 07:30 Uhr
In den Mexikanischen Bundesstaaten läuft zur Zeit die Überprüfung der Infrastruktur auf mögliche Schäden. In vielen wurden noch keine größeren Schäden gemeldet. Betroffen sein vom Erdbeben dürften neben Chiapas auch Veracruz (die zusätzlicher BEdrohung durch Hurrikan Katia ausgesetzt sind), Tabasco und Oaxaca.
In Guatemala melden Behörden, dass in mehreren Orten Gebäude eingestürzt sind. Informationen über menschliche Opfer gibt es noch nicht.

Update 07:34 Uhr
Wie hier in Chichicastenango sind in mehreren guatemaltekischen Städten Häuser bei dem Erdbeben eingestürzt.

Update 07:35 Uhr
Das Pacific Tsunami Warning Center hat seine Tsunami-Warnung spezifiziert.

Entlang der Küste von Mexiko sind demnach über 3 Meter hohe Wellen möglich.
Mit Wellen bis zu einem Meter Höhe ist auf den Cook-Inseln, Kiribati, Ecuador (Galapagos) und Französisch-Polynesien zu rechnen.
Kleine Wellen entsprechend einem Tsunami-Watch sind im gesamten nordöstlichen Pazifik (nördlich von Peru) und auf Hawaii möglich.

Update 07:44 Uhr
Auch in Mexico-City hat das Erdbeben seine Spuren hinterlassen. Der Katastrophenschutz berichtet kleinere Schäden an mehreren Gebäuden der Stadt. Unter anderem soll das Terminal des Flughafens betroffen sein.
Im benachbarten Bundesstaat Puebla sprechen erste Berichte von mehreren eingestürzten Landhäusern, die allerdings in einem schlechten baulichen Zustand waren.

Update 07:46 Uhr
Aufgrund von Erdbebenschäden mussten einige Krankenhäuser in Mexiko und Guatemala evakuiert werden. Andere öffentliche Gebäude wie Schulen und Universitäten bleiben in den am stärksten betroffenen Gebieten bis auf weiteres geschlossen.

Update 07:56 Uhr
Rund eine Stunde nach dem Erdbeben ist noch nichts über mögliche Verletzte, Todesopfer oder die Auswirkungen des Tsunamis bekannt. Da sich das Erdbeben mitten in der Nacht ereignet hat, ist es in den betroffenen Gebieten noch dunkel. Stromausfälle erschweren Rettungsarbeiten zusätzlich.
Es hat bereits mehrere starke Nachbeben über Magnitude 5 gegeben. Nach Hauptbeben dieser Stärke muss wochenlang mit großen Nachbeben gerechnet werden, die auch Magnitude 7 erreichen können.

Update 08:00 Uhr
In Oaxaca zeigen sich auch langsam die Auswirkungen. Folgendes Bild aus dem Bundesstaat zeigt teilweise eingestürzte mehrgeschossige Gebäude.

Update 08:05 Uhr
Das United States Geological Survey hat das Erdbeben nachträglich auf Magnitude 8.1 hochgestuft und die Herdtiefe mit 70 Kilometern ermittelt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit eines destruktiven Tsunamis geringer geworden, aber das Epizentrum lag näher an der Küste, sodass größere und verbreitetere Schäden auftreten können. Die PAGER-Kalkulation des USGS geht von einer vierstelligen Opferzahl aus. 

Update 08:20 Uhr
In Chiapas sollen nach unbestätigten Meldungen zwei Opfer aus den Trümmern eines Gebäudes gezogen worden sein.

Update 08:24 Uhr
Zwei Menschen in Mexico-City wurden bei dem Erdbeben leicht verletzt, als sie in Panik aus ihren Häusern rannten.

Update 08:26 Uhr
In einem eingestürzten, bzw. umgekippten Hotel in Oaxaca sollen mehrere Personen eingeschlossen sein. Über ihren Gesundheitszustand ist nichts bekannt.

Update 08:38 Uhr
Mexikanische Behörden geben recht einheitlich wieder, dass es sich wohl um eine der größten Erdbebenkatastrophen des Landes handeln könnte. Schwere Schäden werden nicht nur verbreitet aus Chiapas und Oaxaca gemeldet, sondern auch aus einzelnen Orten anderer Bundesstaaten. Kleinere Schäden gab es selbst in der Hauptstadt. Wie hoch die Opferzahl am Ende ausfallen wird, ist nicht abzusehen. Es werden auf jeden Fall noch viele Menschen unter eingestürzten Gebäuden vermisst.

Update 08:56 Uhr
Aus dem Bundesstaat Tabasco, von wo bisher erst wenige Meldungen kamen, werden zwei weitere Todesopfer gemeldet. Es soll sich um Kinder handeln, die von einem einstürzenden Haus erschlagen wurden.

Update 09:00 Uhr
Die Großstadt Juchitan im Süden von Oaxaca ist eine der am schwersten betroffenen Orte. Neben dem umgekippten Hotel sind hier zahlreiche mehrgeschossige Gebäude eingestürzt. Überlebende graben teils mit bloßen Händen nach Verschütteten.

Update 09:13 Uhr
Das Militär von Guatemala ist in den am meisten betroffenen Regionen von San Marcos im Einsatz. Dort sind zahlreiche Gebäude eingestürzt, von dutzenden Verletzten ist die Rede, wobei noch keine genauen Zahlen bekannt sind. Ziel des Einsatzes ist zunächst die Bergung von Verschütteten und die Betreuung der Überlebenden.

Update 09:22 Uhr
In Mexiko steigt die Opferzahl weiter. Zwei Todesopfer werden aus kleineren Orten in Oaxaca gemeldet. Auch hier sind einstürzende Häuser die Ursache. Zudem gibt es viele Verletzte.

Update 09:35 Uhr
Die Nachbebenaktivität ist inzwischen relativ gering mit nur einzelnen Beben über Magnitude 4. Größere Nachbeben sind aber weiterhin zu erwarten.
Mit Momentmagnitude 8.1 bis 8.2, je nach Quellenangabe, gehört dieses Erdbeben zu den stärksten jemals in Mittelamerika registrierten Ereignissen. Die genaue Herdtiefe muss noch bestimmt werden. Es ist aber bekannt, dass das Erdbeben nicht direkt auf die Subduktion zurückzuführen ist. Der Bruch entstand innerhalb der subduzierten Platte relativ nahe an der Oberfläche und hat einen Abschiebungsmechanismus. Dies könnte sich mittelfristig auch auf die Subduktionszone auswirken, da diese durch das „Slab Break“-Erdbeben vermutlich zusätzlich unter Spannung gesetzt wurde, was weitere Erdbeben an dieser Stelle wahrscheinlich macht.

Update 09:49 Uhr
Die Auswirkungen des Tsunamis scheinen geringer als zunächst befürchtet. In Mexiko wurde bislang eine maximale Wellenhöhe von nur 101 Zentimetern registriert und damit deutlich unter dem befürchteten Maximum. Zwar ist die Gefahr weitere großer Wellen noch nicht gebannt, die Warnungen gelten entsprechend weiterhin, doch dürfte diese Messung eine erste leichte Entwarnung für entferntere Küstenabschnitte entlang des Pazifiks sein.
Über mögliche Schäden infolge des Tsunamis ist noch nichts bekannt.

Update 10:51 Uhr
Eine erste sehr vorläufige Bilanz des Guatemaltekischen Katastrophenschutzes beziffert die Zahl der zerstörten Gebäude auf 24. Dabei wurden mindestens 85 Personen obdachlos. Die Auswertungen werden speziell nach Tagesanbruch weiter voran schreiten. Zuvor wurde bereits gemeldet, dass in San Marcos mindestens 150 Gebäude leicht beschädigt wurden.

Update 10:57 Uhr
10 Todesopfer konnten bislang aus den eingestürzten Gebäuden in Juchitan, Oaxaca geborgen werden. Damit erhöht sich die Zahl der Erdbebentoten insgesamt auf 16 mit zwei weiteren unbestätigten Opfern in anderen Städten von Oaxaca.

Update 11:28 Uhr
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Update 17:47 Uhr
Nach Tagesanbruch konnten vom Katastrophenschutz viele weitere Opfer geborgen werden. Zur Zeit sprechen die Behörden in Mexiko von bis zu 36 Todesopfern. Allein in Oaxaca sind mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen, sieben weitere in Chiapas.
Das gesamte Ausmaß der Schäden ist weiterhin unklar. Vermutlich sind mehrere zehntausend Menschen vom Erdbeben betroffen. Allein im benachbarten Guatemala sollen es 2200 sein.

Weiterhin auffällig an diesem Erdbeben ist die vergleichsweise geringe Nachbebenaktivität. Zwar gab es in den letzten Stunden einige Nachbeben über Magnitude 5, teils auch im oberen Bereich. Doch sind auch immer wieder Phasen dazwischen, in denen es kaum Nachbeben gibt. Große Nachbeben über Magnitude 6, wie sie zu erwarten wären bei dieser Magnitude, fehlen bislang. Grund dafür ist der bereits vorher angesprochene Bruchvorgang bei diesem Erdbeben. Während die meisten Beben in Mexiko direkt an der Subduktionszone entstehen, brach hier eine Störung im subduzierten Plattensegment auf. Dieser Bruchvorgang verlief relativ reibungslos, sodass vergleichsweise wenig Restspannung übrig bleibt. Hinzu kommen die geophysikalischen Eigenschaften des Gesteins in der Tiefe, die eine größere Ausbreitung der Nachbeben auf benachbarte Gesteinsschichten und -störungen verhindern.

Update 9. September, 09:37 Uhr
Zum besseren Umgang mit der Erdbebenkatastrophe hat der mexikanische Präsident in den betroffenen Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca den Notstand ausgerufen. In beiden Staaten sind rund eine Million Menschen vom Erdbeben betroffen. Eine vorläufige Schadensbilanz aus Chiapas gibt mindestens 2000 beschädigte und rund 500 zerstörte Gebäude an. Hinzu kommen Schäden an Krankenhäusern und Straßen. Mindestens 10 Menschen sollen in Chiapas ums Leben gekommen sein, aber es gibt noch Meldungen von Vermissten. Rund 200 Menschen wurden verletzt.
In Oaxaca sieht die Lage noch dramatischer aus, auch wenn noch keine Bilanz vorliegt. Allein in der Großstadt Juchitan sind mehr als 7000 Gebäude vom Erdbeben beschädigt oder zerstört. 37 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, es werden noch weitere vermisst.
Insgesamt liegt die Zahl der Todesopfer in Mexiko zur Zeit bei 61. Diese wird wahrscheinlich noch weiter steigen.
Die Regierung hat speziell den Opfern in Oaxaca Hilfsgüter zur Verfügung gestellt. Mexikaner wurden dazu aufgerufen, für ihre betroffenen Landsleute zu spenden. Auch Hilfen aus dem Ausland werden erwartet.

Es war das stärkste Erdbeben in Mexiko seit knapp einem Jahrhundert. Weiterhin muss mit starken Nachbeben gerechnet werden. Das stärkste bislang erreichte Magnitude 5.7.

Update 11. September

Mehr in Kürze…

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 8. September, 06:49 Uhr

Magnitude: 8.1

Tiefe: 70 km

Spürbar: Ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: Ja

Opfer erwartet: Ja

Ursprung: Tektonisch

Tsunami-Gefahr: Aufgehoben: Pazifikküste Mittelamerika (Mexiko bis Ecuador)

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.


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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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