Moderates sehr seltenes Erdbeben im Nordosten der Ukraine – Gebäude in Poltawa beschädigt

Am Morgen ereignete sich ein moderates, sehr seltenes Erdbeben Im Nordosten der Ukrain. Es trat um 6.56 Uhr MEZ auf und hatte, nach übereinstimmenden Angaben von Geofon und der russische Erdbebenbehörde Magnitude 4.5. Das Epizentrum lag an der Grenze der Regionen Poltawa und Sumy nahe Russland, etwa 270 km östlich der Hauptstadt Kiew und 150 km nordwestlich von Charkiw.
Erdbeben dieser Stärke treten in dem Bereich der Ukraine sehr selten auf. Meist handelt es sich dabei um induzierte Beben (durch Bergbau, etc). Über den Ursprung des aktuellen Bebens ist zur Zeit nichts bekannt. Meldungen zu Schüttergebiet und Schäden sind ebenfalls noch nicht vorhanden. In der Regel treten bei flachen Erdbeben dieser Stärke (in diesem Fall wurde die genaue Tiefe noch nicht ermittelt) einige Schäden an Gebäuden mit schwacher Bauweise auf, wozu vor allem Häuser in den ländlichen Regionen aller osteuropäischen Länder zählen.

Anzeige

Update 14.24 Uhr
Nach Angaben ukrainischer Medien verursachte das Erdbeben einige Schäden in umliegenden Dörfern. Demnach bildeten sich große Risse in vielen Mauern und Dächern. Schornsteine seien eingestürzt. Das Beben verursachte Panik unter der Bevölkerung, die meisten Menschen verließen ihre Häuser. Viele Bewohner wussten zuerst nicht, dass es sich um ein Erdbeben handelt und dachten an Explosionen oder ähnliches als Ursache für die starke Erschütterungen. Dies kann auf jeden Fall ausgeschlossen werden.
Ob das Erdbeben natürlichen Ursprungs ist, oder durch menschliche Aktivitäten wie Bergbau induziert wurde, wird zur Zeit von Forschern es Geologischen Dienstes in Kiew, der das Beben mit M4.6 angibt, untersucht. In der Region Poltawa hat es in historischer Zeit keine nennenswerten Erdbeben gegeben. Vor allem russische Medien spekulieren daher über ein induziertes Erdbeben.

Auch wenn Erdbeben sehr selten sind, und in historischer Zeit nicht auftraten, bedeutet es nicht, dass es absolut keine Erdbeben gibt. Allgemein gilt das nördliche Osteuropa als sehr erdbebensicher. Einzelfälle mit verheerenden Auswirkungen gab es aber wieder. So zum Beispiel bei einem Erdbeben im Jahr 1230 in Weißrussland oder beim M4.7 in Estland im Jahr 1976.

Anzeige

Ukraine

The following two tabs change content below.

Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

Neueste Artikel von Jens Skapski (alle ansehen)

3
Hinterlasse einen Kommentar

Bitte Anmelden um zu kommentieren
0 Kommentar Themen
0 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
0 Kommentatoren
Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei