Adventskalender: Das Magdeburg-Erdbeben 1409

Schon vor Beginn der instrumentellen Erdbebenüberwachung in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts hat es in der Bundesrepublik immer wieder größere Erdbeben gegeben. Viele blieben aufgrund der verursachten Schäden und anderer Effekte dank Chronisten in Erinnerung.
Zur Adventszeit werfen wir einen Blick in die Erdbebenvergangenheit von Deutschland und stellen jeden Tag bedeutende Ereignisse aus der vorinstrumentellen Ära vor. 

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3. Dezember: Das Magdeburg-Erdbeben 1409

In historischer Zeit haben sich in Norddeutschland nur wenige größere Erdbeben ereignet. Auch in moderner Zeit gab es nur wenige Anzeichen tektonischer Aktivität, besonders im Nordosten. Wenige dort aufgetretene Erdbeben werden überwiegend dem Abschmelzen der Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit und damit verbundenen Landhebungen und -senkungen zugeschrieben. Anders als in Skandinavien, wo in den vergangenen 10.000 Jahren Beben bis Magnitude 8 die Folge waren, zeigten sich die Auswirkungen dieser Prozesse südlich der Ostsee eher moderat.

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Auch das Erdbeben im Jahr 1409 im Raum Magdeburg könnte diesen Prozessen zuzuschreiben sein, wobei ein Nachweis dafür nicht zu erbringen ist. Es ist zudem das einzige bekannte Erdbeben überhaupt in dieser Region.
Doch lassen die Chroniken viele Fragen zu diesem Ereignis offen, die auch neuere Studien nicht zweifelsfrei beantworten konnten.

So lauteten die ursprünglichen Schlüsse, dass ein Erdbeben im August 1409 mit Epizentrum in der Prignitz in weiten Teilen Nordostdeutschlands zu spüren war, stark in Magdeburg, schwach unter anderem in Lübeck und anderen Küstenstädten. In der vermeintlichen Epizentralregion zwischen Wittstock und Havelstein habe es schwere Gebäudeschäden gegeben.
Zudem erwähnen die Überlieferungen ein weiteres Erdbeben im Jahr 1412, andere wiederum einen schweren, zerstörerischen Sturm (Tornado).

Auswertungen der Quellensituation und Analysen der vermeintlichen Erdbebenschäden von damals an noch existierenden Kirchen lassen jedoch den Schluss zu, dass Wittstock und Havelstein nicht von einem Erdbeben beschädigt wurden. Wenig Zweifel besteht allerdings an einem wahrnehmbaren Erdbeben in Magdeburg und Umgebung am 24. August 1409. Berichte über ein Erdbeben in den folgenden Jahren (1410 oder 1412) seien aber eher einem schweren Unwetter zuzuschreiben, ebenso die angeblichen Schäden des Bebens 1409. Ob das Magdeburger Erdbeben bis an die Ostseeküste zu spüren war, oder auch hier Verwechslung mit einem Sturm auftrat, bleibt offen.

Somit ist das Magdeburger Erdbeben 1409 zwar nicht als Schadensbeben zu werten, doch ist es das größte Erdbeben in historischer Zeit in Nordostdeutschland und steht stellvertretend für die extrem geringe, aber überall in Nord-/Ostdeutschland vorhandene Wahrscheinlichkeit eines spürbaren Erdbebens.

(Geschätzte) Angaben zum Erdbeben 1409
Datum: 24. August 1409
Momentmagnitude: 4.0
Maximalintensität: IV
Schäden: Nein
Opfer: Nein
Verortungen des Epizentrums (hohe Unsicherheit):

Literatur:
Grünthal, G., & Meier, R. (1995). Das “Prignitz”-Erdbeben von 1409. Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, 2(2), 5-27.
Leydecker, G. (2011).
 Erdbebenkatalog für Deutschland mit Randgebieten für die Jahre 800 bis 2008.
Meier, R., & Franzke, H. J. (1995). Das Erdbeben ‘‘Prignitz 1409’’im Lichte der tektonischen Analyse des Ruptursystems in der Pfarrkirche zu Wittstock. Brandenb Geowiss Beitr2, 33-46.
Sieberg, A. (1940). Beiträge zum Erdbebenkatalog Deutschlands und angrenzender Gebiete für die Jahre 58 bis 1799. na.
Wahlström, X. Y., & Bock, G. (2007). Die Erdbeben mit Momentmagnituden von 3, 1-4, 7 in Mecklenburg-Vor-pommern und im Kaliningrader Gebiet in den Jahren 2000, 2001 und 2004.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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