Adventskalender: Das Mosel-Erdbeben 1565

Schon vor Beginn der instrumentellen Erdbebenüberwachung in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts hat es in der Bundesrepublik immer wieder größere Erdbeben gegeben. Viele blieben aufgrund der verursachten Schäden und anderer Effekte dank Chronisten in Erinnerung.
Zur Adventszeit werfen wir einen Blick in die Erdbebenvergangenheit von Deutschland und stellen jeden Tag bedeutende Ereignisse aus der vorinstrumentellen Ära vor. 

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4. Dezember: Das Mosel-Erdbeben 1565

Im Gegensatz zum Rhein gehören viele der Gebiete entlang seiner Nebenflüsse zu den Regionen, in denen selten ein spürbares Erdbeben seinen Ursprung hat. Von allen linksrheinischen Zuflüssen ist die Mosel wohl einer der bekanntesten. In den Erdbebenkatalogen dieses Landes taucht die Region aber kaum auf. Tendenziell nimmt die Zahl der Erdbeben an der Mosel mit jedem Kilometer stromaufwärts ab, während das Mündungsgebiet bei Koblenz noch zu einer der seismisch aktivsten Regionen Deutschlands gehört.

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So steht auch das Schadenbeben im Jahr 1565 im mittleren Moseltal in der Geschichte alleine dar und es dürfte sich um das stärkste Erdbeben im westlichen Rheinland-Pfalz gehandelt haben, wobei auch neuere Studien eine genaue Einschätzung der Stärke noch nicht ermöglichten.
In den Chroniken werden vor allem die Orte Zell und Alf an der Mosel, etwa 20 Kilometer östlich von Wittlich, mit diesem Erdbeben in Verbindung gebracht. Dort seien die Erschütterungen stark verspürt worden und haben Schornsteine und Dachbedeckungen einstürzen lassen. Das Schüttergebiet umfasste ebenso weite Teile von Eifel und Hunsrück, sowie den Rheingau, jedoch ohne dort zu Schäden zu führen.

Ursprüngliche Analysen ermittelten für das Erdbeben den Intensitätswert VII, daraus resultierend etwa Magnitude 5.1, was sich nach neuerer Betrachtung aber nicht mit den überlieferten Schäden vereinbaren lässt. Wahrscheinlicher erscheint Intensität VI im Raum Zell und eine Magnitude unter 5. Ob das Epizentrum auch dort zu verorten ist, oder möglicherweise weiter südlich im Hunsrück gelegen hat, lässt sich bisher nicht abschließend ermitteln.

So ist dieses Erdbeben eines der vielen Beispiele von recht großen Schadenbeben in Regionen mit sehr niedriger seismischer Aktivität.

(Geschätzte) Angaben zum Erdbeben 1565
Datum: 08. Februar 1565
Momentmagnitude: 4.5 bis 5.0
Maximalintensität: VI (bis VII?)
Schäden: Ja
Opfer: Nein
Verortungen des Epizentrums (hohe Unsicherheit):

Literatur:
Grünthal, G. & Fischer, J. (1999). Zwei vermeintliche Schadenbeben in den Jahren 1565 und 1595 bei Zell an der Mosel. Mainzer Naturwiss Arch37, 12-19.
Leydecker, G. (2011). Erdbebenkatalog für Deutschland mit Randgebieten für die Jahre 800 bis 2008.
Sieberg, A. (1940)
. Beiträge zum Erdbebenkatalog Deutschlands und angrenzender Gebiete für die Jahre 58 bis 1799. na.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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