Kräftiges Erdbeben in Polen

Polen – Ein kräftiges Erdbeben hat am Dienstagmittag die Bergbauregionen im Südwesten Polens erschüttert und war sogar noch in Teilen Deutschlands zu spüren. Nach vorläufigen Angaben des Geoforschungszentrum Potsdam erreichte das Erdbeben Magnitude 4.7. Die private Webseite ALomax ermittelte zunächst Magnitude 5.1. Damit ist es eines der stärksten jemals in der Region aufgezeichneten Erdbeben. Das Epizentrum lag demnach 90 km nordöstlich von Görlitz (Sachsen) nahe des Ortes Polkwitz, wo es aufgrund der intensiven Bergbautätigkeit immer wieder zu teils größeren Erdbeben kommt. Erst am 12. Januar hat ein Beben der Stärke 3.9 in der Region zu einem tödlichen Grubenunglück geführt.

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Aufgrund der geringen Herdtiefe, die bei bergbauinduzierten Erdbeben üblich ist, sind auch an der Oberfläche größere Schäden in der näheren Umgebung des Epizentrums möglich. Auch ein erneuter Einfluss auf den Bergbaubetrieb ist möglich. Zur Zeit liegen noch keine Meldungen über mögliche Schäden vor.

Wie uns Zeugen mitteilten waren die Erschütterungen des Erdbebens im Osten von Sachsen vereinzelt zu spüren, möglicherweise auch in Teilen von Brandenburg. Erste Meldungen erhielten wir unter anderem aus Görlitz. Schäden in Deutschland infolge des Erdbebens sind nicht zu erwarten. Zuletzt war am 20. Juli 2018 ein ähnlich starkes Erdbeben aus Polen in Teilen der Lausitz zu spüren. Aufgrund der Distanz zum Epizentrum werden diese Beben vor allem in den oberen Stockwerken von Gebäuden wahrgenommen.

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Update 14:35 Uhr
Nach manueller Auswertung des Ereignisses gibt das Geoforschungszentrum Potsdam das Erdbeben nun mit Magnitude 4.6 an.

Update 14:46 Uhr
Seismologische Auswertungen zeigen, dass bei dem Erdbeben vor allem langwellige Erdbebenwellen abgestrahlt wurden. Diese verringern aufgrund ihres physikalischen Charakters die Maximalintensität des Bebens am Epizentrum, was zu weniger Schäden an der Oberfläche führt, können aber unter Umständen auf recht große Distanzen schwach verspürt werden. Aktuell erhielten wir die vom Epizentrum entfernteste Wahrnehmungsmeldung aus der Lausitz, angeblich soll das Beben aber auch in einigen Gebäuden in Dresden verspürt worden sein.

Update 15:46 Uhr
Wie der RBB auf Twitter meldet, hat das Erdbeben möglicherweise zu einen Erdrutsch geführt. Bei Tschernitz im Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) sackte demnach die Erde an einer alten Grube auf einer Länge von rund 100 Metern ein. Dabei wurde ein 53-jähriger mitgerissen und getötet. Ein Zusammenhang zwischen Erdbeben und Erdrutsch ist bisher noch nicht bestätigt.

Update 16:40 Uhr
Wie die Feuerwehr von Polkwitz (Polkowice) berichtet, führte das Erdbeben im Bergwerk Rudna zu einem Unfall, bei dem mindestens drei Bergleute verletzt wurden. Weitere Informationen liegen zur Zeit noch nicht vor. Zuvor wurde berichtet, der Kontakt zu 10 zur Zeit des Bebens im Bergwerk arbeitenden Personen sei abgebrochen. Insgesamt seien 30 Menschen zur Zeit des Bebens unter Tage gewesen. Rettungskräfte sind vor Ort und überprüfen die Situation.

Update 17:24 Uhr
Der RBB hat bestätigt, dass zwischen dem Erdrutsch in Brandenburg und dem Erdbeben kein Zusammenhang besteht.

Update 19:01 Uhr
Rettungskräfte konnten inzwischen die meisten der vermissten Bergleute finden. Eine Person wird weiterhin vermisst. Sieben Bergleute wurden bei dem Erdbeben leicht verletzt. Auch die anderen wurden sicherheitshalber medizinisch untersucht.

wird aktualisiert, sobald weitere Informationen vorliegen…

Zeugenmeldungen
Görlitz (Sachsen)
Ich sitze auf dem Sofa am 29.01.2019 gegen 13:52 Uhr, und spüre wie sich leicht der Boden bewegt. Wie ein leichtes Schwanken von links nach rechts. Etwa für geschätzt 10 Sekunden mit nachlassender Intensität. (Intensität III)

Seifhennersdorf (Sachsen)
29.01.2019 gegen 13:54 Uhr, Wohnung im 1. Stock, wackelte hier das ganze Haus, erst ein ganz leichtes Grollen, und es war als ob der Sessel leicht in und her vibriert, dann starkes Grollen – die Schrankwand „knarzte“ und es wackelte deutlich spürbar. (Intensität IV)

Zawidow (Niederschlesien)
13:52 Leichtes schwanken, lange Welle, eine mir nicht bekannte Sinneserfahrung. Ich saß gerade vor meinen Computer im zweiten Stock. Meine Lebensgefährtin im ersten Stock und Tochter hatten es nicht gemerkt. Meereshöhe hier ca 250m. (Intensität IV)

Oberfrauendorf (Sachsen)
gegen 14:00 Uhr (Intensität II)

Dresden (Sachsen)
Ich saß zufällig lesend auf dem Fußboden meiner Wohnung, als ich gegen 13:50 ein Vibrieren des Bodens bemerkte, sowie die Gläser in der Vitrine leicht durch die Vibration begannen zu klirren. Dies dauerte schätzungsweise 10- 15 Sekunden an. Zuerst dachte ich, die Waschmaschine meines Nachbarn würde schleudern, aber dies konnte ich danach ausschließen. Ich googelte gleich darauf nach aktuellen Erdbeben- News doch fand nichts.
Nun 4h später las ich soeben in den Nachrichten von dem schweren Erdbeben in Polen und kann noch gar nicht so recht fassen, dass mein Gespür mich nicht getäuscht hatte. (Intensität III)

Bautzen (Sachsen)
Am 29.1.19 kurz vor 14 Uhr bemerkte ich Erschütterungen der Hauswand und die sich daran im Wohnzimmer befindliche stabile Schrankwand begann im oberen Bereich hin und her zu wackeln, was ich ganz deutlich sah. Nach geschätzt einigen Sekunden hörte es wieder auf. (Intensität III)

Löbau (Sachsen)
29.01.2019 13:50
Ich war im Erdgeschoss, habe mich ins Bett gelegt und nach eine weile habe gemerkt, dass Bett kurz geschüttert hat. Erbeben war sehr schwach und kurz bis max. 5 Sek. nicht länger, habe erst nicht war genommen, später hat mir ein Bekannte das gleiche gesagt und am Abend habe erfahren, dass im Polen ein Erdbeben war. (Intensität II)

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

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Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 29.01.19, 13:53 Uhr

Magnitude: 4.6

Tiefe: 1 km

Maximalintensität (geschätzt): in Deutschland: II bis III; Epizentrum: VII

Schütterradius (geschätzt): 100 km

Schäden erwartet: ja

Ursprung: induziert (Bergbau)

Lage des Epizentrums


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Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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Hier im Südosten von DD nur ein ganz kleiner Ausschlag auf meinem Geophone-Seismometer (10Hz-Geophone/Filter 0.05…10Hz).