Leichtes Erdbeben (M2.9) in Kobern-Gondorf

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ShakeMap (Berechnete Intensität des Erdbebens in Kobern-Gondorf und Umgebung):


Epizentrum, ShakeMap und historische Erdbeben der Region auf interaktiver Karte anzeigen

Was ist passiert:

Ein Erdbeben in der Eifel hat am frühen Morgen einige Menschen aus dem Schlaf gerissen. Das Epizentrum des Erdbebens lag nach vorläufigen Auswertungen des Landesamtes für Geologie und Bergbau (Erdbebendienst Südwest) in Kobern-Gondorf im Kreis Mayen-Koblenz. Demnach erreichte das Beben Magnitude 2.9. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie lokalisierte das Erdbeben ebenfalls und ermittelte Magnitude 3.0 bei einem Epizentrum etwas nördlicher in Ochtendung. Beide Auswertungen müssten noch überprüft werden.

Die Erschütterungen des Bebens waren verbreitet in der Osteifel und im Neuwieder Becken zu spüren, unter anderem noch in Koblenz und vermutlich auch noch vereinzelt im Westerwald sowie entlang des Mittelrheins. Schäden infolge des Bebens sind aber nicht zu erwarten. Im direkten Umfeld des Epizentrum waren die Erschütterungen aber sehr deutlich wahrnehmbar. Es ist eines der stärksten Erdbeben in der Region in den letzten Jahren und bisher das stärkste Beben in Deutschland im Jahr 2023.

Das Erdbeben geht auf die sogenannte Ochtendung-Störungszone zurück, die sich vom Laacher See im Nordwesten bis nach Kobern-Gondorf im Südosten zieht. An ihr kommt es mehrmals im Jahr zu spürbaren Erdbeben, teils auch zu kleineren Schwärmen. Die seismische Aktivität dort geht wahrscheinlich auf ein Zusammenspiel aus tektonischen und magmatischen Prozessen zurück. Vulkanische Gase und Fluide, die innerhalb der Störungszone aufsteigen, führen zur Freisetzung von Spannung. In tieferen Stockwerken der Störung wurden in der jüngeren Vergangenheit zudem sogenannte DLF-Erdbeben nachgewiesen, die direkt durch den Druck der Fluide entstehen. Die genauen Zusammenhänge sind weiterhin Gegenstand der Forschung.

Update 08:13 Uhr: Kleines Nachbeben

Vor wenigen Minuten hat sich ein leichtes Nachbeben ereignet. Dieses wurde vom Hessischen Landesamt (HLNUG) registriert und vorläufig mit Magnitude 1.4 bestimmt. Beben dieser Stärke sind in der Regel nicht spürbar. Bereits drei Minuten nach dem Hauptbeben kam es zu einem Nachbeben mit Magnitude 1.0. Auch Vorbeben am Montagabend wurden aufgezeichnet.

Update 09:30 Uhr: Zusammenfassung und Auswertung

Es war das bisher stärkste Erdbeben in Deutschland im Jahr 2023. Das Landesamt für Geologie und Bergbau hat nach manueller Auswertung eine Magnitude von 2.9 ermittelt. Die Tiefe lag bei 12 Kilometern. Entsprechend waren auch die Erschütterungen teils deutlich zu spüren. Aus der Epizentralregion aber auch aus dem Neuwieder Becken werden verbreitet Intensität III gemeldet, vereinzelt IV. Jedoch gibt es große lokale Unterschiede, auch wegen der Uhrzeit. Die meisten Anwohner haben das Beben einfach verschlafen. Die, die wach waren, haben es wegen der fehlenden Hintergrundgeräusche (Straßenverkehr, etc.) sehr deutlich verspürt.

Auch über das Neuwieder Becken hinaus war das Beben zu spüren. Einzelne Meldungen (II) gibt es aus Montabaur und Dierdorf im Westerwald. Nach Westen bildet Kaisersesch die Grenze der Wahrnehmung. Ob und wie weit das Beben im Mittelrheintal verspürt wurde, ist aufgrund fehlender Meldungen unklar. Das berechnete Schüttergebiet umfasst auf jeden Fall noch Bad Breisig im Norden und St. Goar im Süden. Fraglich ist jedoch, wie viele Anwohner tatsächlich mitten in der Nacht solch schwache Erschütterungen verspüren.

Das Beben wurde begleitet von einer recht aktiven Vor- und Nachbebenserie. Dabei gibt es aber klare Unterschiede zwischen beiden:
Die Vorbebensequenz setzte bereits am Montagabend ein und produzierte einen kurzen Schwarm von Mikrobeben. Solche Erdbebenschwärme sind in der Regel das Produkt von Fluiden oder Gasen, die durch die Erdkruste strömen und so das Gestein zum Rutschen bringen. Es ist wahrscheinlich, dass diese Fluide auch das Hauptbeben getriggert haben.

Denn bereits nach drei Minuten kam es zu einem ersten lokalisierten Nachbeben mit Magnitude 1. Mehrere weitere kleine unmittelbar zuvor und danach. Diese Häufung spricht ebenfalls für den Einfluss von Fluiden. Ein weiteres Nachbeben mit Magnitude 1.4 ereignete sich um 08:05 Uhr. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Stunden weitere Nachbeben folgen. Ebenso ist es möglich, dass die Nachbeben so stark werden, dass sie verspürt werden können.

Das Erdbeben entstand an der bekannten Ochtendung-Störung, die vom Laacher See bis nach Kobern-Gondorf verläuft. Diese ist seismisch sehr aktiv und es kommt immer wieder zu spürbaren Erdbeben. Dass Fluide magmatischen Ursprungs regelmäßig Einfluss auf die Störungszone nehmen, ist bekannt. Tiefe, magmatische Erdbeben werden gelegentlich registriert. Flache Beben wie das aktuelle sind deutlich häufiger. Wie groß der Einfluss von magmatischen Fluiden und Gasen auf die flachen Beben ist und wie viel Tektonik beeinflusst, ist noch Gegenstand der Forschung.

Was aber sicher ist: Erdbeben wie heute gibt es in der Region seit Jahrhunderten. Auch kurzzeitige Häufungen und Schwärme sind bekannt. Das, was wir aktuell erleben, ist also völlig normal und Teil der Hintergrundaktivität des vulkanisch und tektonisch aktiven Gebietes Osteifel.

Zeugenmeldungen

Münstermaifeld
18.04.2023, 3:24 Uhr
Die Wände und der Boden haben für ein paar Sekunden (3 bis 5) gebebt. Zusätzlich hat es draußen ein tiefes „Grummeln“ gegeben. (Intensität III – IV)

Koblenz
3:23
Kurze Erschütterung (Intensität II – III)

Wolken
18.4.2023
Um 3:24 Uhr wackelte das Haus für ca. 2 Sekunden. (Intensität III)

Mülheim-Kärlich
18.04.2023, 3:24 Uhr
Paar Sekunden. Erst ein Rumoren, dann ein wackeln. Schätze 3-4 …. (Intensität II)

Forst
18.04.2023 ca 3:25 Uhr
Kurze Erschütterung (Intensität III)

Kettig
17.04.23. 03.28 uhr
Aus dem Schlaf erwacht , lautes Grollen, wackeln vom Bett ca. 15 Sekunden,ich selbst habe mich bewegt durch die Erschütterung (Intensität III – IV)

Urmitz
18. April, 2023 ca. 3.30
Aufenthaltsort: Untergeschoss, aber Wände und selbst die Heizung haben gebebt. Jedoch sehr kurz. Keine halbe Minute. (Intensität III – IV)

Mülheim-Kärlich
18.04.2023 / 03:23:59 bis 03:24:03
Meldung:
leichtes Erdbeben Rheinland-Pfalz / Neuwieder Becken / 56218 Mülheim-Kärlich Dienstag, 18.04.2023 / von 03:23:59 bis 03:24:03 (Endzeitpunkt auf Funkuhr abgelesen, Dauer geschätzt)
auf- und abschwellendes Brummen/Grollen, dazu spürbare Erschütterung

Ich wohne in einem Steinhaus (Bims) im Dachgeschoß (Ausbau mit Holzwänden). Ich war eine unbekannte Zeit vorher wachgeworden, weil der Dachstuhl knackte. Das passiert öfter, besonders bei Windböen; ich drehte mich um und wollte weiterschlafen, lag noch etwas wach. Dann fand das Erdbeben statt. Obwohl ich im Bett lag (weiche Unterlage), spürte ich die Erschütterung deutlich. Ein leichtes Rütteln, dazu der bekannte Brummton. Das Holz im Dachstuhl knisterte.

Die Stärke nach der unten angezeigten Liste stufe ich als „Intensität IV“ ein.

Schäden am Haus gibt es keine. Es ist ruhig im Ort, kein Licht in der Nachbarschaft. Ein hier übliches Beben, nach längerer Zeit mal wieder, es war ziemlich ruhig in den letzten Jahren. 

Koblenz
18.4. Um 3:23
Wurde wach von einem kurzen heftigen Rucken wie eine Welle. (Intensität III)

Mülheim-Kärlich
18.04. ca. 3.23 Uhr
Habe auf dem Sofa gelegen und Fernsehen geschaut. Das ganze Sofa hat gewackelt. 1-2 Sekunden (Intensität III – IV)

Neuwied
18.04.2023 03:23
Kurze gewackelt/vibriert. Lag wach im Bett im 2. Stockwerk. (Intensität III)

Kettig
18.04.2023
Kurz wach geworden durch Rumoren, ganz geringe Erschütterungen wahrgenommen. (Intensität II)

Dreckenach
3:20
Tiefes grollen, leichte Erschütterung (Intensität III)

Mülheim-Kärlich
18.04.2023, 3:23 Uhr
Das Beben war spürbar und der Kleiderschrank hat laut geknackt. (Intensität III)

Andernach-Südstadt
18. April 2023, 03:24 Uhr
Kuze, starke Vibration und ein brummendes Geräusch für wenige Sekunden im Obergeschoss. (Intensität III – IV)

Saffig
18.03.2023; 03:26
Es gab einen hörbaren dumpfen Knall von dem ich aufgewacht bin. Parallel dazu fing die Erde deutlich spürbar zu erzittern für ca. 2-3 Sekunden (Intensität III – IV)

Mülheim-Kärlich
18.04.2023 ca. 3:23 Uhr
wurde aus dem Schlaf gerissen durch ein tiefes Grollen. Haus und Fensterglas vibrierte Millisekunden. (Intensität II – III)

Neuwied
18. April, 03:23 Uhr
Ich bin aufgewacht und habe ein entferntes Grollen wahrgenommen, dass näher zu kommen schien. Nach wenigen Sekunden spürte ich deutliche Vibrationen, die nur etwa 2-3 Sekunden anhielten. Danach gab es noch etwa 5-7 Sekunden lange schwache, kaum wahrnehmbare Vibrationen.
(Intensität III)

Bassenheim
18.04.2023 03:23Uhr
Es gab einen dumpfen Knall, dann rumpelte es und das ganze Haus vibrierte und wackelte leicht. (Intensität III – IV)

Niederlahnstein
18.4.2033
3.23 Uhr, lautes knacken im 1. Stock, heftiger ruck des Hauses und des Bettes. (nicht klassifizierbar)

Plaidt
18.04.2023, ca 3:23 uhr
ein dupmfer Knall, danach ein kurzes, leichtes Beben (Intensität III)

Betroffene Städte, Orte

Stadt Land Intensität (EMS-98) Bewohner Entfernung Epizentrum (km) Beschreibung
Bassenheim DE 3.3 3000 2.5 leicht spürbar
Dieblich DE 3.2 2000 3.7 leicht spürbar
Ochtendung DE 3.2 5000 4.2 leicht spürbar
Lonnig DE 3.2 1000 4.2 leicht spürbar
Wolken DE 3.2 1000 2.0 leicht spürbar
Köln DE 0.0 963000 74.6 nicht spürbar
Karlsruhe DE 0.0 284000 163.5 nicht spürbar
Hagen DE 0.0 199000 113.6 nicht spürbar
Eindhoven NL 0.0 210000 184.5 nicht spürbar
Oberhausen DE 0.0 219000 133.0 nicht spürbar
Aktuelles aus der Region  Leichtes Erdbeben (M2.0) in Burladingen

Seismogramme


Wie man mit einem eigenen Seismometer zur Erdbebenregistrierung beitragen kann: Mehr dazu hier.

Zusammenfassung der Erdbebendaten:

Wie verhalte ich mich im Falle eines schweren Erdbebens?

FAQ: Wie entstehen Erdbeben? Wo kommen sie vor? Wann sind Erdbeben gefährlich?

Erdbebenmessung im Wohnzimmer: Professionelle Seismometer für Experten und Laien (Gesponsert)

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit / Time (CET): 18. April, 03:23

Magnitude: 2.9

Tiefe / Depth: 10 km

Spürbar / Felt: ja / yes

Schäden erwartet / Damage expected: nein / no

Opfer erwartet / Casualties expected: nein / no

Ursprung / Origin: tektonisch

Tsunami: nein

Quellen (Erdbebendienste) zu allen Erdbebendaten / List of global earthquake surveys

See also: The most complete compilation of earthquake losses and casualties: Earthquake Impact Database

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    Erdbebendaten: LGB

    Statistik:

    Seit 1950 gab es in der Region (Rheinland-Pfalz und Umgebung) etwa 27 Erdbeben, die stärker waren als Magnitude 4 (Daten: USGS). Durchschnittlich gibt es in der Region (Deutschland und Umgebung) 0.47 Erdbeben der Magnitude 4 oder höher pro Jahr. Beben dieser Stärke haben somit eine durchschnittliche Wiederkehrperiode von etwa 2.1 Jahren (25 Monaten).

    Übersicht der stärksten Erdbeben in Kobern-Gondorf und Umgebung

    Jahr Intensität
    1673 7.0
    1780 7.0
    1846 7.0
    1892 7.0
    1869 6.5
    1565 6.0
    1620 6.0
    1807 6.0
    1928 6.0
    1939 5.5

    *Daten: Erdbebenkatalog Leydecker (Spürbare Erdbeben in Deutschland und Umgebung, 800 – 2012), seit 2013: erdbebennews.de