Montana-Erdbeben und der Yellowstone-Vulkan

Erdbeben in Montana – eine sehr dünn besiedelte Gegend, es gab nur wenige Schäden. Man sollte nicht meinen, dass dieses Ereignis außerhalb der USA hohe Wellen schlägt. Doch die Fähigkeit des Internets, dummes Zeug hervorzubringen, wurde da wohl unterschätzt. Schließlich liegt ja der Yellowstone-Supervulkan in der Nähe. Ein Kommentar.

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Leider braucht es nicht viel, um online eine gewisse Hysterie zu erzeugen. Ein Supervulkan ist die erste Grundzutat. Das existierende Sommerloch, durch das alle paar Wochen „neue Studien“ auftauchen, die belegen sollen wie gefährlich das Teil ist, verleihen zusätzliche Würze. Haben sie ja schon beim jüngsten Erdbebenschwarm, der überdurchschnittlich aber auf keinen Fall ungewöhnlich oder gar vulkanisch bedingt war, gute Arbeit in der Panikfabrik geleistet.

Nun Erdbeben in Montana. 300 km vom großen bösen Vulkan entfernt. Und die Internetgemeinde rennt wie eine Schar kopfloser Hühner in die drohende Apokalypse, die ganz sicher schon morgen beginnen wird.
Zumindest nach deren Aussagen.

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Leider für all die Leute, die mit dieser Panik mächtig Profit rausholen wollen (speziell YouTuber, Blogger und seelenlose Journalisten), ist dieses Montana-Erdbeben dem Yellowstone-Vulkan so scheiß egal wie ein Regenschauer über Berlin.

Schauen wir in die Vergangenheit. 1958. Erdbeben der Stärke 7.3 in Montana. Nicht im weit entfernten Helena, sondern direkt am Rand des Nationalparks. Für seine Größe entsprechend kam es zu vielen Schäden. Erdrutsche. Erdrisse. Leider auch zu 28 Todesopfern. Was nicht folgte war eine Reaktion des Killervulkans.

Warum nicht? Wenn ein deutlich schwächeres Erdbeben weiter weg laut den Panikprofis eine große Eruption triggert, dann doch sicher auch so ein starkes.

Antwort: Weil ein Vulkan keine Seifenblase ist, die einmal platzt, wenn sich irgendwas in der Umgebung ändert! Bis es zu einer Eruption kommt, braucht es verschiedene Dinge, die zusammen kommen müssen.
Man braucht Magma in der richtigen Zusammensetzung, sodass ein Aufstieg möglich ist. Man braucht immense Drücke, die den Aufstieg am Ende initiieren und auch das Potential für große Eruptionen geben. Man braucht auf jeden Fall mehr als ein Erdbeben. Ja, es gibt Studien, die einen Zusammenhang zwischen großen Erdbeben und Vulkanausbrüchen herstellen, keine Frage. Doch sagt diese Studie nicht, dass jedes große Erdbeben automatisch einen Vulkanausbruch auslöst. Solche Studien beziehen sich in der Regel nur auf die ganz großen Erdbeben (M9), die dann auch nur solche Vulkane zum Ausbruch gebracht haben, die sowieso schon kurz vor einer Explosion standen, weil die nötigen Voraussetzungen bereits gegeben waren.

Wissen wir, ob die nötigen Voraussetzungen am Yellowstone gegeben sind?
Nein. Geophysikalische Untersuchungen erlauben zwar nur einen begrenzten Blick nach unten. Wir wissen: Magma ist vorhanden (wie bei jedem Vulkan). Aber für alles andere gibt es nur Modelle.

Dass wir aber nicht von Magma reden, das jeden Moment den Amerikanischen Kontinent in einen Lavasee verwandelt, weil ein kleiner tektonischer Wackler irgendwo auf der Welt passiert ist, wissen wir ganz sicher.
Weil der Wackler 1958, dieser Wackler, dieser Wackler und dieser Wackler auch so absolut keine Auswirkungen hatten, obwohl sie am Yellowstone selbst deutlich stärker zu spüren waren und somit die Magmakammer viel mehr unter Druck gesetzt haben.

Also liebe Klickfänger aus dem World Wide Web: Niemand, aber auch wirklich NIEMAND der ansatzweise an Seriosität interessiert ist, wird euch euren Scheiß abkaufen. Leider tun es viele andere Menschen, was eure Lügen und falschen Informationen moralisch sehr fragwürdig macht, wenn nicht gar strafbar. Ihr schadet euch langfristig nur selbst damit. Aber wenn ihr die paar Euro oder Dollar Werbeeinnahmen und die paar tausend Klicks unbedingt haben wollt, bitteschön. Verkauft euer Ansehen, verarscht die Welt und fühlt euch schlecht dabei! Den Gefallen auszubrechen wird euch der Supervulkan während eurer Lebzeiten höchstwahrscheinlich nicht mehr tun. Karma funktioniert auch nicht immer.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.
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Jens SkapskiMarcelrok Letzte Kommentartoren
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Marcel
Gast
Marcel

Im weiten sinne bin ich auch der Überzeugung, dass wir einen Ausbruch nicht miterleben werden.

Allerdings ist es schon fragwürdig, an der seriösität mancher autoren rum zu meckern, wenn man im selben text darauf hinweist, dass man über die zusammensetzung des magmas etc überhaupt nichts weiß. Dadurch ist der ganze Artikel doch auch nur spekulativ.

rok
Gast
rok

Ein klarer und engagierter Beitrag, sehr gut und danke,
Robert Kühn