Gewaltiges Erdbeben vor der Küste von Alaska

USA – Vor der Küste von Alaska hat sich am Dienstag ein schweres Erdbeben ereignet. Nach ersten Angaben des United States Geological Survey (USGS) erreichte dieses Beben Magnitude 8.2.  Zuerst wurde Magnitude 8.0 angegeben. Das Epizentrum lag demnach südlich des Festlandes im Golf von Alaska innerhalb der Pazifischen Platte und damit nicht entlang der Subduktionszone.
Das Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) hat infolge des Erdbebens eine Tsunami-Warnung für die nordöstlichen Pazifikküsten herausgegeben. Die Warnung ist gültig für alle südlichen Küstenabschnitte von Alaska und Teile von British Columbia. Eine Tsunami-Watch besteht zudem für den Rest der kanadische Region British Columbia und die US-Bundesstaaten Hawaii, Kalifornien, Oregon und Washington. Entlang der Küstenabschnitte, für die eine Warnung herausgegeben wurde, müsste mit gefährlichen Wellen gerechnet werden.

Die Erschütterungen des Bebens waren in weiten Teilen von Alaska deutlich bis stark zu spüren. Auch Teile von Kanada waren betroffen. Größere Schäden infolge des Bebens sind aufgrund der Distanz zur Küste aber nicht zu erwarten.

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Update 10:50 Uhr
Erste Auswertungen des Herdmechanismus ergeben, dass es sich um ein Strike-Slip Erdbeben handelt, also um eine horizontale Verschiebung der Plattensegmente. Diese Art von Erdbeben führt in der Regel nicht zu destruktiven Tsunamis. Die Warnung des PTWC bleibt aber zunächst bestehen. Auch Sekundäreffekte wie Erdrutsche können Tsunamis auslösen.

Update 11:00 Uhr
Strike-Slip Erdbeben dieser Größe sind ziemlich selten und treten meist direkt an Plattengrenzen (z.B. San Andreas), oder in ozeanischer Kruste auf der Vorderseite von Subduktionszonen auf, wo die Abtauchgeschwindigkeit der einzelnen Segmente unterschiedlich stark ist, so wie in diesem Fall. Das bekannteste Erdbeben dieser Art ereignete sich am 11. April 2012 vor der Küste von Sumatra und erreichte Magnitude 8.6. Dabei kam es nur Bildung eines kleinen Tsunamis mit einer Wellenhöhe von rund einem Meter. Das Beben selbst hatte nur geringe Schäden auf Sumatra verursacht.

Update 11:10 Uhr
Mehrere Nachbeben wurden bereits registriert, auch wenn eine genaue Auswertung aufgrund der starken seismischen Wellen des Hauptbebens bislang nicht möglich war. Es dürfte es um Beben im Bereich von Magnitude 5 handeln. Infolge von Beben mit Magnitude 8.2 sind Nachbeben mit Magnitude 7 denkbar. Gefahr würde von diesen aber trotz der Magnitude nicht ausgeben, da das Epizentrum weit vor der Küste liegt. Zudem sind die nächst gelegenen Küstenabschnitte von Alaska nur sehr dünn besiedelt.

Update 11:20 Uhr
Das USGS hat eine erneute Korrektur vorgenommen und stuft das Beben nun mit Magnitude 7.9 ein. Damit liegen die Auswertungen auch näher an denen des Geoforschunszentrum Potsdam, das es mit Magnitude 7.8 angibt.

Update 11:35 Uhr
Entlang der nicht zuvor genannten Pazifikküsten könnten Wellen mit einer Höhe von bis zu 30 Zentimetern möglich sein, teilte das PTWC in einem Update mit. Diese Höhe ist in der Regel nicht gefährlich. Anwohner sollen den Anweisungen lokaler Behörden folgen.
Für Alaska und Kanada bleibt die Warnung bestehen.

Update 11:50 Uhr
Inoffizielle Berechnungen der Tsunami-Höhe durch CATnews bestätigen, dass keine große Tsunami-Gefahr besteht. Die zu erwartenden Wellenhöhen:

Update 13:00 Uhr
An der Küste von Alaska sind erste Tsunami-Wellen angekommen, die, gemessen in Kodiak-Island, eine Höhe von rund 1,2 Metern erreicht haben. Zuvor wurden auf dem offenen Ozean Wellenhöhen von 12 Zentimetern gemessen.

Es scheint, dass es sich bei dem Erdbeben um eine nahezu Ost-West Verschiebung entlang einer zuvor bekannten aber unbenannten Bruchzone zu handeln. Dabei hat sich das nördlichere Segment nach Westen verschoben.
Bei der initialen Berechnung des Mechanismus ergeben sich zwei mögliche Mechanismen. In diesem Fall wäre die andere Option ein Nord-Süd verlaufender Bruch nahezu senkrecht zur Subduktionszone gewesen.

Update 13:13 Uhr
Für ein Erdbeben innerhalb ozeanischer Kruste, die in der Regel nur wenige Kilometer mächtig ist, zeigt sich in diesem Fall eine sehr ungewöhnliche Herdtiefe. Laut USGS lag diese bei 35 Kilometern. Das Geoforschungszentrum Potsdam nennt 29 Kilometer als wahrscheinlichste Tiefe. In der Regel treten Erdbeben in der ozeanischen Kruste in Tiefen von unter 10 Kilometern auf. Nahe Subduktionszonen kann es aber vorkommen, dass die ozeanische Kruste verdickt ist.

Update 20:58 Uhr

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 10:31 Uhr

Magnitude: 7.9

Tiefe: 35 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: nein

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: Aufgehoben: Alaska, British Columbia

Epizentrum:

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Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.