Update: Erdbebenschwarm am Kilauea – Spalteneruptionen in Leilani Estates

Aktualisiert (zum neuesten Update, 04. Mai 19:22 Uhr)

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Ursprünglicher Text vom 1. Mai, 15:15 Uhr:

USA – Zahlreiche kleine Erdbeben sind in den vergangenen Stunden am Hawaiianischen Vulkan Kilauea im Süden der Hauptinsel Big Island aufgetreten. Der Erdbebenschwarm, der in der Nacht zum 1. Mai (MESZ) eingesetzt hat, ereignet sich an der Ost-, bzw. Südostflanke des Vulkans in der Nähe der östlichen Riftzone. Das Hawaiianische Vulkanobservatorium (HVO, dem USGS unterstellt) registrierte in den letzten 24 Stunden insgesamt 93 Erdbeben am Kilauea (Stand: 15:10 Uhr), wovon die meisten mit dem andauernden Erdbebenschwarm assoziiert sind.
Entlang der Riftzone erstreckt sich die Aktivität von aktiven Krater Pu’u O’o über etwa 18 Kilometer in östlich Richtung bis hin zur Küste. Auffällig ist, dass die meisten der Erdbeben dort in sehr geringer Herdtiefe, wenige hundert Meter, aufgetreten sind. Die stärksten dieser Beben erreichten etwa Magnitude 3. Diese Ereignisse könnten mit einer Magmaintrusion in der östlichen Riftzone zusammenhängen. In diesem Fall bestünde in den kommenden Tagen die Gefahr einer Spalteneruption, wie sie speziell östlich des Kilauea in den vergangenen Jahrzehnten häufig aufgetreten sind.

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Ein zweiter Aktivitätsschwerpunkt fokussiert sich auf die Hilina-Störung an der Südküste von Big Island. An dieser großen Abschiebung kommt es zum kontinuierlichen, teils mit erheblicher seismischer Aktivität verbundenen, langsamen Abrutschen der Vulkanflanke. In der Vergangenheit führten diese Bewegungen teils zu Beben über Magnitude 7.
Wahrscheinlich als Folge des Erdbebenschwarmes an der Riftzone und der in den vergangenen Tagen aufgetretenden Bodendeformationen kam es an der Hilina-Störung am Mittag (MESZ) zu einem Erdbeben mit Magnitude 4.0. Mehrere schwächere Beben wurden in den letzten Stunden am Ostende der Störungszone aufgezeichnet. Das Hauptbeben am Mittag war besonders im Osten von Big Island deutlich zu spüren. Im Gegensatz zum Schwarm an der Riftzone liegen die Erdbebenherde an der Hilina-Störung in rund 8 Kilometern Tiefe und damit im normalen Tiefenbereich für vulkanotektonische Aktivität.

Bereits seit einigen Wochen zeigt der Kilauea-Vulkan erhöhte Aktivität, die mit Erdbebenschwärmen einhergegangen ist. Bislang fokussierte sich die Aktivität auf den Zentralkrater Halema’uma’u, dessen Lavasee in den vergangenen Tagen über die Ufer getreten ist. Als Begleiterscheinung dieser seismischen Krise, die wohl durch eine Magmaintrusion zu erklären ist, wurde der Pu’u O’o Krater seit Mitte März um bis zu 16 Zentimeter angehoben, wie die Messungen des HVO ergeben. Besonders in den vergangenen Tagen beschleunigte sich diese Deformation stark. Die erhöhte Aktivität am Halema’uma’u, der sich im gleichen Zeitraum nur um wenige Zentimeter angehoben hat und sich seit einigen Tagen wieder senkt, fand am 29. April ein vorläufiges Ende.
Sowohl der Halema’uma’u als auch der Pu’u O’o sind seit Jahren daueraktiv und produzieren immer wieder Lavaströme, die an der Südküste phasenweise in den Ozean fließt. Meist geschieht dies ohne Schäden zu verursachen.

Die neue Aktivität an der östlichen Riftzone könnte eine neue Phase vulkanischer Aktivität ankündigen. Da sich diese in einem besiedelten Gebiet abspielt, könnte dies in erhebliche Schäden durch Lavaströme resultieren. Die starken Bodenhebungen wirken sich auf umliegende Störungen wie die Hilina-Störungszone aus, weshalb bei Fortschreiten der Aktivität auch mit weiteren Erdbeben zu rechnen ist.

Update 02. Mai, 07:50 Uhr
Wie das HVO am Dienstag mitgeteilt hat, geht die Erdbebenaktivität auf eine Magmaintrusion in der östlichen Riftzone zurück. Aufgrund eines Kratereinsturzes am Pu’u O’o Krater sucht sich das Magma mutmaßlich einen neuen Weg an die Oberfläche. Entsprechend wird angenommen, dass es entlang der östlichen Riftzone zu einem neuen „Outbreak“ kommen könnte.
Seit gestern hat sich die Erdbebenaktivität dabei nicht wesentlich verändert. Weiterhin registriert das USGS im gesamten Gebiet der Riftzone und der angrenzenden Hilina-Störung kleine Erdbeben, das stärkste der vergangenen Nacht hatte Magnitude 3.7. Insgesamt umfasst dieser Schwarm laut USGS 139 registrierte und lokalisierte Erdbeben. Diese gehen weiterhin mit einer starken Bodendeformation von bis zu 15 Zentimetern innerhalb weniger Tage einher.

Die Bevölkerung umliegender Siedlungen wurde aufgerufen wachsam zu sein, und den Anweisungen der Behörden zu folgen, falls es tatsächlich zur Bildung einer neuen Eruptionsspalte kommt. Der Hawaiianische Zivilschutz hat auf die mögliche Gefährdungslage reagiert und bereitet sich auf schlimmsten Fall vor: Eine Eruption innerhalb der Siedlungsgebiete. In dem Fall wären zahlreiche Anwohner und Touristen durch Lavaströme gefährdet und Evakuierungen nötig.
Der bei Touristen beliebte Ort Kalapana, von wo die aktiven Lavaströme aus dem Pu’u O’o beobachtet werden können, wurde aufgrund der hohen Erdbebenaktivität gesperrt. Auch private Bootsfahren an der Küste wurden untersagt.

Eine erste Geländebesichtigung der östlichen Riftzone durch Vulkanologen des HVO zeigte keine Anzeichen von oberflächennaher vulkanischer Aktivität. Sollten sich Spalten im Boden öffnen, aus denen Gase austreten, wäre dies ein Zeichen für einen bevorstehenden Lavaaustritt. Entsprechende Beobachtungen wurden aber noch nicht gemacht.

Update 03. Mai, 22:44 Uhr
Die Erdbebenaktivität hat sich auch am Donnerstag fortgesetzt und konzentriert sich zur Zeit überwiegend auf die Ostspitze der Insel nahe des Ortes Pohiki. Infolge der Erschütterungen kam es bereits zu einigen kleineren Schäden. Die noch immer andauernden starken Bodenhebungen am östlichen Riftsystem des Pu’u O’o haben dazu beigetragen. So wurden zum Beispiel Risse in Straßen beobachtet. In den vergangenen 48 Stunden hat das USGS 88 kleine Erdbeben registriert.
Am Donnerstagabend (MESZ) hat sich ein weiteres kräftigeres Erdbeben an der Südküste ereignet, das nach ersten Angaben des USGS Magnitude 4,6 erreichte und damit stärker war als bisherige Beben.

Solange die Aktivität weiter anhält, besteht das Risiko einer neuen Eruption an der östlichen Riftzone. Eine Vorhersage des genauen Eruptionszentrums ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Die Bewohner des gesamten Gebietes wurden vom Zivilschutz nochmals aufgefordert, sich auf eine möglich Evakuierung vorzubereiten.

Update 23:21 Uhr
Durch das Erdbeben kam es am Pu’u O’o Krater erneut zu einem Felssturz. Dabei wurde eine Aschewolke generiert, die von umliegenden Orten beobachtet werden konnte. Das HVO teilte mit, dass es nicht zu einer Eruption gekommen ist. Die Situation an der Riftzone werde aber weiter beobachtet.

Update 4. Mai, 08:21 Uhr
In dem Leilani ist es zu einer Spalteneruption gekommen. Nahe der Siedlung öffnete sich ein meterlanger Riss im Boden, aus dem zunächst heißer Dampf, später Lava ausgetreten ist. Die Eruption dauert an, es bilden sich erste Lavaströme. Als Reaktion auf die Eruption hat der Zivilschutz Evakuierungen der Leilani Estates und Lanipuna Gardens eingeleitet.

Die Lavaströme werden bei Anhalten der Eruption der Topographie folgen und entsprechend besonders Siedlungen und Infrastruktur bedrohen, die sich hangabwärts befinden.

Die Eruptionsspalte befindet sich etwa 23 Kilometer vom Pu’u O’o Krater entfernt. Rund um die Leilani Estates gibt es seit zwei Tage erhöhte Erdbebenaktivität, nachdem zuvor der Erdbebenschwarm durch die Magmaintrusion weiter im Westen begonnen hat. Das gestrige Erdbeben der Stärke 4,6 befindet sich rund 15 km vom Eruptionszentrum entfernt.

Folgende Karte zeigt die Lage der relativ kleinen Eruptionsspalte innerhalb der Leilani Estates. Kreise stellen detektierte Erdbeben dar. Man sieht, dass der Verlauf der Eruptionsspalte dem früherer Eruptionen folgt (vgl Kraterreihe SE von Leilani Estates). Zunächst wird die Lava nach Norden und Nordosten abfließen. Höher gelegene Gebäude südlich der Eruption sind zunächst nicht bedroht. Es ist aber unklar, ob sich die Eruption dauerhaft an dieser Spalte fortsetzen wird, oder sich eine weitere öffnen könnte.

Update 19:22 Uhr
Die Aktivität der ersten Eruptionsspalte endete noch am Vormittag (MESZ), sodass keine größeren Lavamassen ausgestoßen wurden. Es wurden Lavaströme mit einer Länge von maximal rund 10 Metern gemessen.
Am Nachmittag haben sich in Leilani zwei neue Eruptionsspalten ähnlicher Größe geöffnet. Während die erste Eruption im Osten der Siedlung stattfand, öffnete sich die zweite Spalte im Süden. Diese befindet sich in dem Bereich einer bekannten, historisch aktiven Eruptionsspalte. Dort traten auch zuletzt die meisten Erdbeben im Ortsgebiet auf.
Bereits nach der ersten Eruption wurde Leilani evakuiert. Die Evakuierungsempfehlung besteht weiterhin. Bewohner werden in den benachbarten Orten unter gebracht. Durch giftige Dämpfe und umherfliegende Gesteinsbrocken besteht zusätzliche Gefahr.
Eine dritte Eruption ist zeitgleich im bereich der ursprünglichen Eruptionsspalte aktiv. Dort soll die Lava mindestens drei Gebäude zerstört haben, nach Angaben der lokalen Feuerwehr.

Generell ist die Erdbebenaktivität zurückgegangen. Der Schwerpunkt der Aktivität liegt nicht in Leilani, wo sich die aktiven Eruptionen befinden, sondern an der Südküste von Big Island. Größere Erdbeben traten am Freitag bislang nicht auf.

Generell sind die Spalteneruptionen in Leilani zur Zeit sehr klein. Die ausgestoßenen Lavavolumina sind nicht mit den größeren Eruptionen des Kilauea oder ähnlicher Vulkane zu vergleichen. Da zur Zeit mit Leilani die Eruptionszentren bekannt sind, geht von der Aktivität keine unmittelbare Gefahr für Menschen aus, sofern alle Eruptionsempfehlungen befolgt werden.
Es besteht weiterhin die Chance, dass sich neue Eruptionsspalten bilden. Wo das passieren könnte, lässt sich nicht vorhersagen.

Update 05.05.2018 1:15 Uhr:

Am Abend und in der frühen Nacht hat die Erdbebenaktivität einen neuen Höhepunkt erreicht. Zunächst wurde um 23:32 Uhr ein Erdbeben der Stärke 5,4 registriert. Infolge des Erdbebens ist es offenbar zu einer Explosion am Pu’u O’o Krater gekommen. Um 0:32 Uhr folgte ein weiteres Erdbeben, das von USGS mit Magnitude 6,9 angegeben wird. Damit wäre es das stärkste Erdbeben auf Hawaii seit 1975. Starke Erschütterungen waren unter anderem in Hilo spürbar. Ein kleiner Tsunami ist möglich.

wird fortgesetzt, sobald weitere Infos vorliegen…

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 1. Mai

Magnitude: bis 4.6

Tiefe: oberflächennah

Spürbar: ja

Schäden erwartet: unwahrscheinlich

Opfer erwartet: nein

Ursprung: vulkanisch / vulkanotektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.
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