Starker Erdbebenschwarm auf Mayotte: Mehrere Verletzte

Mayotte / Frankreich – Vor der Küste des Französischen Überseedepartements Mayotte im südwestlichen Indischen Ozean spielt sich seit einigen Tagen ein starker Erdbebenschwarm ab, die am Dienstag an Intensität zugenommen hat.
Das Beben am Nachmittag erreichte nach Angaben des Geoforschungszentrum Potsdam Magnitude 5.5. Das USGS gibt das Beben mit Magnitude 5.9 an. Demnach lag das Epizentrum rund 40 Kilometer östlich der Inselhauptstadt Mamoudzou. Zeugen melden, dass das Erdbeben auf der gesamten Insel stark zu spüren war. Auch der benachbarte Inselstaat der Komoren könnte betroffen sein, entsprechende Meldungen liegen aber noch nicht vor. Infolge der Erschütterungen sind besonders an der Ostküste von Mayotte kleinere Schäden möglich. Tsunami-Gefahr besteht nicht.

Bereits in den vergangenen Tagen haben dutzende kleine bis moderate Erdbeben die Insel erschüttert. Am Sonntag wurde mit Magnitude 4.7 das erste größere Erdbeben registriert. Bereits zuvor hatte es zahlreiche Mikrobeben gegeben, wovon bis Montag über Hundert aufgezeichnet wurden. Es folgten weitere mit Magnitude 5.1 und 4.5 am Montag, sowie eines mit Magnitude 4.8 am Dienstagmittag. Das Beben am Nachmittag stellt den bisherigen Höhepunkt der Aktivität dar.

Schäden an Gebäuden hat es bislang nicht gegeben. Allerdings wurden nach dem größten Erdbeben am Montag Warenverluste in Supermärkten gemeldet.

Mayotte liegt im Indischen Ozean zwischen dem Afrikanischen Festland und Madagaskar. So wie die Nachbarinseln der Komoren entstand auch Mayotte aus vulkanischer Aktivität über einem Hotspot. Der Vulkan der Insel war zuletzt vor rund 4000 Jahren aktiv, gilt aber nicht als erloschen.
Die Erdbebenserie, die sich vor der Küste der Insel abspielt, steht nicht in Verbindung mit vulkanischer Aktivität des Vulkans Mayotte.
In der Vergangenheit wurde rund um Mayotte keine starke Erdbebenaktivität aufgezeichnet, wohl aber gab es gelegentlich kleinere Beben (u.a. im März 2014, als ein Beben der Stärke 4.7 auf den Komoren zu kleineren Schäden geführt hat). Das heutige Beben gehört zu den stärksten dort jemals registrierten Beben.

Update 16. Mai, 09:45 Uhr
Infolge des stärksten Erdbebens am Dienstagabend, das von den französischen Behörden mit Magnitude 5.9 angegeben wird, hat es auf Mayotte zahlreiche Schäden gegeben. Medien und Betroffene berichte von Rissen in Wänden öffentlicher und privater Häuser. Auch sollen Teile von Decken oder vom Verputz herabgestürzt sein. Durch die starken Erschütterungen wurden zahlreiche Objekte von Regalen geworfen, wodurch mindestens drei Bewohner leicht verletzt wurden. Auf der in Reunion beheimaten Nachrichtenseite freedom.fr gibt es zahlreiche Zeugenaussagen und Schadensmeldungen.
Die französischen Behörden haben auf die Situation reagiert und den Bewohnern Mayottes Sicherheitshinweise für den Fall eines noch stärkeren Erdbebens, was zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, mitgeteilt. Gleichzeitig wurde betont, dass man die weitere Entwicklung des Schwarmes nicht vorhersagen könne. Allerdings sei es nicht ausgeschlossen, dass es weitere starke Erdbeben gebe. Damit reagieren Behörden auf Gerüchte, die nach dem gestrigen Erdbeben aufgekommen waren und viral in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, dass es am heutigen Mittwoch zu einem schweren Erdbeben kommen wird. Infolge dieser falschen Warnung haben viele Bewohner der Insel die vergangene Nacht aus Angst im Freien verbracht.

Update 21. Mai, 8:00 Uhr
Die Erdbebenaktivität hat in den letzten Tagen weiter angehalten. In der Nacht ist es um 3:47 Uhr Ortszeit zu einem weiteren starken Erdbeben gekommen. Es erreichte nach Angaben des Geoforschungszentrums in Potsdam Magnitude 5,3. Das USGS nennt Magnitude 5,5. Damit wäre es das zweitstärkste Erdbeben seit Beginn des Schwarms. Erschütterungen waren erneut auf der gesamten Insel deutlich, im Osten der Insel stark, zu spüren. Auch aus dem Nordwesten Madagaskars wird von Erschütterungen berichtet. Mit neuen Schäden auf Mayotte ist zu rechnen.

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 13. Mai

Magnitude: bis 5.5

Tiefe:

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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