Schweres Erdbeben auf Hokkaido

Japan – Ein schweres Erdbeben hat am Mittwochabend (MESZ) die nördlichste japanische Hauptinsel Hokkaido erschüttert. Nach ersten vorläufigen Angaben des United States Geological Survey (USGS) erreichte dieses Beben Magnitude 7.0. Das japanische NIED registrierte Magnitude (Mw) 6.6, die Meteorologiebehörde JMA Mj 6.7. Das Epizentrum des Bebens lag im Süden der Insel nahe der Großstadt Sapporo. Die Herdtiefe lag bei rund 55 Kilometern. Nach Messungen der JMA waren die Erschütterungen rund um das Epizentrum sehr stark zu spüren. Es wurde der Intensitätswert 6+ auf der Shindo-Skala gemessen, der zweithöchste Wert, der in der Stadt Abira gemessen wurde. Dort ist mit schweren Schäden zu rechnen. In Teilen von Sapporo erreichte das Beben Intensität 5+.

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Eine Tsunami-Warnung wurde zunächst nicht herausgegeben. Aufgrund der Magnitude ist auch nicht mit einem größeren Tsunami zu rechnen.

Update 20:25 Uhr
Das USGS hat das Erdbeben nun ebenfalls auf Magnitude 6.7 korrigiert.

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Update 20:31 Uhr
Die ShakeMap von Risklayer bestätigt die Messungen des JMA. Intensität VIII auf der Mercalli-Skala wäre umgerechnet zu erwarten.

Update 20:33 Uhr
Erste teils starke Nachbeben haben die Region erschüttert. Drei Nachbeben hat die Meteorologiebehörde registriert. Diese erreichten Magnitude 4.7 bis 5.3, bzw. JMA Intensität 3 – 4.

Update 20:39 Uhr
An mehreren Orten in Hokkaido, unter anderem auch in Teilen von Sapporo, hat das Erdbeben zu Stromausfällen geführt. Aus Abira gibt es zudem erste Meldungen über Gebäudeschäden, wie die Nachrichtenagentur NHK berichtet. Das Beben sei dort das stärkste gewesen, was die Bewohner jemals verspürt haben. Bis zu eine Minuten haben die Erschütterungen angedauert.

Update 20:50 Uhr
Nach offiziellen Angaben kam es an den nahe gelegenen Kernkraftwerken infolge des Bebens nicht zu Schäden oder Anomalien.

Update 20:56 Uhr
NHK meldet, dass in der Stadt Atsuma-chō nahe des Epizentrums mehrere Gebäude infolge des Bebens schwer beschädigt wurden, einige Wohnungen seien eingestürzt, zudem wurden Autos beschädigt. Meldungen über Verletzte gibt es zur Zeit nicht.

Update 21:06 Uhr
Aufgrund der verbreiteten Stromausfälle in Teilen Hokkaidos verzögert sich zur Zeit die Datensammlung zu möglichen Schäden durch die Behörden. Der Katastrophenschutz hat Notfallteams zusammengestellt, die mögliche Rettungsarbeiten durchführen sollen. In Atsuma bestehe die Möglichkeit, dass Menschen in den eingestürzten Gebäuden gefangen sind. Dort sollen zudem mehrere Menschen verletzt worden sein.
Meldungen über Gebäudeschäden aus den größeren Städten gibt es zur Zeit nicht.

Update 21:11 Uhr
In der Stadt Chitose wurden mindestens drei Menschen verletzt. Es gibt Meldungen über kleinere Brände und Schäden an Gebäuden in der Stadt.

Update 21:23 Uhr
Ein 82-jähriger Mann in Tomakomai hat bei dem Erdbeben schwere Herzprobleme erlitten. Er soll sich in einem kritischen Zustand befinden.

Update 21:38 Uhr
Die sehr starke Intensität des Bebens in der Nähe des Epizentrums hat zu teilweise größeren Schäden an Straßen geführt. Es gibt Meldungen über größere Risse. Zudem wurde vereinzelt Bodenverflüssigung gemeldet. Auf einer Landstraße habe ein Erdrutsch zu Blockaden geführt.

Update 21:43 Uhr
Mindestens zwei Gebäude im Ort Atsuma sind durch das Erdbeben eingestürzt. Menschen sollen in den Trümmern eingeschlossen sein. Lokale Behörden sprechen von zahlreichen Verletzten. Aufgrund des Stromausfalls und der Dunkelheit ist die Lage weiterhin unübersichtlich.
Außerhalb von Atsuma wurden mindestens 10 Menschen in anderen Orten verletzt.

Update 6. September, 08:05 Uhr
Mindestens zwei Menschen sind, wie am Morgen bekannt ist, infolge des Erdbebens ums Leben gekommen. Fünf weitere befinden sich zur Zeit in einem sehr kritischen Zustand, nachdem sie mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.
Die Zahl der Verletzten, überwiegend durch Stürze und nur teilweise durch herabgestürzte Trümmer, wird zur Zeit mit 209 beziffert, könnte aber noch weiter steigen. Allein in Sapporo wurden 91 Menschen leicht verletzt. Dort gibt es zur Zeit 399 Meldungen über kleinere Gebäudeschäden. Ein Haus in Sapporo stürzte ein.
Insgesamt sind durch das Erdbeben mindestens 28 Gebäude eingestürzt. Die Auswertungen des Katastrophenschutzes dauern an.
Der Stromnetzbetreiber hat inzwischen Teile des Stromausfalls in Hokkaido behoben. Insgesamt waren bis zu 3 Millionen Nutzer von den Ausfällen betroffen.
Eine größere Katastrophe infolge der Erschütterungen und vorheriger starker Regenfälle geschah nordöstlich der Stadt Atsuma. Dort rutschte auf einer Länge von mehreren hundert Metern ein Steilhang ab, an dessen Fuß mehrere dutzend Wohngebäude errichtet sind. Einige der Häuser wurden von den Erd- und Geröllmassen verschüttet oder um bis zu 50 Meter verschoben. Etwa 30 Bewohner, die zur Zeit des Vorfalls in ihren Häusern waren, gelten als vermisst. Da einige Häuser komplett verschüttet wurden, besteht nicht mehr viel Hoffnung. Zahlreich Rettungskräfte sind im Einsatz, um Überlebende zu retten und die Opfer zu bergen.
Folgende Google-Earth Aufnahme zeigt den abgerutschten Hang nordöstlich von Atsuma. Er weist eine Neigung von teilweise 40° im untersten Abschnitt auf.

wird aktualisiert, sobald weitere Infos vorliegen

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 20:07 Uhr

Magnitude: 6.6

Tiefe: 53 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: unwahrscheinlich

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Die Intensität von Erdbeben in Japan wird mit der Shindo-Skala beschrieben und basiert auf der gemessenen Bodenbeschleunigung. Die Skala reicht von 1 bis 7 mit Untergliederung in „Upper“ (+) und „Lower“ (-) der Werte 5 und 6. In der Regel kann ab einem Wert von 5- mit ersten kleineren Schäden an Gebäuden gerechnet werden. Größere Schäden treten ab 6- auf. Der höchste Wert 7 auf der Skala beschreibt meist schwere Zerstörungen und wurde in den vergangenen Jahren nur zweimal erreicht: Beim Tohoku-Erdbeben (M9.1) 2011 und beim Kumamoto-Erdbeben (M7.3) 2016.

 

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.
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