Der erfolgreiche Wiederaufbau in Kermanschah

Iran – November 2017: Die schlimmste Erdbebenkatastrophe im Iran seit fast 15 Jahren macht weltweit Schlagzeilen. Nur wenige Wochen nach einer verheerenden Erdbebenserie in Mexiko sterben hunderte Menschen in der westiranischen Region Kermanschah und angrenzenden Gebieten. Das Beben mit Magnitude 7.3, das stärkste jemals in Kermanschah registrierte Beben, zerstörte zehntausende Gebäude, über 100.000 weitere erlitten Schäden. Den Langzeitfolgen der Katastrophe fallen durch Hunger, Kälte, Brände und Krankheiten viele weitere Menschen zum Opfer. Noch heute – November 2018 – leben tausende Menschen in provisorischen Notunterkünften, während der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude stetig vorankommt.

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Etwas mehr als ein Jahr nach der Katastrophe kommt es zum ersten großen Härtetest für die Neubauten: Mit Magnitude 6.3 fand eine Nachbebenserie einige Kilometer südlich vom Epizentrum des vergangenen Jahres ihren vorläufigen Höhepunkt.
Getriggert durch die massiven Bodenbewegungen des Hauptbebens begann an einer kleineren, senkrecht zum Überschiebungssystem verlaufenden Störung eine Erdbebensequenz.

Bereits Ende August 2018 führte diese Sequenz zu einem starken Erdbeben mit Magnitude 6.0, das tausende Gebäude beschädigte, aber insgesamt vergleichsweise wenig Zerstörung brachte. Dennoch waren zwei Todesopfer und über 300 Verletzte zu beklagen, überwiegend aufgrund von Panik.
Einen Monat zuvor war es ein Beben mit Magnitude 5.8, das rund 1000 Gebäude beschädigte und 290 Menschen verletzte.

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Dem Verlauf der Störung folgend bebte es am gestrigen Sonntagabend (25. November) einige Kilometer südwestlich, diesmal mit Magnitude 6.3. Theoretisch stark genug, um in den meisten Regionen des Iran große Zerstörung anzurichten. Doch haben die Behörden, wie sich bereits im August im Ansatz zeigte, aus den Versäumnissen der Vergangenheit gelernt: Die meisten der traditionellen Gebäude, beim Erdbeben 2017 zerstört, wurden mit sicherer Bauweise rekonstruiert. Sicher genug, starken Erdbeben ohne große Zerstörung zu widerstehen.

Die ersten Zahlen der Schäden vom Sonntagabend lassen darauf schließen, dass genau dieses Ziel erreicht worden ist. Je nach Quelle liege die Zahl der beschädigten Gebäude in Kermanschah bei 200 bis 1900. Komplett zerstört wurde demnach kaum eins. Vorläufige Statistiken, die für den Iran erstaunlich positiv sind, auch wenn weitere Zählungen in den nächsten Tagen die Zahlen ein wenig nach oben treiben könnten.

Zum Vergleich: 250 beschädigte Gebäude hinterließ erst am 16. November ein Beben der Stärke 5.1 in Kerman. Über 5000 waren es am 2. Mai diesen Jahres bei einem Beben der Stärke 5.2 in Kohgiluyeh-Boyerahmad.

Mit einer unteren vierstelligen Zahl beschädigter Gebäude, wenigen zerstörten Gebäuden und Obdachlosen ist der Iran weit von einer erneuten Erdbebenkatastrophe entfernt, der intelligenten Wiederaufbaustrategie sei dank.

Einzige Trübung: Noch immer sind viele Menschen durch die Katastrophe 2017 traumatisiert. Entsprechend verursachten die neuerlichen Starkbeben in Juli und August viele Verletzte. Auch am Sonntag wurden im Iran nach aktuellen Meldungen 780 Menschen bei der panischen Flucht aus den Häusern (überwiegend leicht) verletzt. Im benachbarten Irak gab es weitere 102 Verletzte sowie zwei Todesopfer durch Herzinfarkte.

Auch wenn die Nachbeben andauern, ist die Gefahr einer erneuten Katastrophe nun deutlich geringer als im vergangenen Jahr. Eine Gewissheit, die sich hoffentlich bald auf die Menschen vor Ort überträgt. Dennoch wird der Iran auch in diesem Jahr höchstwahrscheinlich das Land mit den meisten Schadensbeben werden. Mit aktuell 32 Schadensbeben könnte sogar der Wert des vergangenen Jahres (35) überboten werden, wenn auch die Gesamtzahl der Todesopfer (3) und Verletzten (ca. 2000) bisher deutlich geringer sind.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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