Über 1000 Schadensmeldungen: Erdbeben erschüttert Groningen

Niederlande – In der niederländischen Provinz Groningen ist es am Mittwochmorgen zum stärksten Erdbeben seit über einem Jahr gekommen. Wie das Königliche Meteorologische Institut der Niederlande (KNMI) registrierte, lag das Epizentrum nördlich der Stadt Groningen nahe des Ortes Westerwijtwerd. Demnach erreichte das Erdbeben Magnitude 3.4. Das Hypozentrum wurde in drei Kilometern Tiefe lokalisiert, entsprechend der Herdtiefe vorheriger induzierter Beben in Groningen.
Rund um das Epizentrum waren die Erschütterungen sehr deutlich zu spüren. Das KNMI registrierte Bodenbeschleunigungen bis zu 40 cm/s². Viele Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen. Trotz geringer Entfernung des Epizentrums zur Grenze war Deutschland nicht vom Erdbeben betroffen.

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Meldungen über Schäden infolge des Erdbebens sind noch nicht bekannt. Nach früheren Beben dieser Stärke in Groningen gab es meist hunderte Schadensmeldungen.

Update 14:22 Uhr
Nach dem Erdbeben gingen bei der Bergbauaufsichtsbehörde bislang rund 90 Schadensmeldungen von Privathaushalten ein. Darunter seien fünf Meldungen, bei denen akute Sicherheitsbedenken beim beschädigten Gebäude vorliegen. Experten überprüfen in diesen Fällen nun die Situation. Weiterhin werden Einrichtungen der Infrastruktur überprüft, unter anderem auch Deiche und Wehre. Bisher wurde dort kein Schaden festgestellt.

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Update 24. Mai, 08:57 Uhr
Bis zum Donnerstagabend sind bei den zuständigen Behörden insgesamt 1096 Schadensmeldungen eingegangen. In mindestens 47 Fällen soll es sich um „besorgniserregende“ Schäden an Gebäuden handeln, wo eine zusätzliche Sicherheitsüberprüfung notwendig ist. In 28 Fällen davon wurden (bisher) Reparaturmaßnahmen eingeleitet, um die Gebäude zu sichern.
Unter den betroffenen Gebäuden sind vor allem Häuser in der Gemeinde Groningen. Dort seien ebenfalls Schäden an einem Universitätsgebäude (RUG) aufgetreten. Weitere mögliche Schadensfälle werden noch immer überprüft.

Auf unserer hauseigenen Schadensskala (der Earthquake Impact Database angehörend) hat dieses Erdbeben inzwischen den Schadenswert 1,05 erreicht. Damit ist es das bisher folgenschwerste Erdbeben in Europa im Jahr 2019.

Erdbeben in Groningen sind eine Folge der dortigen Erdgasförderung. In den vergangenen Jahren wurden mehrere teils moderate Erdbeben verzeichnet, die tausende Gebäude leicht beschädigten. Besonders betroffen ist die Region östlich von Groningen. Als Konsequenz wurde im Jahr 2015 eine Reduzierung der Fördermenge veranlasst, die 2016 stufenweise verschärft wird. Die letzte Reduzierung fand im Oktober 2017 statt. Seit dem ist die Erdbebenaktivität rückläufig. Spürbare Erdbeben treten dennoch gelegentlich auf. Bis zum Jahr 2030 soll aufgrund der andauernden Erdbeben die Gasförderung komplett eingestellt werden.

Zeugenmeldungen
Groningen
Wurde dadurch um 05:49 aufgeweckt. Man hat ein deutliches,knallen gehört gefolgt von einem leichten schwanken. Dabei war auch zu vernehmen das Gegenstände in den Regalen wackeln. Rausgefallen ist nichts. (Intensität IV)

Groningen
Ich bin aufgewacht zu einem starken Ruck, der quasi ein mal durch das Haus ging. Es führte dazu dass meine Töpfe einmal laut aufeinander geknallt sind und meine Holzwand die sonst auch bei wind knackt einmal sehr laut geknackt hat es ist allerdings nichts umgefallen. Danach habe ich noch leichtes Vibrieren gespürt für Ca. 10-20 Sekunden. (Intensität V)

Groningen
Gegen 06:00 bin ich durch eine Erschütterung aufgewacht. Es fühlte sich an als sei ein Ruck durch das Haus gegangen, auf den dann ein Schwanken folgte. Gegenstände sind nicht herunter gefallen und es wurde auch sonst nichts beschädigt. (Intensität IV)

Groningen
Nachbarn berichten, dass sie heute, am 22.05.2019, um ca. 5.45 Uhr durch ein Rütteln und Beben wach geworden sind und sich heftig erschrocken haben. Ich selbst bin nicht wach geworden, aber ich habe einen Riß in meiner Küche entdeckt, der gestern noch nicht da war. (Intensität III)

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 22. Mai, 05:49 Uhr

Magnitude: 3.4

Tiefe: 3 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: nein

Ursprung: induziert (Erdgasförderung)

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Siehe auch: Warum sammeln wir Zeugenmeldungen? und: Wann werden Zeugenmeldungen veröffentlicht??

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Lage des Epizentrums


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Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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