Leichtes Erdbeben in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall – Im äußersten Südosten von Bayern war am Nachmittag ein leichtes Erdbeben zu spüren. Wie uns Zeugen aus Bad Reichenhall mitteilten, ereignete sich das Beben gegen 14:25 Uhr. Auswertungen zur Stärke des Bebens liegen noch nicht vor, jedoch wurde es deutlich von den Stationen am Hochstaufen aufgezeichnet.

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Die Erdbeben am Hochstaufen gehen auf die starken Regenfälle der vergangenen Tage zurück. Aufgrund der besonderen geologischen Bedingungen am Berg ist dies der einzige Ort Deutschlands, wo starke Niederschläge und Schneeschmelze nachweislich die Erdbebenaktivität beeinflussen können.
Bereits in den vergangenen Tagen, vor allem in der vergangenen Nacht, kam es vermehrt zu kleinen, noch nicht spürbaren Beben. Auch in den kommenden Tagen können weitere Beben auftreten.

Zuletzt ereignete sich am 12. September 2017 ein spürbares Beben mit Magnitude 2.0 in Bad Reichenhall.

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Update 24. Mai, 08:25 Uhr

Update 26. Mai
Der Bayrische Erdbebendienst hat das Erdbeben vom Mittwoch nun ausgewertet. Demnach erreichte es Magnitude 1.8. Daraus ergibt sich folgende Intensitätsverteilung:

Wird aktualisiert, sobald weitere Infos vorliegen

Erklärung der Wetterlage (Lukas Rentz, Meteorologie-Student)
Seit Anfang vergangener Woche herrschten über Europa nur geringe Luftdruckunterschiede. So lagen am vergangenen Mittwoch schwächere Tiefdruckgebiete über Italien, westlich von Island und über Kasachstan. Vom Islandtief löste sich am Freitag ein kleines Tief ab, welches dann nach Südosten über die Biskaya ins westliche Mittelmeer zog. Dieses wurde von der Freien Universität Berlin Axel getauft. Gleichzeitig lag über Mitteleuropa bereits ein Tief, welches am Wochenende kräftige Schauer brachte. Tief Axel zog im Laufe des Wochenendes über Norditalien Hinweg in die Adria und verband sich mit dem Tief über Mitteleuropa.

Auf der Vorderseite führte Axel daraufhin warme, sehr feuchte Luft nach Mitteleuropa. Die Folge: Hohe Temperaturen und kräftige Schauer und Gewitter in der Nordhälfte und große Regenmengen am Alpenrand. Denn dort wird die feuchtwarme Luft zum Aufsteigen gezwungen und kühlt ab. Starke Regenfälle waren die Folge. Das Zentrum des Tiefs Axel lag am Montagabend über Sachsen. Das Problem: Das Tief verblieb dort bis Dienstag Abend und zog erst ab Mittwoch langsam über Polen nach Osten ab. Somit hielten die kräftigen Regenfälle im Alpenraum bis Mittwochmorgen an.

Diese starken Regenfälle betrafen auch den Hochstaufen. Ins Gestein eindringende Niederschlags- und Schmelzwasser sickerte dort tief in den Berg und führte zu Spannungsänderungen. Die Folge sind schwarmartig auftretende Erdbeben, ein Phänomen, wie es am Hochstaufen fast jedes Frühjahr und nach entsprechenden Wetterlagen beobachtet wird.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 22. Mai, 14:24 Uhr

Magnitude:

Tiefe:

Maximalintensität (geschätzt): III

Schütterradius (geschätzt):

Schäden erwartet: nein

Ursprung: Starkregen

Lage des Epizentrums


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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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