Schweres Erdbeben erschüttert Peru und Ecuador

Peru – Im Norden von Peru hat sich am Sonntag ein schweres Erdbeben ereignet. Nach vorläufigen Angaben des Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) lag das Epizentrum des Erdbebens in der Amazonas-Region Loreto. Demnach erreichte es Magnitude 7.7. Das United States Geological Survey (USGS) ermittelte Magnitude 7.5. Lokale Erdbebendienste ermittelten teilweise Magnitude 8.2. Zunächst wurde eine Herdtiefe von rund 100 Kilometern ermittelt, entsprechende Lokalisierungen sind aber mit Unsicherheiten verbunden. 100 Kilometer wäre eine für die Region sehr ungewöhnliche Herdtiefe.

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Das Erdbeben war in weiten Teilen von Peru und Ecuador teilweise sehr stark zu spüren. Teile Kolumbiens und Brasiliens sind ebenfalls betroffen. Neben den Orten in der Epizentralregion waren auch Küstenstädte betroffen, unter anderem die ecuadorianische Hafenstadt Guajaquil und die peruanische Hafenstadt Trujillo.
Schwere Schäden und wahrscheinlich einige Todesopfer infolge des Erdbebens sind wahrscheinlich.

Update 09:59 Uhr
Aufgrund der recht großen Herdtiefe des Bebens und der ungewöhnlichen Lokalisierung des Epizentrums gibt es weiter recht große Unterschiede bei der Angabe der Stärke, auch bedingt durch unterschiedliche Skalen. So ermittelte der Peruanische Erdbebendienst zunächst ML7.2, während das USGS nach manueller Auswertung auf Mw 8.0 korrigiert hat. Auch der Ecuadorianische Erdbebendienst liegt mit ML 8.2 in einer ähnlichen Größenordnung. Die private Webseite ALomax kalkulierte mit Mw8.3 einen nochmals höheren Wert. Unabhängig von der genauen Magnitude: Im dünn besiedelten Amazonas-Gebiet sind massive Schäden zu erwarten. Selbst in hunderte Kilometer entfernten Anden- und Küstenorten wurden noch hohe, gefährliche Intensitäten erreicht.

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Update 10:08 Uhr
Über Soziale Netzwerke verbreiteten sich bereits zahlreiche Aufnahmen von Schäden aus verschiedenen Teilen Perus und Ecuadors, so zum Beispiel aus Macas

Update 10:11 Uhr
Zur tektonischen Situation, so weit bekannt:
Vor der Westküste Südamerikas subduzieren ozeanische Platten unter den Südamerikanischen Kontinent. Diese Subduktionszone führt aufgrund der Reibung beider Platten immer wieder zu massiven Erdbeben und Tsunamis. Die in den Erdmantel eintauchende ozeanische Kruste befindet sich tendenziell nach Osten in immer größerer Tiefe. Unter den Anden liegt diese bei rund 100 Kilometern, unter dem westlichen Amazonas in bis zu 600 Kilometern Tiefe. Da diese Kruste, anders als das umgebende, heiße Gestein des Mantels noch recht kühl ist, kommt es aufgrund tektonischer und geochemischer Prozesse noch immer zu Brüchen, die teils erhebliche Ausmaße erreichen können. So entstand auch das aktuelle Erdbeben, mutmaßlich am obersten Rand der subduzierten Kruste. Dabei rutschte ein Teil der Gesteinsmasse relativ zum anderen um mehrere Meter ab.

Solche Erdbeben kommen in der Region immer wieder vor, treten aber meist in noch größerer Tiefe auf und sind entsprechend ungefährlicher. Durch die mittlere Tiefe heute und die sehr hohe Magnitude hat das Erdbeben enormes Zerstörungspotential in einer – zum Glück – eher dünn besiedelten Region.

Dieses Erdbeben war so massiv, dass es weltweit aufgezeichnet werden konnte. So auch in Deutschland. Hier ein Beispiel vom Kahler Asten in NRW, wo ab 9:54 Uhr starke Signale beginnen (und noch über Stunden „nachschwingen“ werden), die aber aufgrund der distanzbedingten Frequenzänderung für Menschen nicht zu spüren waren.

Update 10:30 Uhr
In der Stadt Yurimaguas, eine der wenigen größeren Städte in der Epizentralregion, sind nach Behörden- und Zeugenangaben zahlreiche Gebäude schwer beschädigt worden. Das Beben sei dort für rund 2 Minuten zu spüren gewesen. Meldungen über mögliche Opfer liegen noch nicht vor.
Schadensmeldungen gibt es, wie bereits vorher geschrieben, auch aus zahlreichen anderen Orten, unter anderem auch aus der 600 Kilometer entfernten ecuadorianischen Stadt Ambato. Ein entsprechend großes Gebiet ist vom Erdbeben betroffen.

Update 10:44 Uhr
Das Erdbeben verursachte in weiten Teilen der Amazonasregion Perus Kommunikationsausfälle, weshalb zur Zeit viele Gebiete (besonders die kleineren Siedlungen) von der Außenwelt abgeschnitten sind. Zudem gibt es Probleme mit der Strom- und Wasserversorgung. Erdrutsche wurden in Teilen der Anden registriert.

Update 10:47 Uhr
Medien berichten von mindestens zwei Todesopfern und 70 Verletzten in Peru. Details sind noch nicht bekannt.

Edit: Konnte bisher nicht bestätigt werden.

Update 10:53 Uhr
Einige Bilder aus der Stadt Yurimaguas (Peru)


Wird aktualisiert, sobald weitere Infos vorliegen…

Update 11:16 Uhr
Auch in der Stadt Lagunas, ein weiterer größerer Ort in der Epizentralregion, gebe es zahlreiche schwere Schäden infolge des Bebens, wie Medien berichten. Der Bürgermeister des Ortes spricht in einem Interview zudem von mehreren Verletzten, die in das Krankenhaus von Lagunas gebracht wurden. In der Stadt ist weitgehend die Stromversorgung zusammengebrochen.

Zeugenmeldungen
Iquitos (Peru)
Ich bin im Bett gelegen war aber wach. Ploetzlich so um 02.40 beginnt es. Es war stark. ICH schau te aus dem Fenster. Die Leute sind auf die Strasse gerannt, das Licht fiel aus und an. Schrecklich. Nach einer Minute beginnt es wenig er zu werden. ICH hoffe das es nicht nochmal kommt. (Intensität V)

Puerto Lopez (Ecuador)
USGS berichtet von einem Erdbeben der Stufe 8,0 im Nordenperus. Vermutlich haben wir hier Auswirkungen davon mitbekommen.
Zwischen 2:45 und 3:10 Uhr Ortszeit (Dauer: wenige Sekunden oder Minuten)
Bett/schlafend/ruhend
Aufgewacht durch vibrierendes Bett
Kleiderbügel im Schrank haben geklirrt
Hunde draußen haben gebellt
Wir sind nervös geworden und haben direkt Nachforschungen angestellt, aber vermutlich nur, weil wir noch nie ein Erdbeben mitbekommen haben.
Ansonsten war nämlich alles ruhig, anscheinend keine Schäden, Bewohner nicht besonders alarmiert (Intensität IV)

Riobamba (Ecuador)
Ich wurde gegen 02:40 Uhr wach, alles hat gewackelt. Ich habe an der Decke ein Windspiel aus Ton, daran war zu sehen wie es stärker wurde so dass die Tonglocken aneinanderklimperten. Die Alarmanlagen der Autos sind angegangen und alle Hunde haben gebellt. (Intessität V)

Lage des Epizentrums


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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 26. Mai, 09:41 Uhr

Magnitude: 8.0

Tiefe: 115 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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