USA: Das Ende des Erdbebenstaates

USA – Spricht man von induzierten Erdbeben, also solchen, die durch menschliche Aktivitäten ausgelöst werden, sind die US-Bundesstaaten Oklahoma und Kansas in den vergangenen Jahren ein Paradebeispiel gewesen. Dort war es in fast allen Teilen der Staaten das Einpressen von Brauchwasser in Gesteinsschichten, welches ursächlich für die hohe Erdbebenaktivität war. Ein Prozess zum Zwecke der Förderung von Erdöl und Erdgas, wobei der Porenfluiddruck im Gestein massiv erhöht wird und so existierende geologische Störungen zum Aufbrechen neigen – also schneller Erdbeben verursachen.

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Dies war vor allem in Oklahoma so verbreitet, dass im Jahr 2015 Oklahoma zum erdbebenreichsten Bundesstaat der zentralen USA wurde. Ein „Titel“, den normalerweise Kalifornien gebucht hat. Dennoch fehlte bisher eines, um Kalifornien endgültig diesen Rang abzulaufen: Ein richtig großes Erdbeben. Trotz zweier starker und schädlicher Erdbeben in den Jahren 2011 und 2016 blieb dies in Oklahoma aus. Dennoch reichte die starke Erdbebenaktivität mit bis zu 900 Beben der Stärke 3 oder höher in einem Jahr, um staatliche Maßnahmen zur Regulierung des Einpressens zu veranlassen.

Maßnahmen, deren Wirkung heute besonders deutlich wird.
Am späten Freitagabend hat in Oklahoma mal wieder die Erde gebebt. Magnitude 4.4, wie es noch vor wenigen Jahren fast wöchentlich passiert ist. Doch nun war es für die Bewohner anders, fast ungewohnt. Denn es war das stärkste Erdbeben seit fast einem Jahr. Zuletzt bebte es am 9. Juni 2018 stärker, damals mit Magnitude 4.5.

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Zwar ist es nicht die Magnitude der Erdbeben, die durch das Volumen des eingepressten Wassers, mit geregelt wird. Aber durch die massive Reduktion der Erdbebenanzahl sinkt auch die Anzahl der Beben höherer Magnitude. So waren es im bisherigen Jahr 2019 bisher erst 21 Beben über Magnitude 3, insgesamt 119 im gesamten Jahr 2018 und noch 209 im Jahr 2017. Ein Rückgang, der mit dem Einpressvolumen korreliert (siehe Tweet von Jake Walter oben).

Für Oklahoma bedeutet dies also, dass die Zeiten hoher seismischer Aktivität zunächst vorbei sind. Sollte das Einpressvolumen niedrig gehalten oder sogar noch reduziert werden, könnte sich die Erdbebenaktivität weiter dem natürlichen Zustand annähern. Der natürliche Zustand, der weit weg von Kalifornien, weit weg vom Titel des Erdbebenstaates liegt. Eine komplette Entwarnung ist dies allerdings noch nicht. Auch ohne „Waste Water Injection“ kann es in Oklahoma zu starken Erdbeben kommen, auch wenn diese sehr selten sind. Ein natürlicher Zustand, der die hohe induzierte Seismizität überhaupt erst ermöglicht. Solange das Einpressen andauert, sind induzierte Erdbeben im Bereich natürlicher Magnituden möglich. Nur die Anzahl induzierter Beben wird seltener, deren Magnitude aber nicht kleiner.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 17. Mai, 22:33 Uhr

Magnitude: 4.4

Tiefe: 5 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: unwahrscheinlich

Opfer erwartet: nein

Ursprung: induziert (Waste Water Injection)

Tsunami-Gefahr: nein

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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