Kommentar: Ja, in Kalifornien gibt es Erdbeben! Surprise!

Herzlichen Glückwunsch, liebe Panikfanatiker, Katastrophenpropheten und sonstige Faktenverweigerer: Ihr habt es diesmal nur 30 Minuten nach einem großen Erdbeben geschafft, dass ich eurer Verhalten kommentieren und eure Aussagen korrigieren muss:

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Zur Basiseinordnung: Ja, am heutigen Abend hat es in Kalifornien ein schweres Erdbeben (Link zum entsprechenden Bericht) gegeben. Ja, es war das schwerste Erdbeben im Süden des Bundesstaates seit dem Landers-Erdbeben im Jahr 1999. Nein, dieses Beben ist, auch wenn es vermutlich Schäden verursacht haben wird, nichts besonderes!
Zur Erinnerung: Kalifornien ist ein Erdbebengebiet! Sollte eigentlich bekannt sein, San Andreas und so. In den letzten zwei Jahrzehnten hat der Bundesstaat diesem Ruf allerdings keine Ehre gemacht. Der Grund dafür wird euch überraschen:

Zufall.

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Dass es für 20 Jahre keine schweren Erdbeben in Kalifornien gibt, dass dadurch der Begriff Erdbebendürre geboren wurde, ist in der noch jungen Geschichte des Staates eine einmalige Sache und hat viele Experten und Bewohner überrascht. Dass diese Erdbebendürre in Kalifornien nun ein Ende gefunden hat, kommt dagegen alles andere als überraschend.

Dennoch sprudeln die Sozialen Netzwerke schon nach wenigen Minuten in einem Geysir aus Angst, Panikmache und Weltuntergangsprophezeihungen über: Dass ein solches Beben der Vorbote einer Katastrophe ist. Dass es ein Zeichen ist, dass die Welt sich wandelt. Dass es ein Zeichen ist, dass die Erde nun in eine Phase massiver Zerstörung eintritt.

Nein, ihr lieben willenlosen Youtube-Idioten-Nachplapperer! Kalifornien hat endlich mal das geliefert, wofür es berühmt ist, nämlich ein Erdbeben! Dass es nun genau jetzt passiert ist, während ihr euch über das dritte Like für euer Hass-Posting auf Facebook freut, ist, es wird euch überraschen:

Zufall.

Seht es ein: Erdbeben in Erdbebengebieten sind normal. Schwere Erdbeben in Erdbebengebieten sind auch normal, treten nur nicht jeden Tag auf. Es gibt kein Grund, hier irgendwelche katastrophalen Erwartungen zu hegen. Kein Grund, sich irgendwas besonderes Einzubilden. Es ist und bleibt ein dynamischer Planet, der im Durchschnitt alle drei bis fünf Tage ein schweres Erdbeben abliefert. Dass es erst nach 20 Jahren wieder Kalifornien erwischt hat, war für die Menschen ein riesiger und vermutlich für lange Zeit einmaliger Glücksfall. Aber wirklich niemand hat erwartet, dass es lange so weitergeht.

Und um der ganzen Sache noch ein wenig mehr Sensation zu nehmen: Das Epizentrum war nicht in Los Angeles, nicht in San Francisco, nicht an der San Andreas Störung, kein „Big One“ Erdbeben, sondern an einer No-Name-Fault nahe einer Kleinstadt in der Mojave-Wüste. Reicht für Schäden an Gebäuden, wird aber weit von einer Katastrophe entfernt bleiben. Zumal die Magnitude mit 6.4 auch nicht außergewöhnlich hoch war. Sorry, dass ich euch den Abend verdorben habe. Aber tröstet euch damit, dass es in Zukunft noch genug Erdbebenkatastrophen in Kalifornien geben wird. Deutlich wahrscheinlicher als eine neue Erdbebendürre. Vielleicht noch früh genug, damit ihr in Sozialen Netzwerken euren Senf dazu geben dürft.

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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Ein Beben dieser stärke in Kalifornien, ist quasi genau so uninteressant wie eines mit der selben stärke in Japan. Beide Regionen sind auf beben dieser stärke Optimal eingerichtet (Ob die Kalifornier ein solches alarm system wie die Japaner haben weis ich nicht, in Chile gibt es sowas ähnliches.