Neuseeland: Warnstufe des Vulkans Taupo angehoben

Seit Mai bebte die Erde am neuseeländischen Vulkan Taupo hundertfach. Erst vor zwei Wochen wurde mit Magnitude 4.2 das stärkste Beben dieser Sequenz registriert, das in der gleichnamigen Stadt stark verspürt wurde. Begleitet wurden diese Erdbeben von einer Deformation des Bodens. Um 12 Millimeter hob sich das Ostufer des Taupo-Sees, der die Vulkan-Caldera füllt, in den letzten Monaten. Als Reaktion auf diese Aktivität rief GeoNet zum ersten Mal Warnstufe 1  aus. Was dies für die Region bedeutet.

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Die Nordinsel von Neuseeland ist vulkanisch sehr aktiv. Viele teils sehr große Vulkane sind im Zentrum der Insel verstreut. Dort trifft der magmatische Zustrom von der Subduktionszone in der Tiefe auf eine kontinentale Bruchzone, ein komplexes System aus Tektonik, Magmatismus und hydrothermaler Aktivität. Viele Vulkanausbrüche und noch mehr Erdbeben sind die Folge. Taupo ist einer von mehreren Caldera-Vulkanen, umgangssprachlich Supervulkan genannt. Einer von vielen und doch der bekannteste, auch wegen seiner gewaltigen Ausbrüche vor 2000 und 22.000 Jahren.

In der globalen Wahrnehmung gehört der Taupo neben Yellowstone, Toba und Campi Flegrei zu den bekanntesten Supervulkanen, die in jüngster Erdgeschichte katastrophale Eruptionen hervorbrachten. Umso wichtiger ist die sachliche Einordnung der jüngsten Aktivitäten, die zur Anhebung der Warnstufe geführt haben. Denn die Aktivitätsphase seit Mai ist nur eine von vielen seit Aufzeichnungsbeginn.

Taupo bekannt für hohe Aktivität

Insgesamt 17 „episodes of unrest“ erlebte der Taupo in den letzten 150 Jahren. „Unrest“, zusammenfassend für vulkanische Begleiterscheinungen aller Art, von hoher Erdbebenaktivität und Bodenhebungen bis zu hydrothermaler Aktivität. 17x „Unrest“ aber keine Eruption. Die letzte (kleine) ereignete sich im Jahr 232. Es ist stark anzunehmen, dass zwischen dem Ausbruch 232 und der ersten bekannten Unrest-Episode vor 150 Jahren dutzende, vielleicht hunderte weitere Phase hoher Erdbebenaktivität liegen.

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Erhöhte Aktivitätsphasen am Taupo der letzten 150 Jahre. Grafik: GeoNet.

Caldera-Vulkane sind im Vergleich zu normalen Vulkanen, die das Präfix „Super“ nicht verliehen bekommen, oft sehr aktiv, auch ohne dass es zu einem Vulkanausbruch kommt. Innerhalb einer Caldera gibt es unzählige kleine Risse und Störungen im Gestein, durch die Magma aber auch Gase und Wasser aufsteigen können. Erdbebenschwärme und teils enorme Bodendeformationen sind die Folgen, die man sowohl von Yellowstone als auch von Campi Flegrei kennt. Auch der Taupo spielt in dieser Liga. Vergangene Aktivitätsphasen wie 1922 haben schwere Erdbeben über Magnitude 6 hervorgebracht, die Schäden und Umweltveränderungen herbeiführten. 1895 bis 1897 war es sogar noch stärker mit Erdbeben bis Magnitude 7.5 und einem Tsunami im Taupo-See. Aber keinen Vulkanausbruch.

Aktuelles aus der Region  Island: Neue Erdbeben am Fagradalsfjall

Die aktuelle Aktivitätsphase ist im Vergleich dazu eher unbedeutend. Kein Schadenserdbeben bisher, mäßige Erdbebenanzahl und Bodenhebungen im Rahmen dessen, was man kennt. Auch GeoNet macht in seinem Statement deutlich, dass die aktuellen Aktivitäten nicht wirklich groß sind. Das bedeutet zudem, dass man auch aktuell nicht mit einem Vulkanausbruch rechnet, da man aus der jüngeren Vergangenheit weiß, dass „Unrest“ fast Normalzustand ist.

Schwere Erdbeben auch ohne Vulkanausbruch

Warnstufe 1 bedeutet also nicht, dass man einen Vulkanausbruch erwartet, auch wenn man diesen mittelfristig natürlich nicht ausschließen kann. Gemäß der GeoNet-Definition soll Warnstufe 1 nicht vor einem Ausbruch warnen, sondern vor „Unrest“. Eine Warnung also, dass aktuell und in naher Zukunft die vulkanischen Begleiterscheinungen wie Bodenhebungen und Erdbeben andauern kann. Durch die Lehren der letzten Jahrzehnte, wo selbst mäßige Erdbeben um Magnitude 5 wegen der geringen Tiefe schädliche Auswirkungen hatten, eine sinnvolle Warnung.

In den vergangenen 100 Jahren, so weit reicht der offizielle Erdbebenkatalog Neuseelands zurück, sind zahlreiche Erdbebenschwärme rund um den Taupo verzeichnet. Oft begleitet von Erdbeben über Magnitude 5, dabei meist eine sehr geringe Tiefe. Auch einzelne Erdbeben um Magnitude 6 hat es in diesem Zeitraum gegeben. Ereignet sich ein solches Erdbeben direkt unterhalb einer Siedlung, sind schwere Schäden zu befürchten. Da ist das bisherige „Hauptbeben“, Magnitude 4.2, kein Vergleich gegen.

Erdbeben am Taupo der letzten 100 Jahre

Neuseelands bekanntester Supervulkan befindet sich in der 17. Unruhephase seit Aufzeichnungsbeginn. Die erste Warnstufe überhaupt ist eine Lehre der 16 vorherigen. Auch wenn Taupo so wie seine Nachbarcalderen in der Vergangenheit gewaltige Vulkanausbrüche hervorbrachte, die auch in Zukunft wieder passieren werden: Die größte kurzfristige Gefahr geht wie bei vielen Vulkanen von den Begleiterscheinungen aus. Die Italienische Stadt Pozzuoli, die vor 40 Jahren während einer Campi Flegrei Aktivitätsphase durch massive Bodenhebungen schwer beschädigt wurde, ist eines der bekanntesten Beispiele.

Eine Warnung vor vulkanischen Begleiterscheinungen, nicht vor einem Vulkanausbruch selbst, hat GeoNet somit ausgesprochen. Für die Menschen rund im den Taupo-See eine ernste Situation, für den Rest der Welt unproblematisch. Auf dem 2014 eingeführten System der Vulkanwarnstufen in Neuseeland gilt erst ab Stufe 2 ein erhöhtes Ausbruchsrisiko. Um die mögliche Notwendigkeit dieser Einstufung in Zukunft zu erkennen, wird der Vulkan weiter genau überwacht. Bis dahin gilt es, Warnungen ruhig und sachlich so zu betrachten, wie sie sind und entsprechend zu reagieren.