Das Erdbebenrisiko vor Kamtschatka

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Die Kamtschatka-Halbinsel im äußersten Osten von Russland hat in den vergangenen Stunden eine Reihe von moderaten Erdbeben erlebt. Diese konzentrieren sich mehr oder weniger auf zwei Gebiete vor der Küste der Halbinsel. Zum Einen im Süden, direkt vor der Küste von Petropawlowsk-Kamtschatski, der Hauptstadt Kamtschatkas, und zum Anderen im Norden, am Überganz zum Aleuten-Bogen. Seit gestern morgen wurden an beiden Regionen zusammen 13 Erdbeben bis Magnitude 5. 
Kamtschatka liegt am Pazifischen Feuerring und ist damit häufig Schauplatz von Erdbeben. Dennoch ist diese Häufung ungewöhlich und ein Anlass für uns, mal ein wenig die seismischen Hintergründe dieser dünn besiedelten Region in Fernost zu durchleuchten.
Vor der Ostküste der Halbinsel treffen die Nordamerikanische und die Pazifische Platte auf die Ochotskische Platte. Es kommt dabei zur Subduktion und daraus resultierend zu Erdbeben- und Vulkanaktivitäten.

Wie an allen Subduktionszonen, kommt es auch dort zu Megathrust-Erdbeben, also Erdbeben, bei denen die Subduktionszone großflächig aufbricht. Insgesamt sind in den letzten 300 Jahren 5 Megathrust-Erdbeben über Magnitude 8 bekannt:

1737: Magnitude 8,3-8,5 ; bis zu 64 Meter hoher Tsunami
1792: Magnitude 8,4 ; Tsunami unbekannt

1841: Magnitude 8,4 ; bis zu 15 Meter hoher Tsunami
1904: Magnitude 8,3 und 8,1 ; Tsunamihöhe unbekannt
1952: Magnitude 9,0 ; bis zu 13 Meter hoher Tsunami

Diese ziemlich periodisch, in einem Abstand von je etwa 55 Jahren auftretenden Mega-Erdbeben lassen darauf schließen, dass es in nicht allzu ferner Zukuft wieder zu einem großen Erdbeben vor der Küste kommt. Natürlich kann man anhand von 5 Erdbeben keine statistisch wertvolle Aussage machen. Aber dennoch: Diese Vergangenheit, sowie die aktuelle, wenn auch bislang ungefährliche Erdbebenhäufung sollten daran erinnern, welches Gefahrenpotential in den schlafenden Riesen aus Fernost steckt. Wenn von einer pazifikweiten Tsunamibedrohung gesprochen wird, fallen meist die Namen Chile, Japan, Alaska und neuerdings auch die Kaskaden-Subduktionszone. Kamtschatka steht in der Liste nicht weit vorne. Vielleicht weil der letzte, pazifikweit gefährliche Tsunami schon 61 Jahre, und somit länger her ist, als in Chile, Japan oder Alaska. Aber wie lange das so bleibt, ist nicht zu beantworten.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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