Der Erdbebenschwarm in Heidenrod

Update 22. Januar
Erneutes Aufleben der Aktivität mit Beben über Magnitude 2. Weitere Infos dazu in diesem Beitrag.

Originaltext vom 16. Januar:

Heidenrod – Seit Samstag hat es in der Taunus-Gemeinde Heidenrod nordwestlich von Wiesbaden mehrere Erdbeben gegeben (wir berichteten). Neben den automatischen Auswertungen des Hessischen Erdbebendienstes gibt es inzwischen manuelle Daten durch andere Behörden wie dem Erdbebendienst Südwest oder dem Geologischen Dienst NRW. Dies erlaubt nun eine relativ vollständige Übersicht der Ereignisse, auch wenn es zwischen den Daten der einzelnen Erdbebendienste teils große Unterschiede gibt. Besonders die automatischen Daten aus Hessen sind stark abweichend. Im Folgenden eine Übersicht aller bestätigten Erdbeben und den jeweiligen Angaben durch die einzelnen Behörden (modi: A = automatisch registriert, M = manuell ausgewertet):

Datum / UhrzeitHLNUG (mod.)LGB (mod.)GDN (mod.)BNS (mod.)
13.01.2018, 05:310.6 (M)0.6 (M)
13.01.2018, 05:380.9 (M)0.8 (M)0.6 (M)
13.01.2018, 07:400.7 (M)0.7 (M)
13.01.2018, 07:421.2 (M)1.1 (M)1.1 (M)1.1 (M)
13.01.2018, 07:480.6 (M)
13.01.2018, 10:491.0 (M)1.0 (M)
13.01.2018, 10:500.6 (M)
13.01.2018, 13:321.8 (M)1.7 (M)1.6 (M)1.5 (M)
13.01.2018, 15:580.6 (M)0.7 (M)
13.01.2018, 15:590.9 (M)
13.01.2018, 19:520.7 (M)0.7 (M)
14.01.2018, 01:220.9 (M)0.8 (M)
14.01.2018, 18:141.2 (M)1.1 (M)
14.01.2018, 18:150.8 (M)
15.01.2018, 23:201.2 (M)1.2 (M)1.0 (M)
16.01.2018, 14:481.3 (M)1.2 (M)
16.01.2018, 15:421.3 (M)1.3 (M)
16.01.2018, 21:380.5 (M)
17.01.2018, 05.350.4 (M)

Stand: 17.01.2018, 16:30 Uhr

Warum die Unterschiede?
Je nach Datenmenge (Stationsmenge) können Ereignisse mit mehr oder weniger Genauigkeit erfasst (oder auch nicht) werden. Generell gilt: Je näher die Stationen am Epizentrum sind, umso bessere Auswertungen sind möglich. Bei automatischer Auswertung werden die Seismischen Signale von einem Computer detektiert und und entsprechende Datentypen zugeordnet. Dabei können Signale ggf. falsch interpretiert werden, wodurch falsche Daten resultieren können.
Eine manuelle Überprüfung schließt Fehler / Ungenauigkeiten nicht aus (das hängt stark von den zur Verfügung stehenden Daten ab!), doch sind diese in der Regel deutlich präziser.

Betrachtet man nur die manuellen Auswertungen ergibt sich eine andere Interpretation der Ereignisse.
Zunächst liegt die Magnitude der Erdbeben insgesamt deutlich niedriger mit nur sieben Erdbeben über Magnitude 1. Außerdem wird die Herdtiefe der Erdbeben vom Erdbebendienst Südwest, von der Erdbebenstation Bensberg und vom Geologischen Dienst NRW relativ einheitlich in ca 15 bis 17 Kilometern Tiefe verortet. Beides zusammen resultiert darin, dass die Wahrscheinlichkeit von spürbaren Erschütterungen infolge des Erdbebenschwarms verschwindend gering wird. Das erklärt, warum es keine Zeugenmeldungen gegeben hat.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

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Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 13. Januar

Magnitude: bis M1.7 (M)

Tiefe: ca. 15 bis 17 km

Spürbar: nein

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: nein

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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Text aktualisiert am 17.01. um 16:30 Uhr

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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