Tote und Verletzte bei Erdbebenserie in Taiwan

Aktualisiert am 7. Februar (Link zum neuesten Update) 

Taiwan – Mehrere Erdbeben haben sich seit Samstag im Osten von Taiwan ereignet. Das bisher stärkste dieser Beben folgte am Sonntagnachmittag MEZ. Nach ersten Angaben der Taiwanesischen Meteorologiebehörde (CWB) erreichte das Beben am Sonntag Magnitude 5.8. Das United States Geological Survey gibt das Erdbeben mit Magnitude 6.1 an. Demnach lag das Epizentrum des Bebens in der Region Hualien an der Ostküste der Insel. Auch in der Hauptstadt Taipeh waren die Erschütterungen zu spüren. In den dem Epizentrum am nächsten liegenden Regionen Hualien und Yilan wurden mit dem Intensitätswert 5 die stärksten Erschütterungen verzeichnet. Kleinere Schäden sind möglich.

Zuvor wurden bereits seit Samstag mehrere moderate Erdbeben aufgezeichnet. Die ersten Beben erreichten nach Angaben der Meteorologiebehörde Taiwan Magnitude 4.5. Ein stärkeres folgte am Sonntag mit Magnitude 5.1, nur knapp eine Stunde vor dem bisherigen Hauptbeben. Schon bei den Vorbeben verzeichnete die CWB vereinzelt hohe Intensitäten (5). Schäden hat es allerdings bislang nicht gegeben.

Im Gegensatz zu den Vorbeben, deren Epizentrum direkt an der Küste gelegen haben, lag das Hauptbeben einige Kilometer von der Küste entfernt. Zahlreiche Nachbeben folgten in den Minuten nach dem Hauptbeben, teilweise waren diese stärker als Magnitude 5.

Die Taiwanesische Intensitätsskala basiert, ähnlich wie die japanische Shindo-Skala, auf gemessenen Bodenbewegungen und gibt Hinweise auf die Zerstörungskraft des Erdbebens. Sie ist in sieben Stufen (1 bis 7) unterteilt. Ab Intensität 5 treten meist die ersten Gebäudeschäden auf. Sie entspricht Intensität VI is VII auf den in Europa und Nordamerika gebräuchlichen Skalen.

Update 15:24 Uhr
Das CWB registrierte in den ersten Minuten nach dem Hauptbeben sechs spürbare Nachbeben. Das stärkste dieser intensiven Sequenz erreichte demnach Magnitude 5.5. Es ereignete sich 17 Minuten nach dem Hauptbeben. Auch dieses erreichte in Hualien Intensität 5. Mit weiteren teils starken Erdbeben muss auch in den kommenden Stunden gerechnet werden.

Update 15:58 Uhr
Größere Auswirkungen wurden in der ersten Stunde nach dem Hauptbeben nicht gemeldet. Im Gebirge kam es durch die Erschütterungen zu Steinschlägen, weshalb eine Hauptstraße gesperrt werden musste. Nahe Taipeh stürzte durch das Erdbeben ein Wassertank von einem Haus. Verletzt wurde dabei niemand. Zudem kam es stellenweise zu Stromausfällen.


Update 6. Februar, 16:58 Uhr
Nachdem in den vergangenen Tagen weitere kleinere Erdbeben aufgetreten sind, folgte am Dienstag ein weiteres starkes Erdbeben an der Küste von Hualien. Das Beben ereignete sich um 16:50 Uhr MEZ und erreichte nach Angaben des CWB Magnitude 6.0. Damit war es deutlich stärker als die vorherigen Erdbeben. Auch das United States Geological Survey (USGS) gibt das Beben zunächst mit M6.4 und damit stärker an als die vorherigen Beben. Die größere Magnitude spiegelt sich auch in einer höheren Intensität wieder. So registrierte das CWB Intensität 6 bis 7 in der Nähe des Epizentrums und damit den höchsten Wert auf der in Taiwan verwendeten Intensitätsskala. Es muss rund um Hualien mit größeren Schäden gerechnet werden. Ebenso drohen weitere Erdbeben.
Die Erschütterungen waren auch in der Hauptstadt Taipeh stark zu spüren.

Update 17:12 Uhr
Ein Grund für die deutlich höhere Intensität ist neben der höheren Magnitude auch das Epizentrum, das beim Erdbeben heute direkt an der Küste gelegen hat. Das Hauptbeben am Sonntag hatte sein Epizentrum rund 15 Kilometer von der Küste entfernt, sodass die Intensität abgeschwächt war. Außerdem lag der Herd am Sonntag rund 5 Kilometer tiefer.
Die in Taiwan verwendete Intensitätsskala umfasst die Einstufung von 1 bis 7, wobei bei Intensität 7 selbst resistente Gebäude schwere Schäden erleiden können. Die CWB registrierte diese höchste Intensität an mehreren Stationen entlang der Küste, unter anderem Hualien und Yilan. Intensität 6 wurde in Yanliao und Tongmen verzeichnet.

Update 17:25 Uhr
In Hualien sind infolge der starken Erschütterungen zwei Hochhäuser teilweise eingestürzt bzw. verkippt. Zur Zeit gibt es noch keine Meldungen über mögliche Todesopfer.
Sowohl in Hualien, als auch in umliegenden Orten ist nach dem Erdbeben der Strom ausgefallen. Auch Teile von Taipeh waren von Ausfällen betroffen.

Update 17:34 Uhr
Hunderte Menschen sollen in den umgestürzten oder teilweise eingestürzten Gebäuden eingeschlossen sein. Unter anderem sind Gäste und Mitarbeiter eines Hotels gefangen, wo das erste Stockwerk eingestürzt ist.

Update 17:50 Uhr
Zur Rettung eingeschlossener  Menschen werden in Hualien aktuell neben den normalen Rettungskräften auch militärische Kräfte eingesetzt. Es ist unklar wie viele Menschen sich genau in den beschädigten Gebäuden befinden. Im Hotel, dessen erste Etage kollabiert ist, sollen sich 17 Gäste befinden.

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Update 17:58 Uhr
Erdbeben mit derart hoher Intensität gehen oft mit Veränderungen der Oberfläche einher. So gibt es in Hualien mehrere Straßen, wo der Asphalt verschoben wurde, bzw. wo Teile der Straßen angehoben wurden. Auch zahlreiche Brücken sind beschädigt. Das Verkippen der Hochhäuser könnte auf Bodenverflüssigung zurückzuführen sein.

Update 18:04 Uhr
Nach Taiwanesischer Zeit ereignete sich dieses Erdbeben am 6. Februar um 23:50 Uhr. Ebenfalls am 6. Februar vor zwei Jahren hat sich das letzte Erdbeben in Taiwan mit katastrophalen Auswirkungen ereignet. Beim Kaohsiung-Erdbeben, das Magnitude 6.4 erreichte, stürzten in der Stadt Tainan ähnlich wie heute mehrere Hochhäuser ein, wodurch 117 Menschen ums Leben gekommen sind. Damals wurde Baupfusch als Hauptgrund für die Einstürze ermittelt.
Dass sich heute, am Jahrestag der Katastrophe, ein ähnliches Erdbeben in einem anderen Landesteil ereignet hat, macht das Unglück noch tragischer.

Update 18:26 Uhr
Vier schwer betroffene Hochhäuser werden aktuell vom Katastrophenschutz bestätigt. Darunter sind neben dem Hotel, wo nach neuesten Angaben 30 Personen vermisst werden, ein Schulgebäude, ein Krankenhaus (Gebäude verkippt) und ein Wohnkomplex. Mehrere Japanische Touristen, die sich in dem eimgestürzten Hotel in den oberen Stockwerken aufgehalten haben, konnten sich selbst retten.
Neben dutzenden Rettungskräften werden auch Suchhunde eingesetzt, um Verschüttete aufzuspüren.

Update 19:14 Uhr
Dutzende Menschen wurden infolge des Bebens verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert, wie lokale Medien berichten. In einem eingestürzten Hochhaus soll es nach Angaben von Rettungskräften Todesopfer gegeben haben. Diese Meldung ist noch nicht offiziell bestätigt. Viele der Eingeschlossenen sind allerdings wohlauf. Teilweise können die Rettungskräfte mit ihnen kommunizieren.

Update 20:05 Uhr:
Mindestens 2 Personen sind bei dem Erdbeben ums Leben gekommen. Weitere 150 wurden verletzt, darunter 20 Personen mit schweren verletzungen. Nach neuen Meldungen sind durch das Erdbeben mindestens 7 Hochhäuser teilweise eingestürzt. In mehreren werden Menschen vermisst.

Update 7. Februar, 12:23 Uhr
Über Nacht wurden weitere Todesopfer geborgen. Medien sprechen zur Zeit von bis zu sieben Todesopfern. Rund 250 Menschen wurden verletzt. Dutzende weitere werden noch in den beschädigten Gebäuden vermisst. Seit dem Erdbeben konnten allerdings mehrere hundert Menschen lebend aus den Gebäuden befreit werden. Somit besehen gute Chancen, dass auch viele der noch Vermissten gerettet werden können.
Inzwischen gibt es erste Daten zu dem Bruchvorgang des Erdbebens und mögliche Zusammenhänge zum vorherigen Schwarm. Siehe dazu: https://erdbebennews.de/2018/02/hualien-erdbebenschwarm-mit-domino-effekt/

Update 16:35 Uhr
Relativ starkes Nachbeben am späten Mittwochabend (Ortszeit): Nach Angaben des CWB erreichte das Beben Magnitude 5.7. Das Epizentrum lag vor der Küste von Hualien. Intensität 4 wurde verzeichnet. Die Erschütterungen waren auch in Taipeh deutlich zu spüren. Mit neuen Schäden ist nicht zu rechnen. Allerdings können Auswirkungen auf bereits beschädigte Gebäude nicht ausgeschlossen werden.
Bereits nach einem Nachbeben (M4.8) am Nachmittag mussten die Bergungs- und Rettungsarbeiten kurzzeitig eingestellt werden.

Update 16:50 Uhr
Erneut mussten die Rettungsarbeiten unterbrochen werden. Helfer, die sich zur Zeit des Bebens in den beschädigten Gebäuden aufgehalten haben, wurden zurückgezogen. Über neue Schäden ist zur Zeit nichts bekannt.
Mindestens 52 Menschen werden nach dem Erdbeben am Dienstag noch vermisst.

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Zeugenmeldungen (4. Februar)
Hualien
Stockwert 4. Türen klappern. Starke Schwankungen. 3 bis 4 cm (Intensität VI)

Xincheng
Serie von Erdbeben unterschiedlicher Natur: horizontal & vertikal. Kurze Stöße und langes schwimmen. (Intensität VI)

Taoyuan
5 Stock im Wohnhaus, starkes schwanken. (Intensität V)

Zeugenmeldungen 6. Februar
Taichung
23.55 Uhr am 06.02.2018 in Taichung
Gebäude schwankte stark über eine Minute lang, 4. Stock,
Raum ächzte und nachhallende Geräusche aus oberen Stockwerken! (Intensität V)

Taipeh
23:52 1.OG Reihenhaus Taipei. Starkes Schwanken der Wohnung, keine Geräusche,
Ich war schon nervös in dem Moment, weil ich vorher noch nie ein solches Erdbeben gespürt habe. Wenn es stärkere weitere Beben geben wird, gehe ich vielleicht in einen nahegelegenen Park, weil ich mich in dem Haus nicht sicher fühle. (Intensität V)

Taipeh
Kurz vor Mitternacht im 3. Stock eines 2016 erbauten Hauses. Das Haus schwankte stark, Objekte fielen aus Schränken, Menschen waren erschrocken und ängstlich. Wir sind allerdings alle drinnen geblieben, die Nachbeben waren schwach. (Intensität V)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 14:56 Uhr

Magnitude: 5.8

Tiefe:

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

 

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

Ein Kommentar

  1. Taipei , Kunming Street
    00:30
    1.Stock
    Gesamte Gebäude wackelte ,ca 10 sec
    Angefüllt als ob Güterzug durchs Zimmer fährt
    Ähnliches vor Jahren in Lima erlebt
    Mfh

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