Adventskalender: Die Eruptionsgeschichte der Eifel

In den vergangenen Monaten hat das wiederholte Auftreten von Mikroerdbeben magmatischen Ursprungs im Bereich der Osteifel zu einem vermehrten Interesse an der vulkanischen Tätigkeit der Eifel-Vulkanfelder geführt, wenn auch es zur Zeit keine Anzeichen für wiederauflebende Aktivität gibt.
Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die vergangene Aktivität der Eifel.

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Große Eruptionen
Der wohl bekannteste Vulkan der Eifel ist der Laacher See nahe der Stadt Mendig. Bekannt vor allem für seine massive Eruption vor rund 13.000 Jahren, die zu den stärksten Vulkanausbrüchen auf der Nordhalbkugel seit Beginn der letzten Eiszeit gehört. Obwohl dies nicht die einzig starke, plinianische Eruption in der Eifel gewesen ist, stehen solche Eruptionen in der Geschichte der Eifel eher als Ausnahme dar, da sie im Vergleich zu den häufigeren phreatomagmatischen und strombolianischen Eruptionen sehr selten auftreten. Folgende starke, explosive Eruptionen sind bekannt:

EruptionszentrumDatierter Zeitraum (B.P)
Laacher See12.900
Wehrer Caldera151.000
Wehrer Caldera215.000
Rieden Caldera400.000

Diese drei Vulkane gehören zum Vulkanfeld der Osteifel, wo im Laufe der Erdgeschichte deutlich mehr stattgefunden haben als im Westeifel-Vulkanfeld. Allerdings lag zur Zeit der Laacher See – Eruption der vorherige Ausbruch bereits rund 90.000 Jahre zurück. Auch in der Westeifel lagen teilweise mehrere hunderttausend Jahre zwischen zwei Eruptionen.

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Zahlreiche Studien haben viele der jüngeren Eruptionen während des Pleistozäns identifiziert und datiert. Dennoch ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Liste bekannter Eruptionen ein vollständiges Protokoll der Eifel-Geschichte darstellt. Hier greifen wir zunächst auf die Daten zweier Publikationen zurück (siehe Zitierung am Ende des Textes).
In folgender Tabelle sind die (teils mit großer Unsicherheit) datierten Vulkanausbrüche in beiden Vulkanfeldern mit zugehörigem Eruptionszentrum (sofern bekannt) der letzten 200.000 Jahre zusammengefasst. Mit Ausnahme der zuvor genannten großen Eruptionen handelt es sich in allen Fällen um vergleichsweise kleine Ausbrüche, bei denen die jeweils als Eruptionszentrum genannten Vulkankegel / Maare entstanden sind.

EruptionszentrumDatierter Zeitraum (B.P)
Ulmener Maar10.000
Laacher See12.900
Gemündener Maar30.000
Bad Bertrich55.000
Mosenberg85.000
Lummerfeld90.000
Mauerley100.000
Veitskopf110.000
Dümpelmaar116.000
Bausenberg150.000
Wehrer Caldera151.000
Thür180.000
Karmelenberg200.000
Wanneköpfe200.000

Die jüngsten 200.000 Jahre stellen dabei nur die aktuellste Eruptionsphase der Eifel dar. Zuvor dominierten zwei Perioden mit sehr hoher Aktivität: Vor rund 250.000 Jahren und vor 400.000 Jahren. In diese Zeiträume sind die meisten der bekannten-Eifel Eruptionen einzuordnen. Dies betrifft vor allem das Osteifel-Vulkanfeld. Die Eruptionszentren der Westeifel entstanden überwiegend vor 500.000 Jahren.

Die Phasen hoher Vulkanaktivität in der Eifel, aber auch am Zentralmassiv in Frankreich, korrelieren stark mit dem Ende der vergangenen beiden Eiszeiten. Daher besteht die Theorie, dass das Schmelzen der Gletscher in Nordeuropa auch in Mitteleuropa zu einer starken Veränderung der Druckverhältnisse in der mittleren Kruste (und damit im Bereich der Magmakammern) führte und dadurch Vulkanaktivität begünstigte. Auch ein Anstieg des Meeresspiegels wird als Auslöser der vulkanischen Tätigkeiten ins Spiel gebracht.

Warum genau die Eifelvulkane während dieser drei Zeiträume aktiver geworden sind, bleibt bis auf weiteres ungeklärt. Jedoch zeigen die langen Zeiträume zwischen den einzelnen Hochphasen, dass Aktivität auch nach vielen Zehntausend Jahren wieder aufleben kann. Auch einzelne Eruptionen innerhalb dieser eigentlichen Ruhephasen sind aufgetreten. Somit besteht kein Zweifel daran, dass sich in der Eifel eines Tages ein neues Eruptionszentrum bilden wird. Die jüngsten Erdbeben belegen, dass auch unterhalb der ruhigen Oberfläche noch Aktivität stattfindet.

Datenquellen:
Förster, M.W., Sirocko, F., Volcanic activity in the Eifel during the last 500,000years: The ELSA-Tephra-Stack, Glob. Planet. Change (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.gloplacha.2015.07.012

Nowell, D. A., Jones, M. C., & Pyle, D. M. Episodic quaternary volcanism in France and Germany. Journal of Quaternary Science: Published for the Quaternary Research Association, 21(6), 645-675. (2006)

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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